11. März 2021 Hans-Raimund Kinkel

Modernes Pilgern in Norwegen

Pilgern in Norwegen begann 1030 n. Chr. mit König Olav dem Heiligen, der mit seinen Männern in die Schlacht von Stiklestad ging. König Olav fiel in der Schlacht und wurde in der heutigen Nidaros-Kathedrale beigesetzt. Bereits 1070 pilgerten Menschen aus ganz Europa nach Nidaros (heute Trondheim).
Die Wanderung hat neun Pilgerwege inspiriert, die alle zur Nidaros-Kathedrale in Trondheim führen.

Die Kunst des Gehens

Pilgerfahrten waren in Norwegen eine rein christliche Tradition, aber heute stehen sie allen modernen Pilgern offen, die es lieben, in der freien Natur zu wandern. Eine Wanderung auf einem der Pilgerwege in der ruhigen Landschaft, hat viele positive Einflüsse auf Seele und Geist.

Kes Blans

Die Geschichte von Kes Blans aus den Niederlanden ist dafür ein symbolisches Beispiel. Kes hatte den Krebs besiegt, aber er hatte seine Fähigkeit verloren, dem Leben zu vertrauen. Seine Pilgerreise von Oslo nach Trondheim hat alles verändert. „Gehen ist so eine faszinierende Sache. Du gehst einfach. Von A nach B. Es ist wie Meditation “, sagt Kes. Die Reise gab ihm ein Gefühl der Leistung und die Fähigkeit zurück, wieder Gefühle zu haben.

Eine Pilgerreise ist ohne Hektik, bei der man sich Zeit lässt unterwegs, auch um Menschen zu treffen, Freude am Ausruhen wieder zu entdecken und in das norwegische Konzept von „friluftsliv“, dem intensiven Leben an der frischen Luft, einzutauchen – und dabei sogar noch die norwegische Geschichte kennenlernen.

Dabei muss man nicht die gesamten Strecke zu Fuß zurücklegen, sondern kann sich bestimmte Gebiete oder ein Highlight aussuchen. Die Wanderungen können mit umweltfreundlichen Transportmitteln wie Zug, Bus, Boot oder Fahrrad sowie mit anderen Aktivitäten und Erlebnissen kombiniert werden. Man kann viele der kulturellen und historischen Orte entlang der Routen besuchen. Am wichtigsten aber ist es, die Stille zu genießen.

Gudbrandsdalsleden

Budsjord Farm, Gudbrandsdalen , Photo – Eskil Roll

Im Mittelalter führte der Hauptweg für Tausende von Pilgern von Oslo durch das Gudbrandsdalen-Tal nach Trondheim. Die Route ist 643 km lang und weist gut markierte Wege durch eine wunderschöne und abwechslungsreiche Natur auf. Entlang der Route kann man die hügelige Landschaft auf beiden Seiten des größten norwegischen Sees, Mjøsa, erleben, auf historischen Bauernhöfen übernachten, über den Nationalpark Dovrefjell mit seiner reichen Fauna wandern und die ruhige und üppige Natur in der Grafschaft Trøndelag genießen.

Vårstigen, Gudbrandsdalen – Photo -. Eskil Roll

Das Gudbrandsdalsleden ist reich an wichtigen historischen Stätten, schönen Kirchen und Gebäuden. Sie können sogar in einem historischen Gebäude übernachten, das im 13. Jahrhundert von Pilgern genutzt wurde. Viele dieser historischen Stätten sind direkt mit der Saga über König Olav Haraldsson, später St. Olav, verbunden.

Kystpilegrimsleia
Ein weiterer sehr wichtiger Pilgerweg war entlang der Westküste Norwegens, ein Weg, den die Wikinger vor langer Zeit benutzt hatten. Heute beginnt die Kystpilegimsleia – der Küstenpilgerweg in Egersund im Süden und führt durch Städte wie Stavanger und Bergen, durch Fjorde und zwischen Inseln bis nach Trondheim.

Nidaros Cathedral, Trondheim, Photo – Henning Grøtt

Aufgrund der Pilger wuchsen entlang der Küste viele Handelsposten und Gästehäuser auf, um die Reisenden aufzunehmen, und einige davon sind noch in Gebrauch.
Heute bietet Kystpilegrimsleia fantastische Naturerlebnisse mit wunderschöner und dramatischer Küstenlandschaft, und moderne Pilger können unterwegs Kirchen, Klöster, historische Zentren und Museen besuchen. Die meisten Reisenden kombinieren ihre Reise mit Booten, Bussen, Wandern und sogar Fahrräder können auf bestimmten Strecken benutzt werden.

Die anderen offiziellen St. Olav’s Ways variieren in der Länge, aber alle haben eines gemeinsam. Sie alle führen auf die eine oder andere Weise nach Trondheim. Und die Reise ist wichtiger als das Ziel.

Pilegrimsleden – St. Olav’s Way – Photo – Tibe – Trøndelag

Tunsbergleden
Geht entlang des Oslofjords von der Stadt Larvik durch Norwegens älteste Stadt, Tønsberg, eine Region, in der die ältesten Wikingerschiffe gefunden wurden – heute im Wikingerschiffsmuseum in Oslo.

Borgleden
Beginnt an der schwedischen Grenze in Südnorwegen und umfasst alte Festungsstädte wie Halden und Fredrikstad.

Østerdalsleden
Dieser Weg beginnt in Trysil in Ostnorwegen und führt durch wilde Natur sowie durch das UNESCO-Weltkulturerbe Røros.

Borgund Stave Church in Sognefjord – Photo – Sverre Hjørnevik – fjordnorway.com

Valldalsleden
Dieser Weg beginnt in Valldal bei Geirangerfjord im Westen Norwegens und trifft in Lesja auf Gudbrandsdalsleden.

St. Olavsleden
Erstreckt sich von der Ostsee entlang der schwedischen Küste, bevor sie landeinwärts durch Schweden abbiegt und nach Trondheim führt.

Romboleden
Dies ist Norwegens ältester Pilgerweg und eine wichtige Verbindung zwischen zwei großen nordischen Heiligen. St. Olav und die schwedische Heilige Birgitta.

Nordleden
Beginnt nördlich von Trondheim in der Stadt Grong und führt nach Süden durch Stiklestad, den Ort, an dem St. Olav getötet wurde.

In Norwegen kann man das magische Nordlicht und die Mitternachtssonne über dem Polarkreis erleben. Ferner locken die weltberühmten Fjorde, die von spektakulären Bergen und Gletschern umgeben sind. Kulturschwerpunkte findet man in den Städten Oslo, Trondheim, Stavanger, Bergen und Tromsø.

www.visitnorway.com; Startfoto: Gudbrandsdalsleden, St.Olav Ways, Dovrefjell – Photo – David Tett

 

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