24. August 2020 Hans-Raimund Kinkel

Im „Kingdom of Fife” geht ein neuer Stern auf

Seit diesem Sommer gibt es einen neuen Grund ins schottische „Kingdom of Fife“ zu reisen, jene Region, die dank St. Andrews für alle Golfer zur Pilgerstätte wurde: Dumbarnie Golf Links. Dieser spektakuläre, moderne Links Course, der schon jetzt in einem Atemzug mit dem nur 22 km entfernten Top100-Course Kingsbarns Golf Links genannt wird. Wie das im Jahr 2000 eröffnete Kingsbarns bietet auch Dumbarnie atemberaubende Blicke aufs Meer, genauer auf den Firth of Forth. Die 18 Löcher laufen in zwei Ebenen entlang eines 2,5 km langen Küstenstreifens. Von 14 Löchern sieht man diesen Meeresarm, bei schönem Wetter kann man bis auf die andere Seite nach East Lothian schauen. Vom luxuriösen Clubhaus schlängeln sich die Spielbahnen bis zum 30 Meter tiefer gelegenen Strand. Schon das erste Tee ist erhöht, bis zu 20 Meter tiefer liegen einige Fairways. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann den Blick immer wieder genüsslich über die vielen Sanddünen und das Meer schweifen lassen.

Fast zwanzig Jahre brauchte es, bis aus den 138 Hektar des ehemaligen Weidelands der Balcarres Estates, die sich seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Earls of Crawford befinden, dieser moderne Links Course wurde. Der Golfjournalist Malcolm Campbell, der 1993 ins benachbarte Lower Largo gezogen war, hatte das Gelände schon seit seinem Umzug für einen Golfplatz im Blick und versuchte schon lange die Eigentümer für den Bau eines Links Courses zu gewinnen. Aber erst als er einem Freund, dem Golfarchitekten Clive Clark, von diesem Areal erzählte, kam die Sache ins Rollen. Der 75 Jahre alte Engländer Clive Clark, der 1973 im Ryder-Cup-Team (damals nur Großbritannien und Irland) stand, hatte ebenfalls davon geträumt, einen Links Course an der Küste zu entwerfen. Der ehemalige Profi (fünf Siege auf der European Tour) organisierte von seinem Büro in Palm Desert (Kalifornien) sechzig Investoren, die sich alle mit 290.000 Pfund (ca. € 322.000) beteiligten. So war das Kapital von mehr als 17 Millionen Pfund (knapp € 18 Mio.) beisammen, damit Clark, der rund 30 Plätze (darunter Alcaidesa in Südspanien) entwarf oder renovierte, seiner Kreativität freien Lauf lassen konnte.

Er ließ knapp 400.000 Kubikmeter Erde bewegen, um rund 600 Dünen zu schaffen. Dadurch wird fast jede Spielbahn von hohen Böschungen begrenzt, man fühle sich, wie es Clark ausdrückt, wie in einer Enklave und werde von anderen Spielern auf dem Platz abgeschirmt. Auch wenn es schwer fällt bei diesem grandiosen Layout ein „signature hole“ herauszuheben, so bleibt eine Spielbahn nach der Runde in ganz besonderer Erinnerung.

Das 17. Loch wird von einer 300 Jahre alten Steinmauer durchzogen. So bleibt Golfern die Möglichkeit, entweder links das großzügige Fairway anzuspielen oder mutig über die Mauer den direkten Weg zu dem von zehn Pottbunkern geschützten Grün zu gehen.

Am 29. Mai 2020 durfte Campbell den „goldenen Eröffnungs-Drive“ schlagen und schwärmte vom Platz: „Ich bin zwar voreingenommen, aber es ist wirklich ein Meisterwerk. Ich habe über zwanzig Jahre von einem Golfplatz auf diesem Grundstück geträumt. Jetzt ist der Traum wahr geworden.“ Dass er sich auch für Golfer aus aller Welt mit einem Top-Service erfüllt, dafür sorgt General Manager David Scott mit seinem Team der US-Firma OB Management. Wie Kingsbarns ist auch Dumbarnie ein öffentlicher Platz ohne Mitglieder, ein „pay as you play“, wie es im Englischen heißt. Das Greenfee beträgt 235 Pfund (ca. € 260), wer den Platz innerhalb von fünf Tagen noch einmal spielt, der zahlt 117 Pfund (ca. € 130). Für Jugendliche unter 17 Jahren kostet die Runde nur 75 Pfund (ca. € 83).

Aber Golf in dieser nur 20 bis 30 Autominuten von St. Andrews entfernten Region mit dem Namen „East Neuk of Fife“ muss nicht teuer sein, zumal in unmittelbarer Nähe von Dumbarnie weitere tolle Links Courses Besucher gerne willkommen heißen. Beim Elie Golf House Club im Dorf Elie ist nicht nur der Name ungewöhnlich. Die erste urkundliche Erwähnung von Golf in Elie datiert von 1589 als den Bürgern der Stadt das Recht zugesprochen wurde, auf den Links die Schläger zu schwingen. 1832 wurde der Elie and Earlsferry Golf Club gegründet, der mit der Eröffnung des Clubhauses im Jahre 1875 seinen Namen in Golf House Club änderte. Der Heimatclub des fünfmaligen British-Open-Siegers James Braid, der den von Old Tom Morris auf 18 Löcher erweiterten Platz leicht veränderte, beginnt mit einem blinden Abschlag über einen Hügel.

Damit der Starter sehen kann, ob das Fairway frei ist, schaut er durch ein altes Periskop, das vom U-Boot HMS Excalibur stammt und von dem 2014 neu erbauten Starterhäuschen fast zehn Meter in die Höhe ragt. Gastspieler dürfen gerne durch das Periskop schauen, um den 360-Grad-Blick über das spektakuläre Küstengelände zu genießen. Erst mit dem Drive über den Hügel am sechsten Loch öffnet sich der Platz und bietet herrliche Blicke über die Küste in Richtung Firth of Forth, nach North Berwick, Gullane und Muirfield, alles grandiose Plätze in East Lothian. Noch etwas Anderes ist an diesem Platz ungewöhnlich: Es gibt kein Par-5-Loch, dafür „drivable“ Par-4-Löcher, aber auch lange Par-3-Löcher. Die Runde beginnt und endet wie auf dem Old Course von St. Andrews mitten im Dorf, ein Vergnügen, das man sich für 85 Pfund (ca. 94) gönnen kann.

Mit dem Lundin Golf Club, zwischen den Dörfern Lundin Links und Lower Largo gelegen, kann man für das gleiche Greenfee einen der Plätze spielen, die bei der British Open in St. Andrews als einer der Qualifikationsplätze dienten. Der Platz bietet nicht nur vom 14. Loch einen herrlichen Blick über die Largo Bay, sondern alles, was einen tollen Links Course ausmacht: viele, tiefe Bunker, blinde Abschläge, Burns (Bäche), einige Ausgrenzen, meist Wind und treue, exzellente Grüns.

Auch auf dem Platz von Leven Links, der Heimat von zwei Clubs (Leven Golfing Society und Leven Thistle Golf Club) fanden bis 2005 Qualifikationen für die „The Open Championship“ statt. Bis 1909 teilten sich der Lundin Golf Club und Leven Links 18 Löcher. Jede der beiden Anlagen erhielt seine 9 Löcher und erweiterte um jeweils 9 Bahnen. Die ersten vier Löcher von Leven Links verlaufen parallel zur reizvollen Largo Bay. Der breite „Scoonie Burn“ erschwert das Spiel am 18. Loch. Auf alle Fälle sollte man sich nach der Runde im Clubhaus der Leven Golfing Society auf einen Drink treffen, denn es zählt zu den besten in Schottland. Es wurde gar 2007 zum „Clubhouse of the Year“ gekürt.

Ob modern oder traditionell – für die Freunde von Links Golf, der ursprünglichsten Form des Sports, ist der „East Neuk of Fife“ auf alle Fälle eine Reise wert.

Weitere Informationen unter www.visitfifegolf.com