4. November 2021 Hans-Raimund Kinkel

Wandern oder Radeln von Wülmersen aus

Man kennt vielleicht „Würselen“ durch den gescheiterten SPD-Politiker, aber der Ort „Wülmersen“ wird vermutlich nur wenigen ein Begriff sein. Und doch bietet er als Ausgangspunkt für Wanderungen oder Radtouren eine ganze Menge. Denn Wülmersen liegt mitten in der Kulturlandschaft des Weserberglandes, der Märchenwelt Grimms umgeben von Wäldern, Wiesen, Flussläufen und landwirtschaftlichen Flächen.  Ausflugsziele sind das Dornröschenschloss Sababurg und die Barockstadt Bad Karlshafen, sowie die Trendel- und Krukenburg. Und dazu kommen ausgedehnte Wander- Reit- und Fahrradwege und damit viele Möglichkeiten der naturnahen Erholung.

Flüsschen Holzape vor der Burg

Auf Wikipedia findet man zu Wülmersen überraschend viele Informationen. Danach wurde das Dorf 1108 erstmals urkundlich erwähnt, als der Bischof von Paderborn das Dorf dem Kloster Helmarshausen schenkte. 200 Jahre später ging es an die Ritter von Stockhausen, die das Lehen über 500 Jahre behielten, bis es in Privateigentum umgewandelt wurde.  Da das Hofgut im 18. und 19. Jahrhundert von einem Wassergraben umgeben war, bildete sich der Begriff „Wasserschloss Wülmersen“ und ist bis heute erhalten. In den 50iger Jahren wurde das Gut verkauft, Flächen aufgeteilt und die mittelalterlichen Gebäude aufgegeben. Nach 30 Jahren Verfall übernahm der Verein Aus- und Fortbildungsverbund (AuF) im Landkreis Kassel e.V. den „Schutthaufen“ und baute mit den Jugendlichen unter Anleitung erfahrener Handwerker die Ruine wieder teilweise auf. 1995 war dann die Rekonstruktion des Wasserschlosses wieder präsentabel.

Blick auf das Herrenhaus von der Burg

Museen
1997 wurde in einem ehemaligen Stallgebäude das Landmuseum eingerichtet, in dem von Mai bis Oktober jährlich wechselnde Ausstellungen aus den Themenbereichen Landleben und -arbeit gezeigt werden. In den angrenzenden Scheunen ist das Museumsmagazin als Schaudepot eingerichtet und kann mit einer Führung besichtigt werden. Ein Kiosk bietet Erfrischung für Museumsbesucher, Wanderer, Rad- oder Kanufahrer. Museumspädagogische Veranstaltungen können gebucht werden.

Zwei Wassermühlen standen in Wülmersen und eine weitere im auslaufenden Holzapetal, in der sich heute ein Fischzuchtbetrieb befindet. Eine weitere Mühle im Diemelbogen an der Zufahrt zum Hofgut wurde zwischen 1921 und 1924 als Wasserkraftwerk erbaut und 1987 als Technikmuseum mit Einblicken in die Entstehung und Entwicklung der Elektrizitätsversorgung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Verkehr und Wandern
Knapp 550 m nordwestlich vorbei an Wülmersen verläuft in ihrem Abschnitt von Deisel in Richtung Nordosten nach Helmarshausen die Bundesstraße 83 – dort mit der Deutschen Märchenstraße (Dornröschen-Route). Von dieser Straße führt die Kreisstraße 74 als die Diemel überquerende und im Weiler endende Stichstraße in Richtung Südosten.

Gierseilfähre von Beverungen-Würgassen zur Burg Herstelle

Und ebenfalls nicht weit ist es zum Weserradweg zur Burg Herstelle, zu deren Füßen man mit einer Gierseilfähre nach Beverungen-Würgassen übersetzen kann.

Durch die Ortschaft verlief früher östlich des Gutshofs auch auf einer Brücke über die Holzape die Carlsbahn. Die Trasse ist bei Wülmersen ein gemeinsamer Abschnitt von Diemelradweg und Märchenlandweg.

Übernachten im Herrenhaus

Um von Wülmersen aus die ganze Gegend erkunden zu können, braucht man natürlich ein entsprechendes Quartier. Und das bietet sich im Herrenhaus Wülmersen an, nachdem es die Architekten Katrin und Werner Paech liebevoll restauriert haben. In einer Kombination von festen Bewohnern und Feriengästen bietet das Haus einen besonderen Reiz mit der Romantik des Weilers.

Das 1802 erbaute Herrenhaus Wülmersen wurde in den letzten Jahren komplett instandgesetzt. Die sehr großzügigen Wohngrundrisse verleihen dem Haus selbst eine einzigartige Atmosphäre. Nach der nun abgeschlossenen, nach heutigen Standards vorgenommenen Restaurierung stehen für Feriengäste 3 hochwertige und komfortable Ferienwohnungen  zur Verfügung. Die  kleinste ist 86, die größte 160 qm.

Die dritte Wohnung bietet 120 qm Platz mit der Bezeichnung „Burggarten“ und hat einen direkten Zugang zu einer eigenen Terrasse. Sie ist für 6 Gäste geeignet. Die Preise liegen zwischen 670 und 930 Euro/Woche.

Alle drei Ferienwohnungen im historischen Herrenhaus Wülmersen laden zum Relaxen und Erholen ein – in den Wohnungen selbst oder im direkten Umfeld.

In der Nähe trifft man auf eine Forellen- sowie eine Straussenzucht. Entlang der mäandernden Diemel verläuft ein Radweg. Knapp 8 Kilometer sind es bis Bad Karlshafen, wo man auf den Weserradweg trifft und diesen zwischen Bodenfelde und Beverungen erkunden kann.

Radeln nach Bad Karlshafen

Mit seiner „weißen“ Innenstadt und dem Hafen im Zentrum ist die Barockstadt ein lohnendes Ausflugsziel. Der Steckbrief der Stadt dazu:

Bad Karlshafen

„Die Stadt Bad Karlshafen liegt am Rande der beiden Naturparke Reinhardswald und Solling-Vogler an der Mündung der Diemel in die Weser im Dreiländereck Hessen/Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen. Die hugenottische Planstadt Bad Karlshafen mit dem Hafen im Mittelpunkt ist eines der bedeutendsten barocken Stadtdenkmäler Deutschlands. Der mittelalterliche Stadtteil Helmarshausen ist von der bedeutenden Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei und der Krukenburg geprägt. Die Landschaften von Weserbergland und Diemeltal, die Thermalsole und das große bauliche und kulturelle Erbe der Stadt machen beide Stadtteile zu einem lohnenswerten Urlaubs- und Ausflugsziel.“

Trendelburg 

Startet man in die südliche Richtung, erreicht man nach gut 6 Kilometer Trendelburg. Die Burg Trendelburg entstand im 13. Jahrhundert (Abschrift aus „Liber vitae“, Kloster Corvey, im Staatsarchiv Münster) im Grenzgebiet am Fluss Diemel – hier befand sich eine Furt, an der sich wichtige Handelswege kreuzten – zwischen den Bistümern Paderborn, Mainz und der aufstrebenden Landgrafschaft Hessen. Erbauer war Konrad III. von Schöneberg (1249–1311). Der Gerichtsort wurde an die Linde vor der Burg gelegt. Durch den Halsgraben getrennt, entstand vor der Burg auf dem Bergrücken eine kleine Siedlung, die zwei Tore hatte und von einer Stadtmauer umschlossen war. Ältere im Tal liegende Dörfer (Trende, Sulten, Exen) wurden nach und nach aufgegeben und zugunsten des befestigten Trendelburgs verlassen.

Sababurg

Nach weiteren rund 11 Kilometern von Trendelburg aus erreicht man Sababurg. Die Sababurg, früher erst Zappenburg, dann Zapfenburg und heute im Volksmund nach dem Brüder-Grimm-Märchen Dornröschen­schloss genannt, ist die Ruine einer Höhenburg im sagenumwobenen Reinhardswald, der sich im nordhessischen Landkreis Kassel erstreckt. Sababurg ist zugleich ein Ortsteil des Stadtteils Beberbeck von Hofgeismar.

Die Höhenburg entstand ab 1334 als Zappenburg zum Schutz der Pilger des nahen Wallfahrtsorts Gottsbüren. Aus der mittelalterlichen Burganlage ging ab 1490 das Jagdschloss Zapfenburg hervor. Nach 1957 wurde die Anlage restauriert und seit 1959 beherbergt sie ein Hotel. Zusammen mit der Trendelburg und Krukenburg gehört die heutige Ruine zu den drei bekanntesten Burgen der Reinhardswaldregion, obgleich Letztere knapp außerhalb dieses Waldes steht. In der Umgebung befinden sich der Tierpark Sababurg und der Urwald Sababurg. Auf der Burg entstand die Idee für das Brettspiel Sagaland.

Da es auf dieser Strecke einige Steigungen gibt, muss man etwas mehr Zeit einplanen.

Der Reinhardswald…
.. ist ein über 200 km² großes, hohes Mittelgebirge des Weserberglands und bietet vor allem Wanderern interessante und abwechslungsreiche  Touren . Als Ort von Sagen und Legenden, wie Grimmscher Märchen, und besonders durch das Dornröschenschloss Sababurg ist der Reinhardswald überregional bekannt. Der Reinhardswald erstreckt sich zwischen Kassel und Bad Karlshafen sowie Hann. Münden und Hofgeismar. Im Norden und Osten stößt das Waldgebiet an die Weser und im Südosten und Süden an die Fulda, beide Flüsse bilden die Grenze zu Niedersachsen. Im Westen grenzt er teils an die Esse und im Nordwesten an die Diemel.

www.herrenhaus-wuelmersen.de