Das alte Holland – An Grachten und Kanälen

(Teil 5 – von Leiden nach Delft)

Unser heutiges Ziel ist die Porzellanstadt Delft. Da wir am Morgen die Stadtführung durch Leiden auf dem Programm haben, wird es fast Mittag, bis wir uns auf die Räder schwingen. Wir schlängeln uns durch die Gassen von Leiden zum Kanaalweg und folgen diesem an Vlietland mit seinen Seen und dem Vogel-Rastplatz vorbei nach Leidschendam-Voorburg, nordöstlich von Den Haag und fast schon ein Vorort dieses Zentrums. Diese Nähe spürt man durch die großen Verkehrsadern in Sichtweite.

leiden-delft-3

Und doch  radeln wir auf einem weiter beruhigten Weg am Kanal entlang und besuchen einen Ziegenhof, wo sich vor allem Familien mit Kindern vergnügen und zuschauen können, wie Ziegenkäse gemacht wird. Streicheln der zutraulichen Tiere ist ein Muss!

leiden-delft-2-ziegenhof

Auf der Fahrt genießen die heimelige Landschaft, wo die Häuser umgeben sind von Wasseradern und die Kühe auf den Weiden den Hinweis auf die Milchwirtschaft Hollands mit den berühmten Gouda-Käsesorten geben.

Delft erreichen wir am Oostpoort und radeln zu unserem nächsten Programmpunkt, der in Delft natürlich nicht fehlen darf: Die Delfter Porzellanmanufaktur.

delft-9

Oostpoort von Delft

Delfter Blau

Delfter Blau ist das weltberühmte Steingut, das seit dem 17. Jahrhundert in der Stadt Delft hergestellt wird. Zwischen 1600 und 1800 war dieses Steingut unter reichen Familien beliebt, die sich gegenseitig ihre Sammlungen von Delfter Ware vorführten. Obwohl die Delfter Töpfer es vorzogen, ihre Töpferware „Porzellan“ zu nennen, war es nur eine günstigere Version des echten chinesischen Porzellans.

delft-7-porzellan

Delfter Ware wurde nicht aus dem typischen Ton für Porzellan gefertigt, sondern aus Ton, der nach dem Brennen mit einer Zinnglasur überzogen wurde. Trotzdem erlangte Delfter Ware unnachahmliche Beliebtheit; zeitweise gab es 33 Fabriken in Delft. Von all diesen Fabriken ist die einzige, die es noch heute gibt, „Royal Delft“.

Die Landpartie hatte für uns eine Führung organisiert, so dass wir die Herstellung dieses berühmten Porzellans hautnah erleben durften. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Akribie die Dekors auf den Ton gemalt werden und wie sich Handarbeit und industrielle Verarbeitung hier verbinden. Einzelne Plätze mit den designern und die ganze Halle voll mit Stellagen und den Brennöfen.

delft-5-porzellan

Natürlich durfte auch der Besuch in der Werksausstellung mit Verkauf nicht fehlen und einige unserer Teilnehmer konnten auch nicht widerstehen, das eine oder andere Stück zu kaufen.
Die Delfter Porzellanmanufaktur ist ein touristischer Hotspot, zu dem Besuchergruppen mit ganzen Bussen gefahren werden. Trotzdem wirkt es noch wie eine familiäre Einladung, die Räume besichtigen zu dürfen.

Anschließend steuern wir mitten in der Stadt an der malerischen Gracht am Koornmarkt  unser Hotel an, das sich optisch dem berühmten Maler des Ortes, Jan Vermeer, gewidmet hat. Die Zimmer sind überwiegend großzügig und modernisiert, das Abendessen ist auch hier ein sehr gutes Drei-Gänge Menue, professionell und freundlich serviert.

delft-17-gracht

Durch die Lage mitten in der Stadt machen wir später noch einen Rundgang durch die Innestadt, beeindruckend der riesige Marktplatz mit dem Rathaus und der Nieuwe Kerk. In Sichtweite erkennt man die Oude Kerk mit ihrem schiefen Turm. Die Giebel der Patrizier-Häuser sind immer wieder ein lohnender Anblick.

Delft – die Prinzenstadt

delft-11

Delft gehört zu den ältesten niederländischen Städten. Die Altstadt birgt zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die von ihrer Vergangenheit als blühende Handelsstadt im Goldenen Zeitalter zeugen. Trotz eines schweren Stadtbrandes im 16. Jahrhundert und einer verheerenden Explosion des Waffenmagazins im 17. Jahrhundert, die nur wenige Gebäude verschonte, verfügt Delft über ein gut erhaltenes, von Grachten durchzogenes historisches Stadtbild, das von Brabanter Gotik und Patrizierhäusern der Renaissance geprägt ist und den typischen Charakter altholländischer Städte bewahrt hat. Nach Amsterdam hat sich Delft zum populärsten touristischen Ziel der Niederlande entwickelt und verzeichnet jährlich rund eine Million Besucher.

Geschichtlich ist Delft insbesondere durch Wilhelm von Oranien bekannt, der seine Residenz ab 1572 in die befestigte Stadt verlegte, wo er 1584 ermordet wurde. Er ist in der Nieuwe Kerk bestattet; in der Gruft der Kirche werden seither die Mitglieder der königlichen Familie beigesetzt. Delft führt daher den Beinamen Prinsenstad (Prinzenstadt).

Johannes_Vermeer_Girl_with_a_Pearl_Earring

Berühmtester Sohn der Stadt ist der Maler Jan Vermeer. Das Vermeerzentrum hat hochwertige Bilder von Vermeers gesamtem Werk in voller Größe. Sie haben die Gelegenheit, sein Atelier zu betreten, in dem er „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“, die „Dienstmagd mit Milchkrug“ und eine der besten Stadtansichten aller Zeiten, „Die Ansicht von Delft“, erschuf.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Delft zur Technikstadt und profilierte sich durch die 1842 gegründete Technische Universität auf den Gebieten der technischen Innovation und der Architektur.

Mit diesen Eindrücken lassen wir diesen Tag in Delft ausklingen.