11. Januar 2020 Hans-Raimund Kinkel

Fahrradversicherungen – Grenzen für Schadensersatz

Seit uns auf unserer Weser-Radweg-Reise unsere Räder gestohlen wurden, schaue ich nun immer ziemlich genau hin, wenn ich die Angebote für Radreisen bei Veranstaltern durchsehe. Dabei sind mir dieser Tage wieder Hinweise in den AGB´s aufgefallen, die mich nachdenklich gemacht haben. Einmal bei Wikinger-Reisen, die eine temporäre Fahrradversicherung über die ERGO-Versicherung anbieten. Und das sogar günstig für unter 10,- Euro. Die näheren Versicherungsbedingungen allerdings habe ich nirgends gefunden und auch bei der ERGO wird diese Versicherung nicht separat aufgelistet. Es handelt sich also um ein spezifisch auf Wikinger zugeschneidertes Modell. Die Bedingungen werden vermutlich erst mit den Buchungsunterlagen übermittelt.

Die zweite Variante habe ich bei einem Newcomer unter den Fahrradreisen-Anbietern, „Velontour“ entdeckt. Die dort angegebene Haftungsbegrenzung ist schon lesenswert, denn es wird mehr oder weniger überhaupt keine Haftung übernommen. Zudem ist der Internetauftritt und die jeweiligen Reiseangebote ein völliges Durcheinander.

Aus den AGB von Velontour!

17. Grenzen für den Schadenersatz
17.1. Der vom Reiseveranstalter geschuldete Schadensersatz für andere Schäden als Personenschäden, die durch die Nichterfüllung oder die mangelhafte Erfüllung der im Reisevertrag vorgesehenen Leistungen verursacht werden, kann keinesfalls höher sein als in den internationalen Abkommen, welche die einzelnen im Reisevertrag vorgesehenen Leistungen regeln, sowie in Art. 1783 und 1784 ZGB, vorgesehen ist.

17.2. Sollte ein Verlust oder eine Beschädigung des Reisegepäcks auftreten, so haftet der Reiseveranstalter nur, wenn diese nachweislich durch ihn verursacht wurde und sofort nach Auftreten beim Reiseveranstalter gemeldet wurde, jedoch auch dann nur bis höchstens € 200,00 je Person.

Keinerlei Haftung wird übernommen:
a) für Gegenstände, welche üblicherweise nicht im Reisegepäck mitgenommen werden;
b) für Zahlungsmittel aller Art;
c) für oberflächliche Schäden und Schäden an Haltegriffen und Rollen des Reisegepäcks;
d) für Beschädigungen an Gepäckstücken, deren Gesamtgewicht 20 kg überschreitet.

17.3.Der Transport von Fahrrädern der Reisenden ist – sowohl während einer Reise als auch bei Transferfahrten – nur auf deren Risiko möglich. Die Fixiereinstellungen am Hänger sind auf die Fahrräder des Reiseveranstalters abgestimmt, sodass bei fremden Rädern leichte Beschädigungen, insbesondere Lackschäden vorkommen können. Für während des Transports entstandene leichte Schäden kann daher nicht gehaftet werden. Diese Haftungsbeschränkung gilt auch für Fremdbeförderungen und Fremdtouren.

17.4.Leihräder
Im Falle von Verlust des Verleihobjekts durch Diebstahl oder Totalschaden oder von Fahrradschäden wird dem Kunden € 200,00.- wenn 21-Gang oder 7-Gang Trekking Rad und € 500,00.- wenn E-Bike, Mountain Bike, Rennrad oder Tandem in Rechnung gestellt bzw. angelastet.

Im Falle von Diebstahl oder Verlust des Verleihobjekts muss der Kunde auf jeden Fall bei der lokalen Ordnungsbehörde Anzeige erstatten.

Den oben genannten Veranstalter „Velontour“ sollte man nicht verwechseln mit dem seit langem etablierten Radreise-Veranstalter „Velotours“.  Dort gibt es nämlich eine Mietrad-Komplettversicherung.

Hier die Angaben dazu:

Mietrad-Komplettschutzversicherung

Bei allen „velotours Originaltouren“ ist automatisch eine Mietradversicherung gegen Diebstahl und Beschädigung enthalten (exkl. Zubehör: Satteltaschen und Lenkertaschen inkl. Inhalt, Kilometerzähler, E-Bike Display). Im Falle eines Diebstahls oder einer Beschädigung des Mietrades entstehen Ihnen somit keine Kosten. Ausgenommen von der Komplettschutzversicherung sind natürlich fahrlässiges oder mutwilliges Handeln. Das Fahrrad muss verschlossen werden und die Schlüssel des Mietrades müssen noch in Ihrem Besitz sein. Bitte beachten Sie dazu die Hinweise in den Reiseunterlagen.

Bei anderen Veranstaltern – wie zum Beispiel „DieLandpartie“ Radeln und Reisen, gibt es ebenfalls kein wirklich zufriedenstellendes Konzept für die Sicherheit der geliehenen oder der eigen, mitgebrachten Räder.

Text: Hans-Raimund Kinkel

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