20. Juni 2020 Hans-Raimund Kinkel

Wie sieht die Tourismus-Realität wirklich aus?

In eigener Sache: Das Online-Portal „reise-pilot.de“ ist von seiner Konzeption her ein aktuelles Barometer für die Interessen im Tourismus-Sektor. Wir analysieren schon lange täglich anonym, welche Berichte über Reisen-Tipps und -Ideen unsere User aufrufen und lesen sowie vor allem auch, wie viele sich konkret überhaupt aktuell für Reisethemen interessieren. Und da müssen wir zur Zeit feststellen, dass sich die Seitenaufrufe und Nutzerzahlen um rund 85% reduziert haben. Die verbliebenen User haben hauptsächlich Interesse an Aktivitäten, die sie von ihrem Wohnumfeld aus machen können. Tagesausflüge mit Wandern, Radfahren oder etwas mit Kindern zu unternehmen stehen im Vordergrund.

Und ansonsten werden Informationen sehr zaghaft zu Ferienhaus- oder Ferienwohnungsurlaub im Land oder angrenzend z.B. in Dänemark und Campingurlaub  gesucht. Die Berichte über vereinzelten Ansturm z.B. auf Sylt oder Staus an der Grenze nach Dänemark verfälschen das Gesamtbild unserer Meinung nach.

Ganz am Ende rangiert der Hotelurlaub. Die dortigen Hygiene-Maßnahmen mit Maskenpflicht, eingeschweißtem Frühstück, Zeitvorgaben mit Reservierung für den Restaurant-Besuch und vor allem die gesperrten oder eingeschränkt nutzbaren Wellness-Einrichtungen, Schwimmbad, Sauna usw. machen das Ganze mehr als unattraktiv. Auch Kreuzfahrten, bisher eine der dynamischsten Reisearten, haben weder Nachfrage noch realistisch umsetzbare Angebote. In Hamburg versuchen die Hoteliers die Hamburger selbst zu motivieren, Hotelurlaub in der eigenen Stadt zu buchen – einen verzweifelteren Versuch kann es eigentlich nicht geben.

Ehrliche Meldungen kommen derzeit selten, zuletzt dazu überraschenderweise aus Griechenland, dass immer noch mehr Stornierungen als Neubuchungen zu verzeichnen sind. Auch die Mallorca-Aktion mit 11 000 „Versuchsbesuchern“ wird wohl keinen Boom auslösen.

Wir denken, das kommt der Realität ziemlich nahe. Noch ist Corona nicht vorbei und unbeschwertes Reisen einfach nicht möglich. Darauf können sich sicher nicht alle Unternehmen in der Reisebranche einstellen bzw. diese noch länger andauernde Phase überstehen.

Foto: Aktivurlaub © Hans-Raimund Kinkel

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