31. Januar 2020 Hans-Raimund Kinkel

Vertikaler Nervenkitzel in Guyana

Echte Abenteuer bietet in Guyana nicht nur der schier unendliche Regenwald, der 80% des südamerikanischen Landes bedeckt. Adrenalinstöße bewirkt auch die Eroberung des Mount Roraima auf der Grenze zu Brasilien und Venezuela. Über zwei Mrd. Jahre alt soll er sein, und mit anderen so genannten „Tepuis“ im Hochland des Guyana-Schildes ist er der imposante Rest eines einst mächtigen Sandsteinplateaus, aus dem die Erosion riesige Monolithen schnitzte.

Erhabener Riese umgeben vom Regenwald: der Mount Roraima. Foto: Leo Holding/Matt Pycroft

Der Weg auf den 2.810 Meter hohen Tafelberg ist nichts für Warmduscher. Vor allem dann nicht, wenn er von Guyana aus erfolgt. Schließlich führt die finale Etappe über 600 Meter nur noch in eine Richtung: senkrecht nach oben!

Doch auch der Einstieg hat es bereits in sich, wie das Beispiel einer Expedition im Dezember des vergangenen Jahres belegt. Um zum Fuße des Roraima zu gelangen, mühte sich das Team um den britischen Alpinisten Leo Houlding über 50 Kilometer durch den Dschungel. Neben der 21jährigen Ann Taylor und fünf weiteren Kletterern internationaler Herkunft gehörten auch zwei Guyaner der Gruppe an. Troy Henry (38 Jahre) und Edward Jameson (56) waren am Ende die ersten Indigenen, die auf diesem Weg das „Dach“ des Mount Roraima betraten.

Übernachtet wurde auf schmalen Felsvorsprüngen. Foto: Leo Holding/Matt Pycroft

Bis es soweit war, sollten aber noch weitere zwölf Tage vergehen, in denen die senkrechte, vielfach überhängende Wand (The Prow) auf einer neuen Route bezwungen werden konnte. Hinzu kamen die Nächte, die im Biwak-Zelt auf schmalen Felsvorsprüngen verbracht wurden. Und das bei nahezu anhaltenden Niederschlägen, gilt der Mount Roraima doch als „Mutter des großen Wassers“, der die Ströme Guyanas speist.

So groß die Begeisterung bei den Teilnehmern am Ende der Tour auch war, ein derartiges Kletter-Abenteuer ist nichts für „normale“ Touristen. Sie können das Plateau dieses fantastische Natur-Monuments allerdings auch auf alternativen Wegen erreichen. Entweder von venezolanischer Seite aus während eines mehrtägigen, ebenfalls recht sportlichen Hikes oder aber ganz bequem: per Helikopter…

www.guyanatourism.com; Startfoto: „Seiltanz“ in luftiger Höhe. Foto: Leo Holding/Matt Pycroft

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