Das alte Holland – An Grachten und Kanälen

(Teil 4 – von Egmond aan Zee nach Leiden)

So schön der Abend in Egmond aan Zee mit dem malerischen Sonnenuntergang ausgeklungen war, so grässlich zeigte sich der nächste Morgen. Ein starker Wind mit quer kommenden Regenboen versprach nichts Gutes. Laut Plan sollten wir gemütlich durch die Dünenlandschaft über den Nationapark Zuid Kennemerland und Badestopp an der Nordsee Richtung Süden radeln. Daraus wurde nichts, weil sich die Mehrheit der Teilnehmer gegen den Aufbruch bei diesem Wetter und eine Tour gegen den starken Südwestwind, also Gegenwind mit Regen, entschied.

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Bei Regen ein kurzes Stück zur Bahn

In einem solchen Fall ist nun wieder vor allem die Souveränität des Reiseleiters gefragt, der spontan komplett umdisponieren musste. Und nicht nur er, sondern auch Christian im Begleitfahrzeug, denn das tägliche Picknick würde bei einem solchen Wetter ja ebenfalls ausfallen müssen.

Mein Blick auf den Regenradar sagte zwar mir, dass diese Regenfront in 1 bis 1 1/2 Stunden vorbei sein würde, aber dann wäre wohl der Zeitplan der Tagestour nicht einzuhalten gewesen.

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Dem Regen und Wind entfliehen wir mit der Bahn

Unser Reiseleiter, Rainer Brochhausen,  entschied, dass uns eine Strecke mit Rückenwind zurück über Alkmaar zur Bahnstation in Heiloo mit dem Rad zuzumuten sei. Bis wir richtig loskamen ließ der Regen auch schon nach, so dass dies alle ohne weiteres Murren hinnahmen. Am Bahnhof in Heiloo wartete Christian mit dem Anhänger und wir verluden die Räder. Rainer ging inzwischen Tickets kaufen, was gar nicht so einfach war, da immer nur 2-3 jeweils aus dem Automaten gezogen werden konnten. Bis er alle 25 Tickets hatte, wurde es bereits knapp, denn der vorgesehene Zug war schon in Sichtweite.

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Am Lisserdijk Kanal

Da ohnehin für diesen Tag am Ende der Dünenlandschaft ein Bahntransfer vorgesehen war, fuhren wir nun von Heiloo mit einem Umstieg in Haarlem gleich nach Hillegom. Das Wetter hatte sich nicht wesentlich gebessert, und an Picknick war nicht zu denken. Nach einer guten Stunden Radeln entdeckten wir am Kanal das Begleitfahrzeug der Landpartie an einem kleinen Gasthof. Dort hatte Christian mit dem Wirt eine Mittagsverköstigung abgesprochen: Drei verschiedene belegte Sandwiches, eine Suppe und noch eine weitere Kleinigkeit. Alles sehr lecker und zügig mit einem Lächeln serviert. Über so viel Flexibilität waren wir mehr als erstaunt.

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Vor Warmond

Weiter ging es am Lisserdijk Kanal, der Südholland mit Nordholland verbindet, nach Buitenkaag und Warmond zu unserem Ziel, der Universitätsstadt Leiden. Die letzten Kilometer radelten wir in flacher Landschaft. In Leiden angekommen hatte sich das Wetter insgesamt auch schon wieder beruhigt.

Leiden – die unbekannte Schöne

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Stadttor im Norden

Wir checken mitten in der Innenstadt im Hotel Minerva ein, einem sehr traditionellen Haus mit ganz besonderem Flair. Die Zimmer sind zum Teil riesig mit ebenso wuchtigen Betten und entsprechendem Mobiliar. Aber es hat Stil. Das Abendessen dagegen war eine Zumutung: ein Süppchen aus dem Maggi-Beutel und in großen Schüsseln – wahrscheinlich vom Asiaten in der Stadt angeliefert – Reis mit Hähnchen-Sojagemüse. Als Nachtisch irgendeine undefinierbare Creme. Ja, man kann nicht immer alles haben.

Der anschließende Rundgang durch die Stadt allerdings entschädigt uns. Wir steigen hinauf zur „De Burcht“, einem im 11. oder 12. Jahrhundert angelegten Hügel, der als Zufluchtsort diente, und haben ein wunderbaren Blick über die Stadt, wo sich die Hooglandse Kerk in einem weichen Abendlicht präsentiert.

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Hooglandse Kerk

Alles, was so typisch für Holland ist, findet man hier: Grachten, Zugbrücken, eine große Windmühle und viele „bruine cafés“, die dunklen, urigen Kneipen. Da Leiden eine Studentenstadt ist, sind Cafés und Kneipen immer gut besucht. Man trifft sich beispielsweise bei Annie’s Verjaardag, einem Bistro an der Gracht mit schwimmender Terrasse. Von der Landpartie war für den nächsten Morgen eine Führung organisiert, die uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Plätzen in Leiden führte und uns umfangreich über diese Stadt informierte.

Hier einige Hintergrund-Informationen über Leiden für einen eigenen Besuch:

Die südholländische Stadt Leiden hat rund 120.000 Einwohner und eine privilegierte Lage: nur wenige Kilometer trennen sie von der Küste. Darüber hinaus kann sie gleich mit einer Reihe von Superlativen aufwarten. Dennoch wurde sie bisher von den großen Urlauberströmen übersehen. Was durchaus seine Vorteile hat, denn so bleibt einzelnen Besuchern mehr Raum für individuelle Entdeckungen.

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Die Waaghoofbrug in der Stadtmitte

Goldene Grachtenstadt

Mit seinen Grachten und den alten Herrenhäusern ist Leiden genauso schön wie die bekannten Kanal-Städte der Niederlande, nur nicht annähernd so überlaufen. Im goldenen Zeitalter, das 1650 seinen Höhepunkt erreichte, galt Leiden als zweitwichtigste Stadt des Landes – und diese bedeutende Vergangenheit ist noch heute überall in der Stadt zu spüren.

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Bei der Koornbrug

Geburtsstadt Rembrandts

Leiden ist die Geburtsstadt von Rembrandt. 1605 in Leiden geboren, fand Rembrandt van Rijn in der Stadt die architektonische Schönheit und schöngeistige Atmosphäre vor, die ihm erlaubten, sein meisterliches Talent zu entfalten. Einen Eindruck von Rembrandts Leben bekommen Besucher in dem früheren Atelier des Künstlers. Es liegt malerisch am Wasser und wirkt noch heute inspirierend auf Betrachter.

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Rembrand-Denkmal

Das neu geschaffene „Rembrandt Lokaal“ hat sich ganz der Erforschung von Rembrandts Werk verschrieben. Erste Recherche-Ergebnisse zum Gebrauch der Farben in seinen Gemälden sind bereits zu einer Ausstellung zusammengefasst worden, die aktuell durch die Niederlande wandert. Und so wird auch künftig mit dem gewonnenen Wissen verfahren – alles, was die Leidener Wissenschaftler herausfinden, erfährt das ganze Land. Wer weniger über künstlerische Details und mehr über den Menschen Rembrandt erfahren möchte, kann sich den Kostümführungen in der Stadt anschließen.

Vielseitige Kulturmetropole

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Rijksmuseum van Oudheden

Leiden ist eine Kulturmetropole. 13 Museen gibt es in der Stadt und sie alle liegen fußläufig beieinander. So klein die räumliche Distanz ist, so groß ist die thematische Vielfalt: von Rembrandts Meisterwerken über völkerkundliche Kuriositäten bis hin zu wertvollen Blumenzwiebeln. Wer sich in Leiden bilden möchte, kann das auf unterhaltsame Weise tun. Und was vielleicht noch bedeutsamer ist: die ganze Stadt ist ein Freilicht-Museum, denn am Stadtbild hat sich in den vergangenen Jahrhunderten wenig verändert. www.lakenhal.nl; www.volkenkunde.nl; www.hortusleiden.nl

Direkt vom Kanal an die Küste

Von Leiden ist es nur einen Katzensprung an die Nordsee. Gerade einmal 20 Minuten dauert es von der Stadtmitte an die Strände Südhollands. Und als Clou bietet Leiden einen besonderen Bootsservice an: die Direktfahrt von den Kanälen an die Küste. Wer morgens startet, kann einen entspannten Strandtag verleben und ist rechtzeitig wieder zurück, um abends stilvoll in der Stadt zu speisen. http://www.leidserederij.nl; http://www.vareninleiden.nl

Heimat der holländischen Tulpen

In Leiden ist die erste Tulpenzwiebel der Niederlande gepflanzt worden. Das viel beachtete Ereignis fand vor 400 Jahren statt und noch heute wachsen Tulpen am Ort des historischen Geschehens, im berühmten Hortus Botanicus. Die farbintensiven, großköpfigen Tulpen sind ein erfreulicher Anblick, werden von den meisten Menschen aber eher nebensächlich behandelt. Im Goldenen Zeitalter standen sie hingegen im Zentrum des öffentlichen Interesses. Zeitweise hatten Tulpenzwiebeln den Gegenwert eines Einfamilienhauses und wurden deshalb in Leiden scharf bewacht.  www.hortusleiden.nl

Ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis

In Leiden stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Das merken Besucher bereits bei der Hotelbuchung. Romantische Boutiquehotels, etablierte Luxushotels und familiäre Pensionen decken das gesamte Spektrum möglicher Wünsche ab und bieten dabei faire Preise.

Älteste Universität der Niederlande

Die Atmosphäre in Leiden ist jung und international – dank der ältesten Universität der Niederlande. Bereits 1575 kamen junge Menschen aus ganz Europa nach Leiden, um in der offenen und toleranten Stadt zu studieren. 30.000 Studenten sind es heute, die das städtische Leben bereichern.

Ausflug zum Blumenmeer des Keukenhofs

Noch näher als die Küste liegt der berühmte Keukenhof bei Leiden. Die Eigenwerbung weist ihn als den „schönsten Frühlingspark der Welt“ aus. Und wer den Hof einmal besucht hat, ist versucht, den Niederländern Recht zu geben. Denn insgesamt blühen hier sieben Millionen Blumen – darunter allein 800 verschiedene Tulpensorten. Ein Meer aus Farben und Gerüchen, das den Aufenthalt zum Erlebnis macht. Der Keukenhof öffnet wieder 2017 – vom 23. März bis zum 21. Mai. www.keukenhof.de

Probieren & Plaudern auf dem Wochenmarkt

Jeden Samstag findet in Leiden der Nieuwe Rijn Markts statt. Hier gibt es geballt die Dinge, die deutsche Urlauber an Holland besonders schätzen. Leckeren Käse, schöne Blumen und freundliche Menschen, die zum Probieren ihrer Produkte und zum Plaudern einladen.

Gute Erreichbarkeit

Leiden ist von Deutschland aus schnell und unkompliziert zu erreichen. Denn der internationale Flughafen Amsterdam Schiphol ist nur einen Zugstopp von Leiden entfernt. Auch die Zuganbindung ist bestens: Aus den nordrhein-westfälischen Metropolen Köln und Düsseldorf erreichen Besucher Leiden beispielsweise mit dem ICE in weniger als drei Stunden. Ungefähr die gleiche Zeit sollte man für die Fahrt mit dem PKW einplanen.  www.visitleiden.nl; www.holland.com.