2. November 2019 Hans-Raimund Kinkel

Stadt und Land – Zwei Hamburg-Kontrast-Radtouren

Wer kennt es nicht – Tage, an denen man immer weiter im Sattel unterwegs sein möchte? Mir ging es die letzten Tage im Oktober 2019 so. Kaum Wind, Sonne, zwar kühle Temperaturen, aber richtig angezogen, kein Problem. Das Licht der tiefstehenden Sonne über den Feldern, wo die erste Saat schon wieder aus der Erde gekommen ist. Das erwartete mich in den Vier- und Marschlanden und auf der südlichen Niedersachsenseite des Elbe-Radweges. Als Kontrastprogramm radelte ich am nächsten Tag von Bergedorf nach Teufelsbrück, mitten durch die quirrlige Hafenregion.

Erste Tour ins Umland

Spontan von zuhause (Hamburg-Bergedorf) aus losgefahren in die Vier- und Marschlande. Zunächst zur Tatenberger Schleuse, von dort auf den Marschbahndamm bis Altengamme. Dann zur Brücke in Geesthacht und auf der Südseite der Elbe am Deich entlang über Stove bis Hoopte.

Gänse auf den Elbwiesen © Hans-Raimund Kinkel

Ich war fasziniert: Kraniche am Himmel, riesige Wildgänse-Schwärme auf den Elbwiesen, Fischreiher, Schwäne, ab uns zu ein paar Rehe, die über die Felder jagten, Greifvögel, die hoch oben ihre Runden drehten. Die letzten Störche in ihren Nestern. Das kann man doch nur vom Fahrrad aus erleben.

Am Fähranleger Zollenspieker © Hans-Raimund Kinkel

Mit der Fähre zum Zollenspieker Fährhaus – die letzten Touren genutzt, am 1. November beginnt die Winterpause. Dann auf den Eisenbahndamm zurück nach Bergedorf. Knapp 80 km sind dann dabei rausgekommen. Die Füße waren etwas kalt geworden, deshalb bin ich anschließend in die heiße Sauna. Lebensqualität pur!

Und der größte Streckenanteil auf Hamburger Stadtgebiet! Wenn man nicht auf die Niedersachsenseite wechseln will, kann man auch von Altengamme am Deich entlang auf der Nordseite zum Zollenspieker Fährhaus. Das war die erste Tour.

Die zweite Tour nach Teufelsbrück

Fußweg an den alten Kapitänshäusern vorbei in Övergönne © Hans-Raimund Kinkel

Die zweite Tour am nächsten Tag führte mich von Bergedorf aus über Entenwerder in die Hafencity und spontan hatte ich Lust auf Weiterradeln, trotz der vielen Menschen an der Elbphilharmonie, den Hafenterrassen und dem Trubel. Kontrast pur zur ersten Tour. Viele hatten den Brückentag für einen Besuch in Hamburg genutzt. Fahrradtechnisch ging es am Hafen entlang auf einem maroden Fahrradweg bis zu den St. Pauli Landungsbrücken, dann durch den Fischereihafen und dem Altonaer Balkon zum Museumshafen Övelgönne. Das Teilstück zwischen Landungsbrücken und Museumshafen ist zum Fahrradfahren eine Katastrophe. Beispiel: Ausschilderung als „Fahrradstraße“, mündet in einer Sackgasse. Fahrrad die Treppen hochtragen, 50 Meter weiter wieder Treppen runterschleppen usw. Ein junges Pärchen vor mir schüttelt entgeistert die Köpfe.

Auf dem Hans-Leip-Ufer © Hans-Raimund Kinkel

Nach dem Museumshafen kommt das Teilstück am Elbe Strand entlang, wo man sein Rad schieben muss. Der idyllische Weg mit den Kneipen am Strand und den alten Kapitänshäusern ist wirklich so eng, dass man mit dem Rad dort nicht fahren kann. Ich genieße die vielen schönen Blicke auf dieses alte Stück Hamburg. Danach kann man auf dem Hans-Leip-Ufer wieder aufsitzen. Zum „Alten Schweden“ ist es nur noch ein kurzes Stück und die restliche Strecke bis zum Fähranleger Teufelsbrück führt unter Bäumen entlang. Rechts am Steilhang sieht man die großen und teuren Anwesen der betuchten Hamburger Kaufleute.

Auf dem großen Platz vor Teufelsbrück gerate ich vollkommen in Erstaunen: So viele geparkte Fahrräder auf einmal habe ich an einem Platz in Hamburg noch nie gesehen. Scheinbar nehmen ab hier viele die Fähre, ob in die Innenstadt oder hinüber zu Airbus.

Fahrrad-Parkplatz vor dem Fähranleger Teufelsbrück, Ausgangspunkt zu Airbus © Hans-Raimund Kinkel

Zurück mache ich einen Abstecher in den Jenischpark, den ich mir schon lange mal vorgenommen hatte. Jetzt im Herbst präsentiert er sich eher etwas grau. Die Wege schlängeln sich durch die hügelige Anlage.  Am Ende des Parks an der Flottbek radle ich zunächst parallel zur Elbchaussee. Hier ist das Radeln auf dem Fußweg erlaubt.

Blick von der Elbchaussee auf den Hafen © Hans-Raimund Kinkel

Aber ich will mir den Blick von oben auf den Hafen noch weiter gönnen und mache einen Schlenker zurück zur Elbchaussee. Auch hier muss man sich den Weg mit Fußgängern teilen, wobei der Weg manchmal so schmal ist, dass man kaum aneinander vorbei kommt. Hier ist Hamburg absolut keine Fahrradstadt.

Auf dem Rückweg zwischen Fischmarkt und Landungsbrücken eröffnet sich ein Blick auf die Elbphilharmonie © Hans-Raimund Kinkel

Geeignete Ausblicke bekommt man am Hindenburg- und Schröderspark. Über Landungsbrücken und Hafencity radle ich so schnell wie möglich zurück zu den Deichtorhallen und an der Oberhafenkantine auf den Radweg Richtung Elbbrücken und atme durch! Die restlichen 17 km an Kaltehofe vorbei nach Boberg genieße ich. Rund 70 km hat mein Tacho aufgezeichnet. Durch die vielen Stopps auch an den Ampeln in der Stadt habe ich dafür dann doch gut 4 Stunden gebraucht.

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