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Einer der ersten schönen Frühlingstage lockte mich zu einer Radtour zum Schiffshebewerk Lüneburg-Scharnebeck. Auf Wikipedia findet man dazu folgenden Eintrag: „Das Schiffshebewerk Lüneburg gehört zur nördlichen der beiden Kanalstufen der Bundeswasserstraße Elbe-Seitenkanal, für den das Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen zuständig ist. Der Elbe-Seitenkanal verbindet die Elbe bei Artlenburg mit dem Mittellandkanal bei Edesbüttel westlich von Wolfsburg. Das Hebewerk wurde 1974 als damals weltgrößtes am Fuß des Geestrandes zur Elbmarsch in Scharnebeck, nordöstlich von Lüneburg und neun Kilometer südlich der Elbe, gebaut. Das erste Schiff passierte das Schiffshebewerk mit der Teilfreigabe des Kanals zwischen der Elbe und dem Hafen Lüneburg am 5. Dezember 1975. Es ist durch mehrere Promenaden gut zu besichtigen und in Verbindung mit dem nahen Museum ein beliebtes Ausflugsziel. Pro Jahr besichtigen etwa 500.000 Besucher das Hebewerk.“

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Das wollte ich mir doch auch einmal im Original ansehen. Meine Tour führte mich von Hamburg-Boberg über Bergedorf und Altengamme zunächst nach Geesthacht. Von dort über die Brücke auf die Südseite der Elbe auf den Elbe-Radweg in Niedersachsen. Mit starkem Rückenwind erreichte ich ziemlich schnell und ohne große Anstrengung Artlenburg, wo der Elbe-Seitenkanal in die Elbe mündet und nehme die rechte Seite des Kanals. Ich genieße es, diese Strecke bis auf 3-4 Begegnungen ganz allein für mich zu haben. Die Natur hat sich noch nicht entfaltet, so dass ich durch die Gehölze am Radweg hindurchschauen und die Landschaft dahinter ebenfalls betrachten kann. Die Strecke bietet eine Mischung aus reiner Natur, Ackerflächen und wunderschönen Fachwerkhäusern.

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Man hat auf den ersten Kilometern am Elbe-Seitenkanal die Wahl, oben am Kanal oder unten am Deich entlang auf einer gut asphaltierten Wirtschaftsstraße zu fahren. Da der Wind jetzt schon leicht von vorne kommt nehme ich zunächst diese untere Wegstrecke. Dann geht es auf der üblichen gut befahrbaren Schotterstrecke oben am Kanal weiter. Vom Ort Artlenburg aus sind es noch kapp 10 Kilometer zum Schiffshebewerk. Schon etliche Kilometer vorher sieht man die hohen Betonbauten, was einen dazu verleiten kann, die Wegstrecke, die dann noch vor einem liegt, etwas zu unterschätzen. Aber mit dem Ziel vor Augen lässt sich trotzdem gut in die Pedale treten.

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In knapp 2 Stunden habe ich die rund 45 Kilometer geschafft und komme gerade rechtzeitig, um beobachten zu können, wie ein großes holländisches Flussschiff sich in die unglaublich schmale Schleusenöffnung manövriert. Ich habe das Gefühl, dass da kaum noch die Fender dazwischenpassen. Vorne und hinten ist auch nur noch wenig Platz. Es gibt zwei „Tröge“, wie die Schleusenkammern hier genannt werden. Eigentlich sind es auch gar keine Schleusenkammern, sondern überdimensionierte Wannen. Jedem Trog sind vier Führungstürme zugeordnet. Als das holländische Frachtschiff fest ist, dauert es noch eine Weile, bis sich der Trog mit Schiff nach oben in Bewegung setzt. Das geht aber dann sehr rasch. Die 38 Meter (!) Höhenunterschied werden in 3 Minuten überwunden. Ich stehe auf der Straße direkt unter dem Schiffshebewerk und staune, dass nicht ein Tropfen Wasser herabregnet, als sich der Trog oben einklinkt und sich das Tor öffnet. Über eine Treppe an der Seite wechsle ich meine Position und sehe den Frachter oben aus der Wanne gleiten.

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Das Schiffshebewerk Lüneburg-Scharnebeck ist eine der größeren Attraktionen in der Elbmarsch und bevorzugtes Ziel von Bikern und Radfahrern. Es gibt Führungen nach Voranmeldung auch mit Gruppen inkl. Einkehr in einen Landgasthof. Näheres auf: www.schiffshebewerk-scharnebeck.de.

Während der Rast überlege ich, wie ich meine Rücktour angehen soll, denn der Wind aus Nordwest hat nicht nachgelassen und auf dem weitgehend ungeschützten Kanal- und Elberadweg würde es eine ziemliche Kraftanstrengung werden. Ich denke, dass der Windeinfluss nicht so stark sein würde, wenn ich durch das Binnenland radle. Direkt vom Schiffshebewerk führ ein schöner Radweg durch das Drögeholz mit etwas Abstand zur Straße nach Adendorf. Ich spüre zwar den Wind, aber mein Plan scheint aufzugehen. Weiter geht es Richtung Bardowick. Vor dem Ortseingang biege ich in den St. Dionyser Weg ab, ein Schotterweg durch einen lichten Wald rechter Hand mit Wochenendhäusern und kurz vor dem Ort St. Dionys entdecke ich einige Golfspieler zwischen den Bäumen.

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Hinter St. Dionys habe ich etwas Schwierigkeiten, die Abzweigung zum Ilmenau-Kanal zu finden, weil die Strecke nicht gut ausgeschildert ist. Am Ilmenau-Kanal entlang bis Laßrönne erwischt mich der starke Norwest dann doch noch frontal, so dass ich mit kleinem Gang etwas mühsamer vorankomme. Von Laßrönne aus radle ich über Stöckte nach Hoopte zur Elbfähre, die mich nach Zollenspieker bringt. Von dort nehme ich den Bahnradweg nach Bergedorf. Hier kommt der Wind nur noch seitlich und hat auch etwas nachgelassen.

Nach insgesamt 5 1/2 Stunden ist meine Spritztour beendet und insgesamt 96 Kilometer auf dem Tacho. Die Oberschenkel brennen etwas, aber auch das geht dann schnell vorüber.

Kürzere Alternative

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Als kürzere Alternative haben wir eine Tour ab Tespe gewählt. Direkt am Elbdeich am Ortsanfang kann man das Auto abstellen und Richtung Artlenburg losradeln. Wir hatten Mitte Juni einen schönen, weitgehend windstillen Tag erwischt. Dadurch ging es gemütlich auf gerader Strecke erst an der Elbe, dann ab Artlenburg am Elbe-Seitenkanal entlang nach Scharnebeck. Dort angekommen fanden wir einen Platz auf der westlichen Aussichtsplattform. Es war Hochbetrieb und für mich erneut faszinierend, wie die Schiffsschleusungen hier abgewickelt werden.

Für die Rückfahrt hatten wir uns die westliche Tangente ausgeguckt. Am Schiffshebewerk fährt man dazu auf dem Weg oberhalb des Kanals ein kurzes Stück nach Norden, bis der Weg nach links in die Felder abbiegt. In einer groben Zickzacklinie führt diese Strecke durch eine wunderbare Knicklandschaft an Moorbug vorbei nach Brietlingen. Dort quert man die Bundesstraße 209. Und direkt an der Kreuzung kehren wir in ein wunderbares Café ein, das mit selbstgebackenen Kuchen und allerlei netten Designaccessoirs eine gemütliche Ausstrahlung hatte. Wir setzen uns in den Garten in die Sonne.

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Vom Café aus radeln wir auf einem gut asphaltierten Radweg an der Landesstrasse entlang nach Barum, biegen in der Ortsmitte ab nach Bütlingen und dort nach gut einem Kilometer auf einen Feldweg oberhalb des Hauptkanals Ilau Schneegraben. Dieser Weg führt nach einem Rechtsschwenk direkt zum Ortseingang von Tespe zu unserem Auto.
Das sind knapp 40 Kilometer leichte Radtour und gut auch mit Familie zu bewältigen.

Fotos: © Hans-Raimund Kinkel