9. September 2021 Hans-Raimund Kinkel

Sünde und Bestrafung auf Dornenwänden

Aktueller kann ein Kunstprojekt kaum sein als die Projektions-Triennale lichtsicht 7 in Bad Rothenfelde im Westen Niedersachsens, die vom 22. Oktober 2021 bis 20. Februar 2022 mit 38 Beamern Verstörendes und Verblüffendes auf die zwölf Meter hohen Schwarzdornwände des Gradierwerkes im Kurpark wirft. So setzt beispielsweise die chinesische Künstlerin Lu Yang in ihrem Werk „Delusional Crime and Punishment“ das Böse im Menschen in Szene. „In der Beschreibung der Hölle betrachten wir körperliche Bestrafung immer noch als die schwerste Bestrafung; vielleicht wäre da noch die emotionale Hölle…“

lichtsicht7_Lu_Yang_c_Angela von Brill_

Doch die Werke der insgesamt 25 Künstler*innen, die täglich ab 17.30 Uhr auf die Dornenwände projiziert und auch im Rahmen von Führungen erläutert werden, zeigen auch Mut machendes. In der interaktiven Kunstinstallation von Simon Weckert und Phillip Weiser „Eternal Dream“ geht es zum Beispiel um den ewigen Traum vom Fliegen – vielleicht in eine bessere Zeit?

lichtsicht7_Lu_Yang_c_Angela von Brill

Zu einer besseren Zeit trug das Osnabrücker Land übrigens schon einmal bei. Als der 30jährige Krieg durch Europa tobte, tagte die protestantische Delegation fünf Jahre in Osnabrück, die Katholiken in Münster. Durch diesen diplomatischen Kniff konnten die Verhandlungen ermöglicht werden, die schließlich zum ersten europäischen Friedensschluss ohne Sieger und Besiegte führte.

In den Rathäusern von Osnabrück und Münster wurde der Frieden 1648 besiegelt. Auf dem Weg zum 375. Friedensjubiläum im Jahr 2023 ist das herausragende Kunstprojekt lichtsicht 7 ein erster wichtiger Schritt. Infos: www.lichtsicht-triennale.de. Eintritt frei. Infos zur Region und Hotelbuchungen: www.osnabruecker-land.de, Telefon 0541-3234567. Startfoto: Franz Wamhof

, ,