6. April 2022 Hans-Raimund Kinkel

Als Rungholt im Meer versank

Vor knapp 700 Jahren ertränkte eine Sintflut unvorstellbaren Ausmaßes die Nordseeküste. Ganze Landstriche versanken zwar nicht unbedingt auf einen Schlag, doch wurden sie unbewohnbar, Kulturland und Siedlungen wurden aufgegeben mit Haus und Hof und gingen im Laufe der Zeit in der Nordsee verloren. Und der Mythos Rungholt war geboren. Zeugnisse dieser Zeit – zum Beispiel Brunnenreste, Torfstiche, ehemalige Wohnhügel – kann man auf geführten Wattwanderungen durchaus sehen, in den einschlägigen Museen an der Westküste sind Fundstücke wie beispielsweise Kacheln oder Keramik ausgestellt.

garbsteine-amrum-copyright-foto-oliver-franke

Kircheninventar wurde recycelt und ist noch heute in Gebrauch. Zentrum des großen Ertrinkens war die ehemalige Insel Strand und ihre Umgebung, heute liegen hier Pellworm und Nordstrand. Und die kleine Hallig Südfall, wo die meisten Fachleute das vermuten, was ein Siedlungsschwerpunkt des legendären und sagenhaften Rungholt gewesen sein könnte. Es ist ein schaurig-schönes Gefühl, über den Meeresboden zu gehen, dem altem Rungholt-Land, die Kühle und die Kraft des Meeres zu spüren, zu wissen, dass bald alles wieder überflutet sein wird; so, wie seit hunderten von Jahren.

Spannend ist es, wenn Wattführer berichten, dass man nun das ehemalige Siedlungsgebiet des alten Obbenbüll oder Hersbüll betrete. Zu wissen, dass den Gast im nächsten Museum Totenschädel angrinsen. Von Menschen, die einst hier gelebt, geliebt und gearbeitet haben. Bis die Sintflut kam…. und als Mythos Rungholt wieder aufstand. Aber eben nicht nur als Legende, denn die Zeugnisse im Watt und Museum erzählen eine wahre Geschichte.

Startfoto: Joachim Müllerchen

, ,