1. Januar 2020 Hans-Raimund Kinkel

Quo vadis Radjahr 2020

Noch niemals zuvor war Radfahren so präsent in unserer gesellschaftlichen Diskussion und eine der Hauptkomponenten in der mobilen Thematik im Rahmen der Klimaschutzdiskussionen. Wohin geht also 2020 die „Radreise“ im realen wie im übertragenen Sinne? Wir Radler schmücken uns gerne damit, umweltbewusst unterwegs zu sein. Und kaum jemand bezweifelt dies. Das Rad gegen das Auto im täglichen Gebrauch zu tauschen, ist ohne Frage umweltbewusst. Aber nicht allein dies ist ein Vorteil. Nein, es ist auch in vielen Fällen viel bequemer, damit in der Stadt seine Besorgungen zu machen. Keine Parkplatzsuche, keine Staus und zu jeder Station bis vor die Türe. Ja es wird viel und heftig kritisiert, ob Hamburg, München, Frankfurt oder Köln usw. „Fahrradstädte“ werden und welche Maßnahmen dafür getroffen werden müssen. Hoffen wir, dass es 2020 weniger bösen Diskurs gibt. Wir brauchen ein echtes Miteinander der Verkehrsmittel und eine intelligente Aufteilung des begrenzten Raums, vor allem in den Städten.

Nicht alle Radreisen sind umweltbewusst

Die Kataloge der Radreiseveranstalter sind in den letzten Wochen des Jahres in der Redaktion eingetrudelt. Der etwas kritische Blick auf die Angebote wurde durch unsere eigene Erfahrung beeinflusst. Wir sind 2019 mit Start in Hamburg mit Auto und Rädern auf dem Gepäckträger nach Bremen gefahren. Von dort mit einem Transporter nach Hann. Münden, um auf dem Weserradweg zurück nach Bremen zu radeln. Die Fahrt speziell von Bremen nach Hann. Münden, die durch Staus rund 4 Stunden dauerte, machte uns erstmals nachdenklich. Ist das umweltbewusst? Zumal jeden Tag unser Gepäck parallel zu uns ebenfalls wieder mit dem Auto zu den Hotels transportiert wurde. Und nun kommen die Kataloge und bieten u.a. Radreisen in Chile, Südafrika, Asien und Japan an, um nur einige Destinationen zu nennen. Ist das umweltbewusst? Zuerst eine lange Flugreise zu absolvieren, um dann mit gutem Gewissen auf ein Rad umzusteigen? Zumal vor Ort meist auch noch eine ganze Reihe von Transfers mit dem Auto oder Flieger in die Touren eingespeist sind.

Fremde Länder mit dem Rad zu entdecken ist zweifellos ein großes Erlebnis. Machen wir uns aber nichts vor – umweltbewusst ist nur die Radreise, die zuhause beginnt und auch dort wieder endet. Nur wenige Fernradler sind auf diese Weise unterwegs.

Wir wünschen uns für alle Radreisenden vor allem gute Radwege und viel Freude, gleichgültig, ob es eine selbst organisierte oder ein von Veranstaltern organisierter Radurlaub sein wird.