14. Februar 2019 Hans-Raimund Kinkel

Auf der Straße der Leuchttürme

Mehr als ein Drittel aller französischen Leuchttürme – 52 von insgesamt 148 – stehen entlang und vor den zerklüfteten Küsten der Bretagne. Seit über hundert Jahren weisen sie Schiffen ihren sicheren Weg.

„All diese Lichter sind Botschaften, die einem dem Weg weisen,“ sagt Ondine Morin, Kind der Insel Ouessant und heute Fischerin und Gästeführerin auf dem winzigen Eiland ganz im Westen Frankreichs.

Fünf Leuchttürme ragen auf und neben Ouessant empor: „Oft fragt man uns, ob uns das nicht stört und ob wir bei dem Licht überhaupt schlafen können. Aber wir Kinder haben es geliebt. Der verlässliche Rhythmus der Leuchttürme hat uns sanft in den Schlaf gewogen.“

Der Leuchtturm Le Stiff, 1659 erbaut von Sébastien Le Prestre de Vauban, dem Star-Architekten Ludwigs XIV., ist der älteste Leuchtturm der Bretagne. Von hier oben sieht man insgesamt 19 Leuchttürme entlang ihrer Westküste, einer der gefährlichsten Seestraßen der Welt. Früher waren es die Mönche, die Feuer auf den Türmen entfachten und bewachten. Heute ist es ein ausgeklügeltes Linsensystem, das sein Licht bis zum 50 Kilometer weit aufs offene Meer schickt. Jeder Leuchtturm hat sein eigenes Signal, seinen eigenen Rhythmus. Trotz moderner GPS-Geräte sind alle Länder auch heute noch zu visuellen Signalen auf See verpflichtet.

Ihr Bau und das Leben dort waren abenteuerlich: Nur acht Stunden lang konnte man im Jahr 1867 am Leuchtturm Ar-Men bauen. Insgesamt dauerte die Konstruktion 14 Jahre. Nicht umsonst werden die Leuchttürme im Meer auch „Höllen“ genannt, während ihre Kollegen auf dem Festland als „Paradiese“ bezeichnet werden.

Leuchttürme & Delfine im Meeres-Naturpark Iroise
Riesige Wassermassen, die sich bewegen, aber kaum erwärmen, machen die Irische See nicht nur gefährlich für die Schifffahrt, sie bringen auch eine einmalige Biodiversität hervor. Ein Viertel aller Meeres-Säugetiere Frankreichs ist hier zu Hause. Das Ehepaar Christel und Lucky Peron nimmt Touristen an Bord ihres Zodiacs mit in den Meeres-Naturpark Iroise. „Die Begegnung mit einem Delfin ist etwas sehr Emotionales. Sie regen zum Träumen an. Sie entführen uns vielleicht in eine geheime Welt. Ich liebe es, das Lächeln in den Augen der Passagiere zu sehen. Es geht einfach jedem so,“ sagt Christel. „Wenn man morgens auf das Boot steigt, weiß man nie, was einen auf dem Wasser erwartet. Jeder Tag ist anders, das Meer, das Licht. Jeden Tag brechen wir zu einem neuen Abenteuer auf.“

5 Ausflüge in und auf Leuchttürme
Leuchttürme faszinieren uns seit jeher. Und auch heute noch sind visuelle Signale auf hoher See für jedes Küstenland verpflichtend. Dennoch drohen einige Leuchttürme zu zerfallen. Originelle Ideen müssen deshalb her, um das maritime Erbe zu erhalten.

Ab 2020: Übernachten am höchsten Leuchtturm der Welt
Nach vierjährigen Studien begannen im Herbst 2018 die Bauarbeiten auf der sechs Hektar kleinen Insel Vierge vor der Nordküste der Bretagne, im Sommer 2020 ist es soweit: Bis zu 10 Personen können im alten, kleineren Leuchtturm der Insel ihre Ferien verbringen. Photovoltaik und Windräder sorgen für die Energie – zu 100%.

Einer der ältesten Treppenläufe der Welt: 65 Höhenmeter in 45 Sekunden
Jedes Jahr im August treffen sich mehr als 100 Freizeit-Sportlerinnen und -Sportler an der Landspitze Penmarc’h im Südwesten der Bretagne, um einzeln die 307 Stufen bis zur Linse hochzulaufen. Mit seinem Interieur aus Mahagoni und Opal-Glas ist Eckmühl einer der edelsten Türme. Benannt ist er nach dem bayerischen Eggmühl.

Im hellsten Leuchtturm Europas: Das Museum der Bojen und Leuchttürme
Leuchttürme, Bojen und Nebelhörner: Auf und um Ouessant sind alle maritimen Seezeichen versammelt, die es gibt. Der Leuchtturm Créac’h, bretonisch für „Gipfel“, ist außerdem der leuchtstärkste Europas. Der perfekte Ort also für dieses Museum zu Geschichte und Faszination Leuchtturm.

Ile Louet: Zu Gast im Leuchtturmwärter-Haus
Auf einer winzigen Felseninsel 350 Meter vor der Küste von Carantec in der Bucht von Morlaix steht der Leuchtturm der Insel Louet. Das Häuschen der früheren Leuchtturmwärter ist frisch renoviert und kann bis zu zehn Personen beherbergen. Wegen des Windes ist der Grill im Boden integriert, der Meerblick ist garantiert.

Mit dem Kajak zum Leuchtturm Croix
Im Archipel der Blumeninsel Bréhat vor der Nordküste der Bretagne steht auf einer Felsengruppe im Meer der rot-weiße Leuchtturm Croix. Mit dem Kajak können Urlauber von der Flussmündung des Trieux bis zum Leuchtturm paddeln, bei einer Mittagspause den Turm besichtigen und viel über die Signale der Seefahrt lernen.

Startfoto: Pointe_Saint_Mathieu © BERTHIER-Emmanuel

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