22. Dezember 2021 Hans-Raimund Kinkel

Tipps für Wintercamping

Vor dem Fenster fallen lautlos die Schneeflocken vom Himmel und drinnen bollert die kleine Gasheizung. Was für die einen unvorstellbar ist, empfinden die anderen als das größte Glück überhaupt: Winterurlaub mit dem Camper. Man ist mitten drin in der Natur, kann sich seinen Wintertag so einteilen, wie man es am liebsten hat und manchmal lockt sogar ein netter Winter-Grillabend mit den Camp-Nachbarn. PaulCamper, die Vermittlungsplattform für Camper-Fans, hat zusammengetragen, was beim Wintercampen alles beachtet werden sollte. Die acht wichtigsten Infos für alle, die auch in der kalten Jahreszeit ihren Campertraum leben wollen.

Heizen: Mit Gas wird’s warm

„Eine elf Kilo Gasflasche kann bei -15 Grad bis zu vier Tage halten”, sagt Stephanie Schuricht, Sprecherin von PaulCamper und selbst begeisterte Wintercamperin. „Allerdings kommt es natürlich darauf an, wie viel man durch Heizung, Kühlschrank, Herd und Warmwasser verbraucht. Man sollte also unbedingt eine Ersatzflasche dabei haben oder zumindest wissen, wo man in der Nähe eine neue Flasche bekommt.” In Campern, die mit einem Duo Control System ausgestattet sind, schaltet sich automatisch die neue Gasflasche an, wenn die alte leer ist. Einige Heizungshersteller bieten via App oder SMS Warnhinweise an, wenn sich der Füllstand zu Ende neigt. Ein guter Service, denn eine ausgefallene Heizung finden auch hartgesottene Camper nicht so schön. „Viele winterfeste Wohnmobile, wie man sie auch auf PaulCamper findet, haben eine integrierte Heizung, meist basierend auf Gas. So kann man seine Wohlfühltemperatur direkt einstellen und sich mit einer heißen Tasse Tee zurücklehnen”, sagt Schuricht.

Winterfest oder wintertauglich?

Ein winterfestes Wohnmobil entspricht einer definierten Norm nach EN 1646-1. Damit ist sichergestellt, dass sich das Reisemobil bei -15 Grad nach zwei Stunden auf 20 Grad Innentemperatur aufheizen lässt. Die Bezeichnung wintertauglich hingegen bestätigt nur, dass sich das Wohnmobil auch bei 0 Grad noch starten lässt. Winterfeste Camper bieten meist eine Warmluftheizung, einen isolierten Abwassertank, elektrisch beheizbare Abwassertanks und -leitungen und isolierte Unterbodenleitungen. „Wer einen Camper für den Winterurlaub mietet, sollte darauf achten, dass er gut isoliert ist, sonst geht die warme Luft leider direkt verloren”, sagt Schuricht.

Foto: © LUKAS POUSSET

Thermodecken und eine Wärmflasche fürs Bett

Gerade in Wohnmobilen stellt die Frontscheibe die größte Kältebrücke dar. Mit Isolationsmatten, die man entweder von außen oder von innen auf die Frontscheibe legt, kann man den Gasverbrauch etwas drosseln. Auch Vorhänge – zur Not auch Decken oder Handtücher – helfen, den vorderen Teil des Campers vom Aufenthaltsbereich zu trennen und somit die wichtigen Orte schneller zu heizen. Stephanie Schurichts persönlicher Tipp für Frostbeulen: „Wärmflasche mit ins Gepäck und bevor man ins Bett geht schon mal unter die Decke legen.”

Das Vorzelt als Klimaschleuse

Als praktische Klimaschleuse funktioniert im Winter ein Vorzelt. Die Wärme aus dem Camper trifft nicht direkt auf die Außentemperatur und die Minusgrade kommen auch nicht so schnell in das aufgewärmte Wohnmobil. Außerdem kann man hier schonmal die Skiklamotten und die schneenassen Schuhe ausziehen und so Dreck, Steinchen und die Nässe direkt vor der Tür lassen. Wenn man dann noch einen kleinen Teppich auslegt, können die nassen Schuhe auch gut trocknen. „Wer kein Vorzelt hat, dem hilft auch ein Klassiker im Camper: die gute alte Fußmatte”, sagt die erfahrene Wintercamperin. Vorher schön die Stiefel draußen auf dem Tritt abklopfen und säubern. Abgestellt auf einer Gummimatte, kann man die Schuhe dann drinnen trocken und warm bis zum nächsten Einsatz lagern.

Schneeketten vorher ausprobieren

Klar, wer in die Berge fährt, braucht Schneeketten. Und die sollte man auch rechtzeitig aufziehen und nicht erst, wenn man bereits am Hang in der Kurve hängt. Da man Schneeketten in der Regel aber nur ein Mal im Jahr nutzt, ist es ratsam, sich schon vor der Reise mit der Handhabe zu beschäftigen. Dann sind die Dinger auch ganz schnell auf den Rädern und es kann weitergehen.

Foto: © LUKAS POUSSET

Tägliche Begleiter – Schaufel, Besen, Leiter

Ist der Camper mal so richtig eingeschneit, lohnt es sich, Schaufel und Besen zur Hand zu haben. So bekommt man einfach die Frontscheibe frei und kann sich den Eingang freischaufeln. Dank der Leiter können Camper auch das Dach ihres Fahrzeugs freiräumen, denn die Wärme von unten lässt den Schnee schmelzen und die Kälte von oben lässt den angeschmolzenen Schnee frieren, so entsteht eine dicke, schwere Eisschicht, die man kaum noch gelöst bekommt.

Was tun gegen eingefrorene Schlösser und Leitungen

Nachhaltiger als Frostschutzmittel im Abwassertank ist es, einen großen Eimer oder eine Wanne unter das Fahrzeug zu stellen. Der Ablassschieber bleibt dann immer geöffnet. Zwar gefriert dann das Wasser im Eimer, aber mit etwas Ruckeln und Rütteln bekommt man das leicht wieder raus. Sollten doch einmal die Leitungen einfrieren, hilft ein Heizdraht oder sogar ein Föhn. „Ich empfehle aber dennoch, lieber den Camper vorab zu testen ob alles richtig funktioniert und isoliert ist. Campingeinsteiger können in einer solchen Situation auch mal überfordert sein, dann sollten sie aber nicht zögern, einen netten Nachbarn oder Campingplatzmitarbeitende um Hilfe zu fragen. Eventuell habe diese einen Spezialtrick oder sogar eine Halle in der man sich kurzfristig zum Auftauen unterstellen kann.”

Life Hack für die Abende: Stirnlampe nicht vergessen

Ein praktischer Tipp zum Schluss: die Stirnlampe. Wer nachmittags um fünf draußen etwas einstellen, reparieren oder auswechseln muss, früh am Morgen zu den Duschen oder nachts zur Toilette gehen will, wird für eine Stirnlampe dankbar sein. „Um das zu umgehen, wählt man besser gleich ein Wohnmobil, das mit einer Toilette ausgestattet ist. Diese ist dann tip top beheizt und man spart sich den frostigen Gang am Morgen. Auch die erste Katzenwäsche ist hier möglich. Dann trinkt man seinen ersten Kaffee, zieht sich gemütlich an und schlendert bei Bedarf zu den Waschräumen. Wem die Katzenwäsche am Morgen reicht, kann danach direkt auf die Piste und gönnt sich lieber eine wärmende Dusche nach dem Skitag.

Startfoto: © LUKAS POUSSET

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