26. Mai 2021 Hans-Raimund Kinkel

WALTER GRAMATTÉ UND HAMBURG

Anlässlich einer großen Schenkung zeigt die Hamburger Kunsthalle eine Auswahl von 75 Werken aus ihrem reichen Bestand von mehr als 100 Arbeiten des Berliner Malers, Zeichners und Graphikers Walter Gramatté (1897-1929), dessen Œuvre sich ab den 1920er Jahren stilistisch zwischen dem Expressionismus, dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus bewegt.

Walter Gramatté (1897–1929)
Bildnis Rosa Schapire (1874-1954), 1920
Gouache, Aquarell, Buntstift, auf perforiertem, chamoisfarbigem Zeichenpapier, 454 x 368 mm
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Christoph Irrgang

Das künstlerische Oeuvre Gramattés aus einer kurzen, nur rund zehn Jahre andauernden Wirkungszeit, lässt sich diesen Strömungen nicht eindeutig zuordnen und verleiht ihm dadurch eine eigenständige Originalität. Zu sehen sind Porträts und Selbst-porträts sowie Landschaftsbilder und symbolische Werke, die häufig von Gramattés Erfahrungen im Ersten Weltkrieg und seinem seit 1918 stark beeinträchtigten Gesundheitszustand geprägt sind. Die Arbeiten entstanden in Berlin, Barcelona, an der Ostseeküste bei Ahrenshoop sowie auf der Insel Hiddensee und in Hamburg.

Die Hansestadt besuchte Gramatté ab 1920 häufig zusammen mit seiner Frau, der Komponistin Sonia Fridmann-Gramatté (1898–1974). Sie knüpften hier enge Kontakte zur Kunstszene. Hamburg ist auch der Ort, wo Walter Gramatté im Februar 1929 an den Folgen seiner Kriegsverletzungen und einer Darmtuberkulose mit nur 32 Jahren verstarb.

Im Jahr 2019 erhielt die Hamburger Kunsthalle von der Eckhardt-Gramatté Foundation im kanadischen Winnipeg 47 graphische Arbeiten des Künstlers sowie ein Landschaftsgemälde als großzügige Schenkung. Ein paar Jahre zuvor konnte mit dem Bildnis Rosa Schapire (von 1920) eine frühe wichtige Aquarellarbeit mit Unterstützung der Freunde der Kunsthalle e. V. erstanden werden. Aber auch schon zu Lebzeiten des Künstlers erwarb die Kunsthalle Zeichnungen und Druckgraphik von Gramatté.

Die Ausstellung wird im Harzen-Kabinett der Hamburger Kunsthalle präsentiert. Die Ausstellungsfläche speziell für lichtempfindliche Druckgraphik ist benannt nach Georg Ernst Harzen (1790-1863). Der Kunsthändler und Sammler war ein Kenner der graphischen Künste, der mit einer Schenkung 1869 den Grundstock der Hamburger Kunsthalle bildete.

Die Ausstellung eröffnete während des Lockdowns im November und kann nun mit verlängerter Laufzeit bis 25. Juli 2021 besucht werden.

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