8. Juli 2019 Hans-Raimund Kinkel

La Palma, ein Weltbiosphärenreservat

La Palma gilt als die grünste Insel der Kanaren und sticht durch eine Besonderheit heraus: die ganze Insel ist seit 2002 UNESCO Weltbiosphärenreservat. Ein Nationalpark, 19 Naturschutzgebiete, die insgesamt 35 Prozent der Inseloberfläche einnehmen, dutzende Strände mit schwarzem Lavasand und die charakteristische Vulkanlandschaft unterstreichen die große Bedeutung und Vielfalt der Naturschätze der Insel.

Bereits 1983 erklärte die UNESCO den Lorbeerwald von Los Tilos im Nordosten als ersten Teil auf La Palma zum Biosphärenreservat. Seine Ursprünge liegen mehr als 1,6 Millionen Jahre zurück, denn anders als im Mittelmeerraum, wo die Lorbeerwälder aufgrund der Eiszeit eingegangen sind, haben sie auf dem spanischen Archipel dank des günstigen Klimas überlebt. Heute können Wanderer diese Naturschönheit auf verschiedenen Routen erkunden. Riesengroße Farne, Lianen, Wasserfälle und Schluchten säumen den Weg und bilden einen üppigen Dschungel.

Darüber hinaus ist La Palma bei Profi- und Hobby-Astronomen für seinen sternenklaren Himmel bekannt, weshalb die Insel von der UNESCO 2012 zum „Sternlicht Reservat“ deklariert wurde. Die Passatwinde sorgen ab einer bestimmten Höhe dafür, dass sich eine dichte, stabile Wolkendecke bildet, die wie ein Riegel die unteren, wärmeren Luftschichten am Aufsteigen hindert. Das Resultat ist eine absolut saubere Luft, wie sie an kaum einem anderen Ort in Europa zu finden ist. Sie ermöglicht den über die Wolkendecke herausragenden Teleskopen gestochen scharfe Bilder. Die astronomische Qualität auf La Palma ist sogar per Gesetz geschützt. Entsprechend werden die Lichtverschmutzung sowie radioelektrische und atmosphärische Belastungen ständig kontrolliert. Straßenlaternen sind beispielsweise nach oben hin abgedunkelt und Siedlungen oberhalb von 1.500 Metern nicht erlaubt.

LaPalma_NocturnaGTC_©SaúlSantos

Die außergewöhnlichen Bedingungen bilden nur ein Grund von vielen, warum zahlreiche Nationen ihre Teleskope auf dem rund 2.400 Meter hohen Roque de los Muchachos, dem höchsten Punkt der Insel, platzieren. Das Observatorium gehört zu den wichtigsten und am besten ausgestatteten der Welt und hat in der Forschung einen hohen Stellenwert. Es wird sogar darauf geachtet, dass der Flugverkehr die Beobachtung der Sterne nicht beeinträchtigt. Interessierten Besuchern steht das Observatorium für Führungen (nach Anmeldung) offen. An einem Besucherzentrum wird derzeit gearbeitet.

In jeder Gemeinde La Palmas sind im Laufe der Zeit astronomische Aussichtspunkte entstanden, die über die von dort sichtbaren Sternbilder informieren. Die speziell ausgewählten Plätze liegen teils inmitten der Vulkanlandschaft, teils in ortsnahen Bereichen und natürlich auf den Bergen der Insel, wie dem Pico Cruz bei San Andrés y Sauces. Wer mehr über Sterne und andere Himmelskörper lernen will, kann sich organisierten nächtlichen Führungen und Sternbeobachtungen privater Agenturen anschließen. Weitere Informationen zum Thema unter www.starsislandlapalma.es/de.

Da Naturschutz auf La Palma großgeschrieben wird (circa ein Drittel der Inselfläche steht unter besonderer Obhut), gibt es inzwischen rund 20 geschützte Naturräume unter dem Dach der Organisation „Red Canaria de Espacios Naturales Protegido“. Das gemeinsame Ziel aller 146 Naturräume auf dem Kanarischen Archipel ist der Schutz der Biosphäre durch die Erhaltung der Natur und der darin vorhandenen ästhetischen und kulturellen Werte zum Wohle der Menschen. Prinzipiell geht es um ein harmonisches Miteinander von Natur und Mensch mit der Zielsetzung, die bisherigen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und in ihrer Vielfalt in den Kernzonen zu bewahren.

www.visitlapalma.es/de; Startfoto: Panorama Cumbre_© Dominic Dahncke

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