25. Juli 2020 Hans-Raimund Kinkel

Schaalsee-Radtour ohne Mecklenburg-Vorpommern

Nachdem Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor auch Radfahrer nicht zu Tagestouren ins Land lässt und man so die beliebte Schaalsee-Rundreise nicht ohne Übernachtung im Nachbarland machen könnte, haben wir uns eine Tour zurechtgelegt, auf der man diese Einschränkungen unberücksichtigt lassen kann. Und wir waren überrascht, welch abwechslungsreiche Tour wir hier im „eigentlich“ ehemaligen Grenzgebiet zur DDR von Gudow aus zum Schaalsee machen konnten. „Eigentlich“ deshalb, weil es nun durch die Corona-Maßnahmen von Mecklenburg-Vorpommern wieder eine unpassierbare Grenze darstellt – jedenfalls für Radfahrer!

 

Gudow-Segelhafen

Gudow erreicht man von Hamburg aus über die A24 (Abfahrt Gudow) in weniger als einer dreiviertel Stunde. Der Ort liegt am Gudower See, dessen Ufer man aber nur über den Campingplatz erreicht, wo auch eine kleine Badestelle ist. Das Café direkt davor ist wegen Corona geschlossen. Ohnehin sah es ziemlich marode aus. An der Hauptstraße ist eine Gaststätte mit Außengastronomie, wo man gutbürgerliche Speisen bekommt. Der See selbst – so sagte uns die Bedienung dort – sei privat und gehöre der Familie von Bülow. Die Ufer sind auch völlig eingewachsen.

Wir stellen unser Auto in der Ortsmitte ab und steigen auf unsere Räder. Am Ortsende biegen wir nach rechts auf den Radweg ab in Richtung Segrahn. Nach wenigen Metern geht es in ein Waldstück und der Radweg wird sehr rustikal mit zwei schmalen Spuren, Wurzeln und hohem Gras dazwischen. Wir denken halblaut, das fängt ja gut an. Aber nach nur einer kurzen Strecke kommen wir in Segrahn auf einen guten, asphaltierten Radweg, der uns um den Segrahner Berg am Grenzgraben entlang nach Sophienthal führt.

Gute Radweg-Verhältnisse ab Segrahn am Grenzgraben entlang

Der Weg orientiert sich hier weiterhin an der ehemaligen Grenze zur DDR, heute die Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern. Ortsschilder haben zum Teil noch den Zusatz „Zonenrandgebiet“.

 

Kornfelder soweit das Auge reicht

Wir radeln zunächst in einer flachen, landwirtschaftlich geprägten Natur mit riesigen Kornfeldern bis kurz vor Hollenbek, wo wir wieder auf reine Wirtschaftswege Südost abbiegen, es hügeliger wird und über Klein Zecher nach Groß Zecher zum Schaalsee kommen.

Schöner Blick auf den Schaalsee

Den Abstecher zur „Kupferscheune“ am Küchensee ersparen wir uns, da wir an einem Donnerstag unterwegs sind und die Restaurants offensichtlich nur an den Wochenenden geöffnet sind. Auf dem neuen Radweg entlang der Straße geht es am Priestersee vorbei nach Seedorf, wo wir zur Badestelle für unsere Rast abbiegen.

Badestelle Seedorf

Zwei kleine Steege, dazwischen etwas Sandstrand und ein Gebäude mit Toiletten und ein paar Bänken garnieren den Blick auf den See und die vergelagerte Halbinsel mit dem Schloss Seedorf. Am Ufer stehen einige mit Reet gedeckte Bootshäuser.

Von dort radeln wir am kleinen Pipersee vorbei auf einen romantischen Waldweg, der direkt am Ufer des Salemer Sees vorbeiführt.

Romantischer Waldweg am Salemer See

Auf dem See tummeln sich dutzende Kanuten und Paddler. Wir queren dabei zwei Campingplätze, bevor wir den Ort erreichen.

Von hier aus geht es erneut durch eine stille Landschaft über Kogel und Sterley nach Kehrsen. Von dort ist es nur noch ein paar Kilometer bis zu unserem Ausgangspunkt in Gudow, wo inzwischen die Gaststätte geöffnet ist und wir dort auf der Terrasse Kaffee und einen Eisbecher bekommen. Zum Abschluss machen wir noch ein kurzer Abstecher zum Segelhafen, der durch einen Kanal mit dem See verbunden ist und kommen zum oben erwähnten Campingplatz mit der Badestelle.

Fazit. Eine Tour von knapp 50 Kilometer für alle, die abwechslungsreiche, ruhige Natur lieben. Da es leicht hügelige Strecken gibt, ist für die Tour etwas Kondition nötig. Komoot stuft sie als „mittelschwere“ Tour ein. Auf den Nebenstrecken und den Waldstücken waren wir völlig allein unterwegs. Auch auf den Landstraßen begegneten uns nur eine Handvoll Autos.

Das Wetter war überwiegend bedeckt mit teilweise dunklen Gewitterwolken bei Temperaturen von um die 20 Grad. Ideal für das Radeln selbst. Und der Regen hat komplett verschont.

Mit dieser Tour, die man noch ausbauen kann in Richtung Mölln und von dort an den Seen Schmalsee, Lütauer See und Drüsensee entlang zurück nach Gudow, wird man die gesperrte Ostseite des Schaalsees nicht unbedingt vermissen.

Hier unser früherer Bericht über die komplette Rundtour des Schaalsees von Zarrentin aus: Schaalsee-Rundtour.PDF

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