27. November 2019 Hans-Raimund Kinkel

Die „Drei Guyanas“ für abenteuerlustige Naturliebhaber

Viele Fans des nördlichen Südamerikas halten es mit dem tapferen Schneiderlein der Brüder Grimm. „Sieben auf einen Streich“ sind es zwar nicht, doch besuchen die meisten naturbegeisterte Touristen hier im Rahmen einer Rundreise immerhin drei Länder in einem Rutsch.

Die Rede ist von den „Drei Guyanas“, die eingerahmt von Venezuela und Brasilien einen großen Teil des Guiana Shield bilden und erdgeschichtlich eine der ältesten und vielfältigsten Regionen der Welt sind. Guyana (ehemals British Guyana), Surinam sowie Französisch Guyana liegen nicht nur fein aufgereiht nebeneinander an der Atlantikküste. Sie sind auch ein riesiges, zusammenhängendes Biotop, das zu mehr als 80% von Regenwald bedeckt ist. Ein Dorado für jeden Urlauber, der die Entdeckung unberührter Natur dem sorglosen Nichtstun am Strand den Vorzug gibt.

Und ein Paradies für Tiere. Hier findet man das weltweit größte Nagetier (Capybara) und den größten Süßwasserfisch (Arapaima), den exotischen Ameisenbären, den riesigen Mohrenkaiman oder auch den Harpyie, einen der mächtigsten Adler des Planeten. Zudem sind die Küstenregionen der drei Staaten wichtige Nistplätze für Wasserschildkröten.

So bunt wie die Tierwelt ist auch die Bevölkerung. Als Resultat der kolonialen Vergangenheit zeigen sich hier starke britische (Guyana), niederländische (Surinam) und französische (Franz. Guyana) Einflüsse. Zusammen mit den Nachfahren einstiger Sklaven sowie den verschiedenen indigenen Bevölkerungsgruppen ergibt sich so ein aufregender Mix der Kulturen, Religionen und Ethnien.

Potaro River Landscape from Plane – © David DiGregorio

Dieser zeigt sich u.a. auch in der vielfältigen und zum Teil exotischen Küche. Wo anders als in Französisch Guyana, diesem lateinamerikanischen Außenposten der Grand Nation, kann man auf einem Hmong-Markt eine chinesische Suppe in Euro bezahlen und genießen? Wo, bitte schön – außer im tiefen Regenwald des niederländisch-sprachigen Surinam – gibt es von einer afrikanischen Gemeinde servierte Erdnusssuppe? Einmalig auch die Teilnahme an einem Enten-Curry-Festival in Guyana, bei dem die scharfe Spezialität mit inländischem Rum oder Bier heruntergespült wird.

Auf der touristischen Landkarte spielt die Region gleichwohl bislang eine Nebenrolle. Das macht sie wiederum für jene besonders interessant macht, die Erlebnisse jenseits ausgetretener Pfade suchen. Apropos Pfade: Eine belastbare Verkehrsinfrastruktur ist jenseits der wenigen größeren Städte nicht vorhanden. Ins Hinterland reist man bevorzugt in kleinen Flugzeugen oder per Boot. Kürzere Strecken werden auf unbefestigten Straßen im Jeep bewältigt. Reisen in den drei Guyanas hat einen leicht abenteuerlichen Anstrich. Dafür wird man dann aber auch mit einer wahrhaft fantastischen Natur belohnt.

In welcher Reihenfolge die Länder bereist werden, ist jedem selbst überlassen. Allerdings bestehen nicht zwischen allen drei Staaten direkte Flugverbindungen. Wer beispielsweise von Guyana nach Französische Guyana möchte, darf sich auf spannende Überlandtouren und ebensolche Bootsfahrten freuen. Dagegen kann man von Guyana nach Surinam sehr wohl fliegen. Wichtig, wenn es um die Wahl der Interkontinentalverbindung geht.

So bedient beispielsweise KLM aus Amsterdam heraus den Flughafen von Paramaribo (Surinam). Dort gelandet geht es dann direkt weiter mit Trans Guyana Airways nach Georgetown, der Hauptstadt Guyanas. Diese erreicht man auch mit British Airways und Liat von London (Gatwick) aus via Barbados. Die Karibikinsel steuert auch Condor an, von wo aus es dann ebenfalls mit Liat weitergeht. Wer seine Reise in Französisch Guyana beginnen will, kann dessen Hauptstadt Cayenne mit Air France von Paris (Orly) aus direkt ansteuern.

www.guyanatourism.com; Startfoto: Mobai Pond Giant Lilies – © David DiGregorio

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