8. Dezember 2020 Hans-Raimund Kinkel

Wander- und Radziele mit Geschichte

Eine Hütte muss nicht immer dem gewohnten Bild entsprechen – das beweisen die Einkehrmöglichkeiten im Thüringer Wald. So rundet z.B. ein Speisewagen mit Aussicht an der Bergstation der Oberweißbacher Bergbahn das Bergbahn-Erlebnis kulinarisch ab. Aber der Thüringer Wald hat noch mehr zu bieten, von besonderer Hüttenkultur über regionale Spezialitäten bis hin zu spektakulären Aussichten.

Neue Gehlberger Hütte: „Finkeböff“ und Schneekopfkugeln

Neue-Gehlberger Huette_© DominikKetz

Seit 2009 gibt es wieder eine Hütte auf dem Schneekopf, die Neue Gehlberger Hütte. Während die Marke von 1.000 Höhenmetern auf dem benachbarten Aussichtsturm geknackt wird, liegt die Hütte selbst auf dem zweithöchsten Berg des Thüringer Waldes, auf 978 Metern Höhe.
Einen Besuch ist sie allemal wert, denn serviert werden feinste Thüringer Spezialitäten: Vom Knöllegericht, also Klößen, bis zum traditionellen Gehlberger Gericht „Finkeböff“, einem pikanten Gericht mit Pellkartoffeln. Wenn es etwas Süßes sein darf, sollte man Schneekopfkugeln – heiße Krapfen – bestellen. Schneekopfkugeln heißen übrigens auch jene mineralgefüllten Gesteinshohlräume, die vor 250 Millionen Jahren aus Gasblasen in der Lavamasse entstanden sind. Da man viele dieser Steine in der Vergangenheit rund um den Schneekopf gefunden hat, ist der Gipfel auch ihr Namensgeber.
Einen langen Wandertag beschließt man im Spätsommer am besten am Kamin der Neuen Gehlberger Hütte, auch eine Übernachtung in einem der Mehrbettzimmer ist möglich.

Speisewagen der Oberweißbacher Bergbahn
Die Oberweißbacher Bergbahn ist das Herzstück im Thüringer Bergbahnland. Sie ist die steilste Standseilbahn zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen. An der Bergstation in Lichtenhain befindet sich eine ganz besondere Einkehrmöglichkeit: ein ehemaliger Speisewagen. Zum atemberaubenden Ausblick auf das Schwarzatal (aus 662 Metern Höhe) gibt es Kaffee und hausgebackenen Kuchen. Bis Mitte Oktober ist der Speisewagen geöffnet.

Ruppberghütte – eine Hütte mit Geschichte

Ruppberg_Heinr._Held_Visuals

Bereits die Kelten errichteten eine Wallanlage auf dem Ruppberg und im elften Jahrhundert soll es an diesem Platz sogar eine Burg gegeben haben. Die erste Schutzhütte wurde 1898 gebaut, aber auch das heutige Haus aus dem Jahr 1958 ist absolut einen Besuch wert. Es ist die exponierte, freie Lage des Ruppbergs, den man von Zella-Mehlis aus erwandern kann, die den Berg und die Hütte so besonders machen. Und die Tatsache, dass die 30 Mitglieder des dafür gegründeten Vereins die Ruppberghütte im Ehrenamt bewirtschaften und ihre Gäste mit herzlicher Gastfreundschaft und einer zünftigen Brotzeit bewirten, macht die Einkehr zu einem echten Baudenerlebnis.

Bergmannsklause – eine Hütte für jede Jahreszeit
In der Nähe der Orte Steinach und Lauscha gelegen, ist die Bergmannsklause im Sommer idealer Ausgangspunkt für viele Wanderungen durch eine fast unberührte Mittelgebirgslandschaft. Im Winter führen gespurte Skiwanderwege direkt zur Hütte, die ursprünglich ein Zechenhaus für jene Bergleute war, die in der Region Schiefer, das sogenannte „Blaue Gold“ abbauten. Heute werden den Gästen deftige Spezialitäten der Region oder auch Forellen aus dem eigenen Teich serviert.

Weitere Informationen unter www.thueringer-wald.com