24. Juni 2019 Hans-Raimund Kinkel

Mangrovenwald in der Champagne?

Fast wie durch Mangrovenwälder kann man jetzt im französischen Departement „Aube en Champagne“ paddeln. Im Sommer überschwemmt das Wasser der Stauseen im regionalen Naturpark Forêt d’Orient ganze Wälder. Dann führen naturkundige Scouts Besucher mit Kanus durch dieses Gebiet. Die einzige Voraussetzung für eine Teilnahme an den Erkundungsfahrten: man muss schwimmen können.

Der regionale Naturpark Forêt d’Orient erstreckt sich östlich von Troyes über eine Fläche von rund 82000 Hektar und ein Einzugsgebiet von etwa 20000 Einwohnern. Inmitten des Naturparks befinden sich drei riesige, künstlich angelegte Seen, die als Rückhaltebecken für Seine und Aube dienen und bei starker Wasserführung Paris vor Überschwemmungen schützen. Der „Lac d’Orient“ gilt mit 23 km² Fläche und 200 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen als drittgrößter künstlicher See Frankreichs. Der See wurde in den 60er Jahren auf ehemaligen Besitzungen der mittelalterlichen Tempelritter angelegt und entwickelte sich schnell zu einem wertvollen Ökosystem und einem beliebten Urlaubsziel.

Heute ist der See ein bedeutender ornithologischer Standpunkt, sowohl für Zugvögel als auch für Nisttätigkeiten. Tiere lassen sich gut im Naturpark „Espace Faune“ beobachten. Im Sommer ist der Wasserstand der Stauseen am höchsten. Dann werden Wälder überschwemmt und nur der obere Teil der Bäume schaut aus dem Wasser heraus. Es bildet sich damit eine Landschaft, die den Mangroven ähnelt. Vom „Haus der Seen“ in Mesnil-Saint-Père am See d’Orient starten Kanutouren um die Natur zu erkunden. Naturliebhaber beobachten Reiher, Schnepfen, Strandläufern, Habichte, Enten, Störche, Schwäne, Falken, Säger, Reiher, Milane, Spechte, Kiebitze… und lernen eine außergewöhnliche Landschaft kennen. Die Ausflüge haben das Label für nachhaltigen Tourismus der Region erhalten.

Die Seen spielen auch eine wichtige Rolle für Urlaub mit der ganzen Familie. Am Orient-See gilt: Baden an drei großen Stränden, Segeln und Angeln erlaubt; Motoren verboten. Der nahe 500 Hektar große Amance-See ist dagegen für den motorisierten Wassersport reserviert. Der benachbarte Temple-See, mit 1800 Hektar, ist das Königreich der Angler und Kleinsegelboote. In Mesnil-Saint-Père gibt es eine Marina. Dort ist jetzt auch ganz neu der „Beaver Aquapark“ eingerichtet, in dem man sich austoben, Teamgeist entwickeln und sich selbst übertreffen kann. Ganz in der Nähe wartet eine typisch französische „Guinguette“, eine Art Tanzlokal mit Atmosphäre, in der man ruhige Stunden am See genießen kann.

„Aube en Champagne“ versucht das Landleben zu begünstigen, wobei touristische Neuerungen im Bereich innovativer Unterkünfte, außergewöhnlicher Urlaubserfahrungen und umweltfreundlichem Umherreisen weiterentwickelt werden. Nachhaltigkeit wird hier groß geschrieben. In einigen Hotels wird den Kunden der ökologische Footprint für die Übernachtung und das Frühstück mitgeteilt. Gleichzeitig können die teilnehmenden Etablissements ihre Betriebskosten bis zu 7% senken, da sie ökologische und wirtschaftliche Verbesserungen ihrer Hoteleinrichtungen vornehmen (z.B. LED-Glühbirnen, und Klempnerarbeiten die Wasser sparen). Auch die Champagner-Winzer der „Côte des Bar“ nehmen sich Nachhaltigkeit sowohl in der Landwirtschaft als auch im Tourismus sehr zu Herzen und haben diesbezüglich die Label und Gütesiegel „Haute Valeur Environnemental“, „Terra Vitis“ und „Viticulture Durable en Champagne“ entwickelt.

www.aube-champagne.com/de; Foto: Balade kayak – crédit photo – PNRFO

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