7. Dezember 2019 Hans-Raimund Kinkel

Deutsches Erbe in Aserbaidschan

Aserbaidschan kann auf ein beachtliches deutsches Erbe zurückblicken. So gründeten bereits Anfang des 19. Jahrhunderts deutsche Kolonisten die erste deutsche Siedlung in Aserbaidschan: Helenendorf, heute bekannt als Göygöl. Kurze Zeit später folgte die Gründung der Kolonie Annenfeld, dem heutigen Shamkir. Insgesamt haben die Siedlerfamilien acht deutsche Dörfer aufgebaut, darunter Georgfeld, Aleksejewka, Grünfeld, Eichenfeld, Traubenfeld und Jelizawetinka. 2019 hat sich die Ankunft deutscher Siedler in Aserbaidschan zum 200. Mal gejährt, was in Göygöl und Shamkir gebührend gefeiert wurde.

Obwohl die Nachkommen der deutschen Siedler heutzutage eine Minderheit darstellen, haben die Deutschen mit ihrer Kultur deutlich Spuren hinterlassen und zur Entwicklung der lokalen Bevölkerung beigetragen. Insbesondere im Bereich des Weinanbaus und der Kelterei haben sie sich in Aserbaidschan einen Namen gemacht. In Göygöl können Interessierte einige dieser Weinkeller noch heute besichtigen und die Geschichte des Weinanbaus nachverfolgen. Bei einer Stadtführung durch das einstige Helenendorf trifft man nicht nur auf deutsche Straßennamen, sondern auch auf die St. Johanniskirche, die erste evangelisch-lutherische Kirche in Aserbaidschan. Auch in Shamkir wird das deutsche Erbe im „German Heritage Center“ bewahrt. Besucher können sich auf dem Gelände unter anderem auf ein Heimatmuseum, ein deutsches Pfarrhaus, Bibliotheken, einen Weinkeller mit Verkostungshalle und einen 120 Quadratmeter großen Obstgarten freuen. Es werden außerdem organisierte Touren in die Nachbardörfer Göygöl und Chinarli, das damalige Georgfeld, angeboten.

Auch zur lokalen Wirtschaft und Infrastruktur haben die Deutschen in Aserbaidschan beigetragen. Mit dem Nutzen fortschrittlichster Technologien eröffneten die Gebrüder Siemens im 19. Jahrhundert im Ort Gadabay ein Kupferbergwerk und arbeiteten sich damit an die Spitze der aserbaidschanischen Bergbauindustrie. Steinerne Brücken in den Bergen Westaserbaidschans sind heute noch das Zeugnis dieser bemerkenswerten deutsch-aserbaidschanischen Geschichte.

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