28. Juni 2022 Hans-Raimund Kinkel

400 Jahre Friedrichstadt – Zwischen Giebeln und Grachten

Friedrichstadt, gerne auch Klein Amsterdam in Schleswig-Holstein genannt, wird dieses Jahr 400 Jahre alt. Wir haben einen Abstecher von Schleswig aus gemacht – mit dem Auto – obwohl wir eigentlich auf Radtour rund um die Schlei waren. Drohende Gewitter, viel Wind und Regenphasen hatten uns eine Pause einlegen lassen. Und in Friedrichstadt selbst war das Wetter dann doch ganze erfreulich.

Die noch heute unverkennbare holländische Prägung von Friedrichstadt hat ihre Wurzeln in einer einzigartigen Geschichte. Als Gründungstag ist der 24. September 1621 vermerkt. Herzog Friedrich III von Schleswig-Gottorf hatte den Plan, mit Hilfe von holländischen Remonstranten, die ihr Heimatland wegen ihres Glaubens verlassen mussten, eine Handels- und Hafenstadt von Weltgeltung zu errichten. Er wollte sich Fleiß und Erfahrung der Holländer zu nutze machen und die günstige Lage zwischen Eider und Treene schien ihm eine gute Vorrausetzung für sein Vorhaben zu sein.

Schon bald nach der Gründung gewann Friedrichstadt aber eine große Bedeutung als „Stadt der Toleranz“. Denn nach den aus ihrer Heimat vertriebenen holländischen Remonstranten erhielten auch weitere Glaubensgemeinschaften das verbriefte Recht auf freie Religionsausübung. Darunter die evangelischen Mennoniten, Quäker, Zeugen Jehovas und Juden. Noch heute zeugen die Kirchen und die Synagoge von der religiösen Vielfalt Friedrichstadts.

Trotz größerer Zerstörungen wie 1850 im dänisch/schleswig-holsteinischen Krieg ist das historisch gewachsene Stadtbild von Friedrichstadt bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Einzelne Gebäude aber auch ganze Straßenzüge zeugen noch heute vom besonderen Flair aus den Gründungstagen. Die geraden, gepflasterten Straßen und die baumbestandenen Grachten mit den reizvollen Brücken machen Friedrichstadt zu einem städtebaulichen Kleinod der besonderen Art.

Bei einem Bummel durch die schnurgeraden, rechtwinkligen Straßen trifft man auf Schritt und Tritt Zeugen aus der Vergangenheit: Alte Hausmarken, ehrwürdige Hausfassaden – die berühmten Treppengiebelhäuser – und verträumte Winkel, die zum Betrachten und Fotografieren einladen. Es gibt viele bewundernswerte Bauwerke zu entdecken. Da gibt es das Fünfgiebelhaus, die vielen Brücken, das Neber- und das Kettererhaus und noch viele weitere. Einige dieser Sehenswürdigkeiten können sie während einer Grachtenfahrt aus einer ganz neuen Perspektive bestaunen. Lassen Sie sich verführen vom Charme des Venedigs des Nordens.

Neben seiner kulturellen und architektonischen Anziehung bildet Friedrichstadt auch einen idealen und idyllischen Ausgangspunkt für Ausflüge. Nur wenige Minuten entfernt vom lebendigen Rummel der Holländerstadt eröffnet sich die idyllische Flusslandschaft von Eider und Treene. Im Vergleich zur stark frequentierten Nordsee finden Sie hier Ruhe und unberührte Natur. Vorbei an strahlend gelben Rapsfeldern geht es durch die typischen Dörfer, jedes für sich ein Kleinod mit besonderem Charme. Etwa das Storchendorf Bergenhusen mit seinem Naturschutzzentrum.

Am besten erkundet man die wildromantische Landschaft mit dem Rad: Auf den vielen ausgeschilderten Radwegen erleben Sie die Natur hautnah. Immer wieder wird deutlich, wie sehr die drei Flüsse Eider, Treene und Sorge das Land prägen. Gefährdete Pflanzen und selten gewordene Tierarten haben entlang der Ufer ihr Refugium gefunden und bieten ein unbezahlbares Naturerlebnis.

Alle Fotos: © Hans-Raimund Kinkel

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