Man muss nicht in die Wüste oder das Outback in Australien fahren, um keine Menschenseele zu sehen. Eine Radtour durch die Flusslandschaft Elbe erfüllt in jedem Fall die gleichen Erwartungen. Das ist natürlich übertrieben, denn allein der Anfahrtsweg von Hamburg über Lauenburg und Boizenburg zu unserem Startplatz in Dersenow findet auf der vielbefahrenen B5 statt.
Am Ortsende von Dersenow biegen wir rechts ab in eine kleine Seitenstraße und können dort unser Auto parken, die Räder abladen und losradeln. Auf einem gut befestigten Betonplattenweg geht es im 30°-Winkel zur B5 nach Dammereez, wo wir nach der Routenbeschreibung auf einen Engl. Landschaftspark treffen sollen.

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Gutshaus Dammereez – Ruine am Engl. Landschaftspark

Am Ortsende finden wir auch das Hinweisschild und stehen vor einem dem Verfall anheim gegebenen Gebäude, dem ehemaligen Gutshaus Dammereez. In den sich anschließenden „Landschaftspark“ führen einige unscheinbare, weil vernachlässigte Wege, die zu einer großen Fläche führen, die von alten Bäumen gesäumt wird. An den weiteren Rundwegen finden wir keine markanten Hinweise, lediglich am Zugang zum Park gibt es einen Prospektständer mit einem Informationsflyer.

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Blikc über die Rasenfläche auf den alten Baumbestand

Dem entnehmen wir: „Das Grundgerüst des Parkes bilden Stieleichen, Buchen, Bergahorn, Roßkastanie und Spitzahorn. Dazu wurde eine große Anzahl von Exoten, wie z.B. Mammutbaum, Trompeten- und Tulpenbaum, Gurkenmagnolie, Sumpfzypressen, Japanische Sichel- und Schirmtannen gepflanzt. Die Exoten wurden in der „Laffertschen Baumschule“ im Gut Lehsen, nur ca. 20 km von Dammereez entfernt, gezogen. Diese Baumschule in der Nähe von Wittenburg zog zu Beginn des 19. Jahrhunderts neben einer Vielzahl von Obstgehölzen auch eine große Anzahl von fremdländischen Baum- und Straucharten zur Gestaltung von Schloss- und Gutsparks. Neben diesen Exoten gibt es im Park auch eine Reihe – durch Mutation entstandene – Varietäten heimischer Baumarten wie die Trauerbuche, die Blutbuche, die ihren Namen zu Recht tragende Gold-Eiche, sowie die Gold-Ulme.

Zu den Besonderheiten des Parks gehören 20 etwa 400 Jahre alte Stieleichen und Eschen. Außerdem stehen im Park 13 Bäume im Alter von 180 bis 200 Jahren und 28 Bäume im Alter von 110 bis 130 Jahren. Zu den Letzteren gehören die 3 Mammutbäume und die Japanische Sicheltanne. Die beiden höchsten Bäume – eine Stieleiche und eine Esche – sind 38 m hoch. Da der Abfluß des Inselteiches zerstört war, wurde nach 1945 in wasserreichen Jahren der gesamte Park überschwemmt und ein großer Teil der Exoten entwurzelt oder bei Sturm umgebrochen. Dieser zur Erhaltung der Parkbepflanzung notwendige Abfluß ist im Jahr 2000 wiederhergestellt worden.

Durch den 1998 gegründeten Förderverein „Dammereezer Park e.V.“ konnten bis zum Frühjahr 2003 durch Spendenaktionen 101 Bäume und Sträucher neu gepflanzt werden. Dazu gehören Berg- und Gold-Ulmen, Abendländische Lebensbäume, Zierapfel, Tulpen- und Trompetenbäume, Sumpf-Eiche, Traubenkirsche, Gelbe Pavie, ein Mammutbaum, ein Ginkgo und Nordmannstannen. Der Bestand ist damit wieder auf dem Stand, wie er am 25.6.1930 von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft erfasst wurde. Inzwischen sind 82 Bäume nach den EU-Richtlinien gekennzeichnet.“

Scheinbar wird der Park auch für ein paar Events genutzt wie z.B. das „Laubfeuer“ am letzten Samstag im Oktober.

Wir radeln weiter nach Brahlstorf, einer kleinen Gemeinde mit ebenfalls einem Gutshaus, das in Privatbesitz ist und seit Jahren saniert wird. Wir halten uns hier nicht weiter auf.

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Auf dem ehemaligen Bahndamm nach Preetz

Dann führt die Straße nach einem Kilometer außerhalb des Ortes auf einen ehemaligen Bahndamm, vor dem ein Hinweisschild auf „Streifende Wölfe“ hinweist. Nach unseren bisherigen Erfahrungen mit Radwegen auf Bahndämmen erwarteten wir hier auch eine einigermaßnen gepflegte Strecke. Aber dieser Weg besteht lediglich aus zwei immer schmaler werdenden Sandspuren durch die Grasoberfläche. Die wunderschöne Baumallee entschädigt uns jedoch, auch wenn wir uns konzentrieren müssen, in der Spur zu bleiben.Unterwegs gibt es einen Informations-Aussichtsturm, von dem man weit in die Flusslandschaft Elbe schauen kann.

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Flaches Land so weit das Auge reicht

So geht es einige Kilometer weit bis nach Preten, wo wir die Storkenkate suchen. Wir finden sie auch nach einem kurzen Abstecher vom Radweg Nr. 10. Die Storkenkate ist ein hübscher, gelber Fachwerkbau mit einem Kräutergarten davor. Im Innern informieren ein paar Tafeln über das Storchenleben und die übrige Vogelwelt der Region.

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Storkenkate in Preetz

Preten gehört nämlich schon zum Biospärenreservat „Niedersächsische Elbtalaue“, das sich von Lauenburg an beiden Seiten der Elbe entlang bis Schnackenburg erstreckt. Jetzt im Herbst können wir aber keine Störche mehr in den Nestern ausmachen.

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Infotafeln in der Storkenkate

Immer noch ohne auf irgendeinen Menschen zu treffen geht es in Richtung Amt Neuhaus weiter. Die eingezeichnete „Binnendüne“ entpuppt sich als von Kiefern und Gräsern bewachsene Ansammlung von flachen Hügeln. Eine freie Sandfläche können wir nicht entdecken.

In Neuhaus radeln wir durch das Zentrum zur Kirche, die leider geschlossen ist. Viel mehr fällt uns hier nicht auf und wir radeln weiter an der Straße entlang über Haar nach Darchau. Vom Deich aus haben wir einen weiten Blick auf die Elbtalaue und die Fähre, die nach Neu Darchau übersetzt. Das Café hier hat an diesem Wochentag geschlossen, aber zur Selbstbedienung Kaffee und kalte Getränke bereitgestellt.

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Darchau

Uns ist das zu wenig, und so machen wir uns auf den Weg an der Elbe entlang nach Konau, einem sehr hübschen Marschhufendorf mit gepflegten Reetdachhäusern.

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Beim Museum über die Zwangsaussiedlungen im Amt Neuhaus machen wir Rast im Café „Gelber Reiter“, das etwas versteckt, aber urgemütlich in dem Innenhof des Gebäudeensembles liegt.

 

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Café Gelber Reiter in Konau

Gut gestärkt radeln wir weiter bis Neu Garge und biegen dort in die Stiepelser Straße ein, die nach Krusendorf führt. Über Teschenbrügge und Groß Timkenberg radeln wir auf einer guten Asphaltstraße und müssen auf dem ganzen Weg nur zwei Autos ausweichen.

Von Besitz geht es dann nach Blücher. Über diesen kleinen Abstecher wollen wir über Hühnerbusch und Kuhlenfeld zu unserem Startplatz zurück. Der Radweg auf den Karten lenkt uns nach Hühnerbusch und von dort in die Tessiner Tannen. Doch dort kommen wir keine 50 Meter mit dem Rad, weil wir in dem losen Sandweg stecken bleiben. Diesen „Rad-Weg“ haben die Kartenplaner wohl lange nicht mehr kontrolliert.

Also zurück nach Blücher, wo ich vor dem Ort einen Landwirtschaftsweg entdeckt hatte, der parallel zum „offiziellen Radweg“ in unsere Richtung führt. Er ist einigermaßen befahrbar.

Nach 55 km kommen wir zu unserem Auto zurück. Da wir größere Teilstrecken gegen den Wind treten mussten, sind wir gut ausgepowered und freuen uns auf die Klimaanlage im Auto, denn der Tag wurde dann doch noch über 30°C warm.