Teil 6 der Reise „Das alte Holland – an Grachten und Kanälen“

Delft verlassen wir am frühen Morgen und radeln am Rotterdamseweg/Delftweg an der Delftse Schie entlang nach Rotterdam und ohne großen Aufenthalt zum Anleger des „Waterbus“ in Sichtweite der berühmten Erasmusbrücke. Das Hafenpanorama von Rotterdam bietet auch einen Ausblick auf eines der großen Kreuzfahrtschiffe.

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Erasmusbrücke Rotterdam

Rotterdam ist nach Amsterdam die zweitgrößte Stadt in den Niederlanden und den größten Seehafen Europas (drittgrößter der Welt).

Neben Amsterdam und Den Haag ist Rotterdam eines der kulturellen Zentren der Niederlande. Rotterdam verfügt über eine Universität, mehrere Fachhochschulen, eine Musikhochschule und eine Kunstakademie. Sie ist die führende Industrie- und Handelsstadt der Niederlande. Besonders auffällig ist die Rotterdamer Wolkenkratzer-Silhouette, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt hat.

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25 Fahrräder und mehr – kein Problem auf dem Waterbus

Eine Stadtbesichtigung Rotterdams ist auf dieser Reise nicht vorgesehen, dafür eine relativ lange Überfahrt mit dem „Waterbus“, wie hier die Hafenfähren heißen. Wir können uns zwar kaum vorstellen, dass wir da so einfach mit 25 Rädern an Bord können, aber das ist hier in Holland absolut kein Problem.

 

In teilweise rasender Geschwindigkeit preschen wir die Nieuwe Maas entlang nach Osten und mit einem Umstieg am Anleger De Schans erreichen wir unseren heutigen Programm-Höhepunkt: Kinderdijk.

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Erläuterung des Mühlenparks durch unseren Reiseleiter Rainer Brochhausen

Rainer Brochhausen erläutert uns zunächst dieses einmalige Welterbe, das aus einer Ansammlung von Mühlen besteht, die alle noch funktionstüchtig sind und auch erhalten werden, um bei einem Störfall der modernen Wasserregulierung einspringen zu können.

Kinderdijk ist ein kleiner Ort in den Niederlanden, der etwa 15 Kilometer südöstlich von Rotterdam in der Provinz Südholland liegt. Der Ort gehört zur Gemeinde Molenwaard auf der Niederung Alblasserwaard und liegt auf dem Polder Nederwaard. Im Nordwesten fließen die Flüsse Lek und Noord, die den Ort von zwei Seiten einschließen, zur Nieuwen Maas zusammen. Bekannt ist der Ort für seine Mühlen, die 1997 in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen wurden.

Der Name „Kinderdijk“ (Kinderdeich) erklärt sich laut einer Legende folgendermaßen: Bei der Elisabethenflut 1421 soll eine Wiege mit einem weinenden Kind und einer Katze unversehrt auf den Deich gespült worden sein. Eine andere Legende besagt hingegen, dass der Deich durch Kinderarbeit entstanden sein soll. Die ersten Bauern siedelten schon um 1000 nach Christus in dieser Gegend.

In der Nähe der Ortschaft befinden sich entlang der beiden Flüsse viele kleine Werften. Im Osten und Südosten befinden sich die Polder Overwaard und Polder Blokweer, die größtenteils landwirtschaftlich genutzt werden.

Die Mühlen von Kinderdijk

Die Mühlen von Kinderdijk gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in den Niederlanden. Entsprechend viele Busladungen Besucher tummeln sich mit uns auf dem Gelände. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 19 Windpumpen, die dazu dienen, das anfallende Wasser aus den Poldern abzupumpen, um so den Boden landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Die Mühlen pumpen das Wasser in den Nieuwen Waterschap, welcher in den Fluss Lek fließt. Sie wurden im 18. Jahrhundert erbaut, nachdem sich die älteren Kanalsysteme als wenig effektiv erwiesen.

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Mühlen von Kinderdijk

Die Wasserwege, die auch die Polder voneinander trennen, unterteilen die Mühlen auch in mehrere Gruppen:

Westlich des Nieuwen Waterschap, auf dem Nederwaard-Polder, befinden sich acht runde Mühlen aus roten Ziegelsteinen, die alle 1738 erbaut wurden.

Auf dem Overwaard-Polder im Osten befinden sich acht achteckige Mühlen aus Holz direkt am Wasserweg sowie drei ähnliche Mühlen etwas weiter im Inneren des Polders. Bis auf eine der Mühlen im „Polderinneren“ (1761) wurden alle 1740 erbaut.

Auf dem Polder Blokweer, südöstlich von Kinderdijk, befindet sich eine einzelne Mühle aus Holz, die Blokweerse Molen. Sie ist auch unter dem Spitznamen „De Blokker“ bekannt. Das Baujahr der ursprünglichen Mühle ist unbekannt. „De Blokker“ fiel öfters Bränden zum Opfer, zuletzt 1997. Seit 2001 ist die Mühle wiederaufgebaut und restauriert. Diese Mühle ist auch die einzige aus der Gruppe, bei der sich das Schaufelrad außerhalb der Mühle befindet und so von außen sichtbar ist.

Heutzutage haben Pumpen (zuerst Dieselpumpen, heute Elektropumpen) die Arbeit der Mühlen übernommen. Trotzdem erfreuen sich die Mühlen immer noch großer Beliebtheit. Sie werden zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel dem Landelijke Molendag (Landesweiter Mühlentag) wieder in Betrieb genommen. Eine der Mühlen auf dem Nederwaard-Polder ist sogar von innen zu besichtigen, manch andere hingegen sind in Privatbesitz und werden als Familienhaus genutzt.

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Museumsmühle Blokweer

Wir radeln an den Mühlen am Kanal entlang, machen Halt bei der Museumsmühle Blokweer und dann geht es weiter einige Kilometer immer am mit Schilf bewachsenen Ufer des Het Nieuwe Watershap bis zum Übergang in De Alblas. Dort wartet Christian mit einem der schönsten Picknicks auf dieser Tour.

Anschließend geht es nochmals mit einer Fähre über die Oude Maas zum Historischen Zentrum Dordrechts.

Dordrecht
Die älteste Stadt der Region Holland liegt an breiten Flüssen. Unzählige Monumente, der historische Hafen inmitten der Stadt und eine ganz besondere Atmosphäre prägen das Bild.

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Dordrecht Innenstadt

Die Stadt Dordrecht entwickelte sich durch ihre Lage an einer Flusskreuzung schon im Mittelalter zu einer blühenden Handelsstadt. Der rege Handel von Holz, Getreide und Wein zog Kaufleute und Handwerker aus der weiten Umgebung an. Wenn Besucher heute entlang des Hafens oder der historischen Gebäude schlendern, den kurvenreichen Straßen oder dem Flusslauf folgen, wähnen sie sich in der mittelalterlichen Geschichte der Stadt.

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Grote Kerk in Dordrecht

Auf keinen Fall verpassen sollte man die Stadtkirche „Grote Kerk“, die Gemäldesammlung des „Dordrechts Museum“, die prachtvolle Einrichtung der alten Bürgermeisterwohnung im „Huis van Gijn“ sowie das  Augustinerkloster „Het Hof“ aus dem 13. Jahrhundert.

Die „Grote Kerk“ dürfen wir auf unserer Tour besuchen, obwohl – oder weil – gerade eine Hochzeit dort zelebriert wird.

Wir radeln noch durch den Ort und schauen kurz in einen Beginnenhof, wie die Altersheime für Bedürftige Personen hier heißen. Die Aufnahmefähigkeit der Teilnehmer ist aber für heute gestillt und so steuern wir unser etwas außerhalb gelegenes Hotel „Van der Valk“ Dordrecht an. Es liegt zwar direkt an der Autobahn in einem Industriegebiet, aber es ist erstklassig und bietet und jeden erdenklichem Komfort. Abendessen ist zudem ein Höhepunkt und gemeinsam schauen wir später in der Bar ein Fußball-Länderspiel im Rahmen der Europameisterschaft an.