18. Dezember 2018 Hans-Raimund Kinkel

Deutschlands beliebtester Ferienstraße

Keine von Deutschlands Ferienstraßen wurde so berühmt wie die Strecke, die Besucher von Würzburg am Main bis nach Füssen an den Alpen führt. Dass die Romantische Straße, die ihrem Namen heute auch als Radfernweg und Weitwanderweg alle Ehre macht, ein solches
Erfolgsprojekt wurde, hat unterschiedliche Gründe und ist vor allem dem Mut ihrer Initiatoren zu verdanken.

Aller Anfang ist schwer
Man schrieb das Jahr 1950: Die geteilte Bundesrepublik hatte noch schwer mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu kämpfen und strebte nach einem Image fernab der Trümmer. In diesem ­Klima wurde die Romantische Straße, eine Ko­operation verschiedenster Ortschaften, ins Leben gerufen. In Kürze avancierte sie zum Aushänge­schild eines neuen Deutschlands und wurde zum Symbol für die vergessene Kultur dieser Nation. Die ersten, die entlang der „romantic road“ Urlaub machten, waren hauptsächlich amerikanische Soldaten, die ihren Familien zeigen wollten, wo sie stationiert waren. Sie sollten nicht die einzigen bleiben: Denn die Kombination aus historischen Ortschaften, idyllischen ­Landschaften, Weinanbaugebieten und kulinarischen Highlights zog bald Reisende aus ­aller Welt an. Und so steht die Romantische Straße heute für weit mehr als ein verlorengegangenes Brauchtum.

Eine Route mit vielen Gesichtern
Untrennbar mit der Straße verbunden sind ­beein­druckende architektonische Meisterwerke, die von mittelalter­lichen Fachwerkhäusern bis hin zu märchenhaften Prunkbauten wie Schloss Neuschwanstein reichen. Auch Kunst, also Malerei und Bildhauerei – häufig mit italie­nischem Flair – nimmt hier einen großen Platz ein. Daneben steht die Route ebenso für ein entspanntes Reisen abseits der Autobahn-­Hektik. Ruhe und ­Gemütlichkeit spiegeln sich dabei vor allem in der Natur wieder, die rechts und links der Straßen und Ortschaften zu finden ist. Diese reicht von den Weinbergen im Norden über Flusslandschaften und weite Wiesentäler bis hin zu den monumentalen Alpen im Süden, mit ­denen die Ferienroute ihr Ende findet. Doch ihre besondere Anziehungskraft liegt auch in den zahlreichen kulinarischen Freuden, die sie ihren Gästen von nah und fern zu bieten hat.

Unvergleichliche Gaumenfreuden
Ganz egal, ob auf einem gemütlichen Bauernhof, in rustikalen Gasthäusern, stilvollen Res­­taurants, einem Weingut oder der Brauerei-­Gaststätte: Die traditionelle Küche lässt hier wie dort keine Wünsche offen. Dabei kann jede ­Region mit ihren eigenen Köstlichkeiten punkten: In Unterfranken gibt es die berühmten „Meefischli“, kleine knusprig zubereitete Fische aus dem Main. In den bayrisch-­schwäbischen Regionen kommen Nudel­gerichte wie „Krautkrapfen“ oder „Maultaschen“ auf den Teller, und noch weiter südlich warten süße Zwetschgenknödel auf Hungrige. Den Durst zu diesen ­Gerichten stillen entweder regionale Weine oder ein Krug spritziges Bier. Das liegt auch deshalb nahe, weil es entlang der Roman­tischen Straße sowohl ausgezeichnete Winzer als auch alteingesessene Brauereien gibt. Eine der ältesten von ihnen ist sicherlich die „Hasen-­Bräu“, die seit 1464 in Augsburg existiert. Im Anschluss an den Schmaus kann es dann gut gestärkt mit der Entdeckungstour weiter­gehen.

Der Reiz der Orte
Begeistert sind Besucher ebenso von den 29 Orten der Romantischen Straße selbst – angefangen mit der Barockstadt Würzburg, in der hoch oben auf der Marienfestung eine atemberaubende Aussicht auf Besucher wartet. In Weikersheim empfängt ein Renaissance-Schloss mit Barockgarten im Stil von Versailles Neugierige. Rothenburg ob der Tauber fasziniert mit einer prächtigen Altstadt, die begrenzt wird von einer knapp zwei Kilo­meter langen, komplett erhaltenen Stadtmauer. Dinkels­bühl hingegen wartet mit einer der am besten erhaltenen mittel­alterlichen Altstädte auf seine Gäste. Die Fugger- und Silberstadt Augsburg begeistert hingegen mit viel Wirtschaftsgeschichte, und über Schwangau thron­en die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. So bietet jeder einzelne Ort Reiselustigen eine ganz eigene Auszeit vom Alltag. Auch deshalb ist die Romantische Straße weit mehr als eine Ferien­region oder ein imagepolierendes Aushängeschild. Sie ist ein Erholungs- und Genussort der besonderen Art. Da ist es umso erstaunlicher, dass ihre Wurzeln in eine Zeit zurückreichen, in der es Deutschland alles andere als leicht hatte. Weitere Infos unter www.romantische-strasse.de

Autor: bfs
Bild: © Romantische Straße

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