Wenn man wie wir über einige Jahrzehnte Heiligenhafen als Liegeplatz und Ausgangspunkt für unsere Segelaktivitäten genutzt hat, die Kinder dort mehr oder weniger – an den Wochenenden – aufgewachsen sind, dann hat man schon eine besondere Beziehung zu diesem Ort. Inzwischen sind einige Jahre vergangen, in denen wir uns auf das Radfahren konzentriert haben.

Unsere Freunde und Liegeplatz-Nachbarn an Steg 11 hatten uns an einem verlängerten Wochenende im Mai 2019 zu einem Nostalgie-Abend an Bord eingeladen. Das haben wir dann mit zwei Radtouren verbunden, die wir von früher zwar bereits kannten, aber auch besonders schön fanden.

Zunächst muss man erwähnen, dass sich Heiligenhafen in den letzten Jahren sehr gewandelt hat. Früher war es ein „verschlafenes“ Nest mit dem großen Ferienzentrum, einem riesigen Betonklotz aus den 60iger Jahren. Der große Yachthafen kam in den 80igern dazu.

Nun wurde rund um den Hafen eine neue „City“ mit 3 Hotels, hochwertigen Ferienhäusern und eine Einkaufsmeile errichtet, mit dem Ziel, mehr kaufkräftiges Publikum in den Ort zu bringen. Eine neue Seebrücke als zusätzliche Attraktion gliedert sich in dieses Konzept ein.

Um keine langen Wege zu unseren Freunden am Steg zu haben, buchten wir uns in dem trendigen Beach Hotel ein, das direkt an der Promenade liegt und von unserem Quartier einen fantastischen Blick auf die Ostsee bot. Über die neue Seebrücke hinüber zu den markanten Bögen der Fehrmarnsundbrücke reichte unser Blick. Und als die ersten Segelboote im blauen Wasser vor unseren Augen aufkreuzten, kam schon etwas Melancholie auf.

Doch nun zum Radfahren

Den ersten positiven Eindruck beim Einchecken in das Hotel bekamen wir mit dem Schlüssel zu einem eigenen, dem Appartement zugeordneten, Fahrradschuppen mit Platz für rund 4 Räder und ausgestattet mit einer Steckdose, um E-Bikes aufzuladen. Da haben sich die Planer des Hotels etwas wirklich Tolles ausgedacht, das Schule machen sollte.

Tour zur Brücke

Knapp 30 Kilometer ist diese kleine Tour zur Fehmarnsundbrücke

Wir radelten also an der Seebrücke los durch den Ort zum Handelshafen, an der Fischhalle, dem Segelvereinshafen und der Segelschule Bennewitz vorbei zu dem Weg „Am Ufer“, der direkt am Wasser entlang nach Ortmühle führt.

Dort lag unser Boot all die Jahre im Winterlager. Von dort führt der Lütjenbroder Weg weiter mit herrlichem Blick aufs Wasser zum Heiligenhafener Leuchtturm. Der Radweg führt dann ein kurzes Stück an der Straße entlang nach Lütjenbrode und von dort auf einen Sandweg nach Großenbrode. Auch hier in Großenbrode hat sich das Ortsbild verbessert. Die neue Promenade geht bis zum Yachthafen als Fuß- und Radweg.

Dann muss man den Ort ein wenig umfahren, um in zweiter Reihe durch eine kleine Ferienhaussiedlung auf einen Weg, der kreuz und Quer durch die Felder führt und nach einigen Kilometern am Fuß der Fehmarnsundbrücke gegenüber den Yachthafen Großenbroderfähre endet. Wir radelten dabei noch durch weite Rapsfelder und heimelige Knicks.

Unter der Brücke machen wir einen Halt und unsere Gedanken schweifen zurück mit der Erinnerung daran, wie oft wie hier mit unserem Boot durch die Brücke gekreuzt sind, die Wende kurz von den Pfeilern und zurück mit achterlichem Wind den Fehmarnsund entlang.

Auf der anderen Seite der Brücke radeln wir an der B 207 entlang mit Blick auf die Bucht von Heiligenhafen bis Großenbrode, queren dort die Bundesstraße und radeln zurück nach Heiligenhafen.

Um den Tag noch zu nutzen machen wir noch einen Abstecher auf den Graswarder mit seinem Vogelschutzgebiet und den einmalig gelegenen Ferienhäusern.

Dann schlossen wir unsere Räder in dem erwähnten Schuppen ein und gingen in der Stadt am Handels- und Fischereihafen zum Essen.

Bergundtalfahrt nach Johannistal

 

Rund 50 Kilometer ist diese Tour lang gewesen

Unsere zweite Tour ging in die westliche Richtung, auch um einer guten Erinnerung Genüge zu tun. Einmal, um die tollen Ausblicke über die Rapsfelder auf das blaue Wasser zu genießen und zum Anderen, weil wir hier ebenfalls oft bis in die Hohwachter Bucht gesegelt sind, wenn am Wochenende keine Schießübungen der Bundeswehr von Putlos aus die Einfahrt verboten.

Wir radeln von unserem Quartier am Binnensee entlang Richtung Ferienzentrum. Dieser ganze Bereich wurde schon vor Jahren umgestaltet und zu einem gefälligen Arrangement verwandelt. Fuß- und Radwege sind getrennt. Unser Radweg schlängelt sich durch die grüne Anlage bis kurz vor dem Ferienzentrum. Da biegen wir über den Niobeweg auf den Lütjenburger Weg, der zunächst steil bergauf führt und oben angekommen einen ersten weiten Blick über das Ferienzentrum hinweg aufs Wasser erlaubt.

Diesem Weg folgen wir auf einer Bergundtalfahrt, die schon ein bisschen Kondition erfordert, bis nach Johannistal. Dort geht es hinunter zu einem abseits gelegenen Parkplatz am Wasser, rechts der Campingplatz und links die Schilder vor dem abgesperrten Militärgelände.

Uns bietet sich aber der gewünschte Blick auf die Bucht und den Schiffahrtsweg „Kiel-Fehmarn“ einige Meilen in Richtung Nordwest.

Von Johannistal radeln wir ins Landesinnere zurück nach Teschendorf, und in Altgalendorf biegen wir ab nach Gremersdorf, wo wir die A 1 überqueren und nach Klausdorf kommen. Da wir noch Zeit haben, geht es an der 501 auf einem schönen Radweg entlang nach Süden bis Neukirchen und weiter nach Heringsdorf.  Den kurzen Abstecher zum Gut Görtz lassen wir diesmal aus, er lohnt sich aber, wenn man das nicht kennt. Dort schwenken wir Richtung Ostsee und radeln querfeldein Richtung Süssau, Kraksdorf und Großenbrode, kommen kurz davor auf den Sundweg und sind zurück in Heiligenhafen.

Insgesamt sind da dann doch einige Kilometer zusammen gekommen.

Heiligenhafen als Ausgangspunkt zum Radeln

Unmittelbar hätten wir Heiligenhafen nicht unbedingt als idealen Ausgangspunkt für Radreisen in die Umgebung gesehen. Deshalb waren wir doch sehr erstaunt, wie viele Radfahrer nicht nur in der Stadt, sondern vor allem auch auf dem Weg nach Großenbrode unterwegs waren. Dadurch, dass viele heute mit E-Bikes unterwegs sind, spielt es offenbar keine Rolle mehr, dass es von Heiligenhafen aus fast überall hin zunächst einmal den Berg hinauf geht. Zugegeben, unsere beiden Touren sind sehr speziell und auf der Brückentour begegneten uns hinter Großenbrode kaum noch andere Radler.

Auf der Johannistal-Tour verhielt es sich gleichermaßen. Hier kamen uns vereinzelt ein paar Fernradler entgegen, die diesen Weg des Ostsee-Radweg benutzten. Aber wenn man die weiteren Möglichkeiten anschaut, dann gibt es doch noch eine ganze Reihe guter Möglichkeiten, Radurlaub von Heiligenhafen aus zu machen. Wir sind früher schon von hier nach Grömitz und an der Küste entlang zurück geradelt, wunderschöne Gutshäuser findet man am Wasser. Die Landschaft ist abwechslungsreich und vor allem auch während der Rapsblüte besonders schön.

Dann ist es ja auch eigentlich nicht wirklich weit nach Fehmarn. Hier haben wir auch schon mal eine Tour über die Fehmarnsundbrücke nach Gold, Lemkenhafen und Orth zum Leuchtturm Flügger und zurück über Burg gemacht.

Und wer dabei ein etwas anspruchsvolleres Quartier bewohnen möchte, der hat nun in Heiligenhafen die bessere Auswahl mit dem von der Fischergenossenschaft betriebenen „Meereszeiten“, der Bretterbude (eigentlich mehr für Surfer und junge Leute) oder dem von uns bewohnten Beach Hotel (auch beliebt bei jungen Familien mit Kleinkindern).

Alle Fotos: © Hans-Raimund Kinkel