20. September 2020 Hans-Raimund Kinkel

Rad-Entdeckungstour zur Bunthäuser Spitze

Wem geht es nicht so: Immer wieder hört man von einem interessanten Ort in seiner näheren Umgebung, hatte es sich schon so oft vorgenommen, da mal hinzuradeln, und es doch nie verwirklicht? So ging es mir mit der Bunthäuser Spitze am Elbstromkilometer 609, wo sich vor Hamburg der Fluss in die Norder- und die Süderelbe teilt und ein Binnendelta bildet, das die Stadtteile Wilhelmsburg, Veddel, Kleiner Grasbrook (hier sollte die Olympiastadt verwirklicht werden) und Steinwerder umfließt.

Hintour zur Bunthäuser Spitze

Es brauchte mehrere Anläufe, bis ich mir jetzt eine Tour zurechtgelegt hatte, um diesen immer wieder liebevoll beschriebenen Leuchtturm dort mit eigenen Augen zu sehen. Was mich vorher immer wieder abgehalten hatte, war das Industriegebiet der Veddel und die unübersichtliche Verkehrsführung an den Elbbrücken.

Von Bergedorfs Stadtteil Boberg aus machte ich mich also auf den Weg über Kaltehofe und Entenwerder Park zu den Elbbrücken. Da ich das Veddeler Industriegebiet vermeiden wollte, hatte ich geplant, bis zum Zollhafen und dann von dort über Georgswerder nach Süden zu radeln. Am Zollhafen unterquerte ich die Autobahn in Richtung Osten anstatt dem Weg bis zum Auswanderermuseum Ballinstadt zu folgen und fand mich auf der Veddel wieder. Und dort kam ich dann doch zur Peutestraße, die ich eigentlich unbedingt vermeiden wollte.

Im Nachhinein war es aber gar nicht so schlimm, denn die Straße ist breit und die Betriebe liegen weit auseinander, der Verkehr eher ruhig. Ein ebenfalls breiter Rad-Fußweg (Fußgänger gibt es hier sowieso gar nicht) machte ein entspanntes Durchqueren dieses Industriebereichs möglich. Nach etwa zwei Kilometern geht es dann ab dem Kreetsander Hauptdeich, der in den Moorwerder Hauptdeich übergeht, sehr bequem am Deich der Norderelbe entlang mit Blick auf das landschaftlich mit Reet- und Gewächshäusern geprägte Gebiet Moorwerder. Es ähnelt den Vier- und Marschlanden, ist aber wesentlich weniger besiedelt.

Ein schmaler Weg führt um den Elbepark Bunthaus am Wohnmobilplatz vorbei zum Leuchtturm

Nach rund 6 Kilometern kommt man zum Wohnmobilstellplatz Elbepark Bunthaus, über den aktuell mehrfach berichtet wurde. Dort suche ich zunächst vergeblich nach dem Weg zum Leuchtturm. Etwas versteckt rechts neben dem Eingang zum Wohnmobilplatz entdecke ich dann doch einen schmalen Durchgang auf einen Weg, der um das Elbepark-Gelände herumführt und auf dem letzten Stück auf eine Kastanienallee führt.

Und dann steht er plötzlich da, der kleine hölzerne Leuchttum im Gegenlicht und im leichten Nebel der frühhebstlichen Jahreszeit.

Von der Wasserseite aus präsentiert sich der Leuchtturm dann auch noch in seinen echten Farben, ein wirkliches Kleinod. Eine kleine, schmale Treppe führt hinauf, so dass man von dort die letzten Meter der Bunthäuser Spitze und die Flussteilung betrachten kann.

Blick vom Leuchtturm auf die Spitze, wo sich die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt

Ich geselle mich zu den drei anderen Personen, die hierher gefunden haben und die Ruhe und diese spezielle Atmosphäre genießen.

Zurück radle ich auf der Südseite erneut auf dem Moorweder Hauptdeich und am Naturschutzgebiet Heuckenlock vorbei zur Autobahn-Abfahrt Stillhorn.

Radweg an den Elbbrücken am Autobahnkreuz Stillhorn

Dort führt ein Radweg direkt entlang der Autobahn über die Elbbrücke nach Neuland, biege dann auf den Fünfhausener Hauptdeich ein und radle dort an der Süderelbe entlang, wo ich vom Yachtclub Bullenhausen aus einen letzten Blick auf den leuchtturm gegenüber werfe.

Aussichtsturm am Junckernfeldsee in der Unteren Seeveniederung

Inzwischen auf niedersächsichem Gebiet führt mein Weg bis Over, wo ich noch einen Abstecher in die Untere Seeveniederung und zum Junckernfeldsee mache, eine Schleife, die mich an der Seeve entlang wieder zurück an die Elbe und nach Hoopte zu Elbefähre nach Zollenspieker führt.

Der Wind hat inzwischen etwas zugenommen und kommt nun böig von Nordost. Da ich noch Zeit habe, radle ich über den Marschbahndamm zurück nach Tatenberg und von dort an der Doven Elbe entlang und über den – neu bearbeiteten – Bille Wanderweg zurück nach Boberg.

Die Rücktour mit Abstecher in die Untere Seeveniederung und Marschbahndamm-Strecke bis Tatenberger Schleuse

Mit den Pausen bin ich rund 6 Stunden unterwegs und 85 Kilometer zeigt mein Tacho an. Ich freue mich, in meinem näheren Umfeld wieder etwas Neues entdeckt zu haben und über die Möglichkeiten, spontan unterwegs Variationen in die Strecken einzubauen.