2. April 2022 Hans-Raimund Kinkel

Der Natur ganz nah in Dithmarschen

Die Nordsee liegt kaum dreißig Kilometer weiter westlich von Delve und in dieser Kirche hängen drei prächtige Schiffsmodelle an der Decke. Das breite Wasser des Flusses Eider strömt nah der Kirche still und in weiten Schleifen zum Meer. Bisweilen war in Delve eine Flotte von bis zu 50 Segelschiffen beheimatet, über den Fluss hatte der Ort einen Zugang zur nahen See. Der Dithmarscher Gästeführer Johann Peter Franzen zum Beispiel, der seine Reisegruppen auch in die wildromantische Niederung der Flüsse Eider, Treene und Sorge führt, kennt auch die Legende dieser im 12. Jahrhundert gegründeten Delver Kirche: „Die Leute aus der Marsch und von der Geest waren sich nicht einig, wo sie ihre Kirche bauen sollten.

Delver Kirche

Also banden sie abends ein Marienbildnis an ein Pferd und ließen es frei. Wo es sich morgens beim Grasen wiederfand, sollte die Kirche geründet werden.“ Dieser alte Ort auf der hohen Geest ist mehr als ein sicherer Hafen und ein heimeliger Ort zum Ankommen, er liegt in einer mystischen Gegend: In der Umgebung von Delve befinden sich große Moore wie das Dellstedter Birkwildmoor und Sumpfgebiete – verwunschene, geheimnisvolle Orte. Franzen fährt mit seinen Gästen auch in die Natur. „Nahe dem Ort liegt der Delver Koog, eine weite Niederung in einer Flussschleife, die mit Röhricht bewachsen ist – ein Vogelparadies.“ Wind zischt im Ried und wiegt es in Wellen. Im Frühjahr hört man die frohen Rufe der Kiebitze und das Quaken blauer Moorfrösche. Seeadler kreisen im Himmel. Magische Naturerlebnisse über das Jahr verteilt, und gewiss dann, wenn die Sonne an den stillen Wassern durch den Nebel bricht und die Glocken von St. Marien heimwärts läuten.

Foto: dellstedter-moor-c-monja-thiessen

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