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Ein Teilstück des berühmten Ostseeradweges zwischen Neustadt und Travemünde hatten wir uns zum Sterneradeln für eine 4-Tagestour mit Standort von Sierksdorf aus vorgenommen. Dazu natürlich auch noch zusätzliche Abstecher ins Hinterland. Der Wegbeschreibung von Heike Götz (NDR-Landpartie) folgten wir bei der  Tour rund um den Hemmelsdorfer See. Und die zweite Route führte und über Scharbeutz zum Gr. Pönitzer See nach Norden bis Neustadt.

Als Quartier hatten wir uns den „Seehof“ in Sierksdorf ausgeguckt. Ein historisches Anwesen mitten in einem Privatpark mit uralten Linden, Kastanien und prächtigen Rosen, ein Logenplatz an der Steilküste von Sierksdorf mit sagenhaftem Ausblick auf das Meer, den keine Straße, keine Promenade stört. Eine Traumlage an der Ostseeküste, die ihresgleichen sucht und das in direkter Nachbarschaft der beliebten Seebäder Timmendorf und Scharbeutz, nur eine knappe Autostunde von Hamburg entfernt.

Der „neue“ „Seehof“, früher ein Hotel mit 19 Zimmern und Familiensuiten und einem eigenen Spezialitätenrestaurant, ist inzwischen umgebaut worden zu einem Aparthotel mit 10 neuen Appartments unterschiedlicher Größe für 2-6 Personen und dem Ferienhaus „Lütt Hus“. Das Restaurant wird nicht mehr betrieben, es gibt aber immer noch ein hervorragendes Frühstücksbuffet. Eine neue Sauna ist dazugekommen. Faszinierend der Park mit dem alten Baumbestand und der Panorama-Seefront auf die Neustädter Bucht. Im Park gibt es verschiedene lauschige Ecken mit Liegestühlen, in denen man richtig träumen kann. Eine Treppe führt diekt zum feinen Sandstrand, wo 6 Strandkörbe des Hotels frequentiert werden dürfen.

Das Haupthaus ist für Besucher nicht mehr zugängig. Hier hat sich das inzwischen betagte Senioren-Eheparr Kallmorgen zurückgezogen. Die Appartments sind in einem modernen Landhausstil eingerichtet und in einem eigenen Gebäude untergebracht. Etwas ungewöhnlich ist der Zugang der EG-Wohnungen über die Terrasse, an der die jeweils dahinter wohnenden Gäste direkt vorbei müssen. Dort haben wir auch unsere Fahrräder abgestellt, nachdem die Räder am ersten Morgen aus dem zugewiesenen Schuppen entfernt und ins Freie gestellt worden waren.

Wir hatten es uns ganz leicht vorgestellt, in der näheren Umgebung eine entsprechende Auswahl an Restaurants zu finden, wo wir abends essen gehen könnten – aber (!) Sierksdorf hat in dieser Beziehung nichts aufzuweisen. Die nächste Möglichkeit ergab sich in etwa 2 km Entfernung. Zu Fuß, um nur einfach mal zum Essen zu gehen, dann doch zu weit. Da es ausgesprochen schönes Wetter war, nahmen wir dafür dann nochmals die Räder. Und schon einmal im Sattel spielte es auch keine Rolle, noch einen Kilometer weiter zu fahren und in das uns von der Touristinformation empfohlene Restaurant „Zur Muschel“ zu gehen. Eine wirklich empfehlenswerte Adresse für die gehobene Küche.

 

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Von Hamburg waren wir am Morgen losgefahren und nutzten die Zeit bis wir in unser Appartment konnten, um bei einer ersten Tour den Weg an der Bucht entlang auszukundschaften und den herrlich weiten Blick auf die Ostsee zu genießen. Nachdem es vor unserer Reise tagelang gestürmt hatte, wagten sich jetzt bei abflauenden Winden aus allen anliegenden Häfen die Segelboote wieder aufs Wasser.

An der Neustädter Bucht liegen von Sierksdorf aus die Bäder Haffkrug, Scharbeutz, Timmendorfer Strand und Niendorf, wobei die Ortsgrenzen mehr oder weniger ineinander übergehen und eine endlos lange Strandpromenade bilden. Zwischen Strand und den ersten Häuserreihen fließt der Verkehr. Der vorhandene Platz wurde detailliert gestaltet. Wo es ging hat man neben der Straße getrennt Fußweg und separate Fahrradwege angelegt. Wo der Platz nicht ausreichte, teilen sich Fußgänger und Radfahrer den Weg. Schilder weisen darauf hin, gegenseitig Rücksicht zu nehmen. An manchen Stellen muss man auch absteigen und schieben. Und das funktioniert, auch wenn der Platz manchmal sehr eng ist. Anfang Juni waren die Promenaden doch schon gut bevölkert. Aber wir konnten uns die Situation während der Hauptsaison nicht so richtig vorstellen.

1. Tag – an der Küste entlang

An diesem Starttag radeln wir also den Ostsee-Radweg an der Küste entlang, machten halt im Cafe „Strandvilla“, wo wir den besten Kuchen bekommen, den man sich vorstellen kann. Schlendern durch den Niendorfer Hafen, schauen in die Geschäfte und in die Gemäldegalerie, bewundern das japanische Ensemble aus drei Häusern und dazugehörigen Garten. Es geht gemächlich zu. Die Strecke hier ist flach, kein Wind mehr und trotzdem sind hier so viele E-Bikes unterwegs, wie wir sie bisher an keinem Ort gesehen haben. Und manchmal muss man tatsächlich deshalb aufpassen. Es kann einem schon mal eine über 80jährige auf so einem Gefährt mit über 20 kmh entgegenkommen und nicht immer rechtzeitig die Bremse finden – wie vor uns geschehen.

Zurück im Hotel machen wir es uns noch auf der Terrasse gemütlich und erkunden zu Fuß noch die nähere Umgebung in Richtung Neustadt. Versteckte kleine Wege führen durch die stattlichen Anwesen mit großen Grundstücken und repräsentativen Häusern immer mal wieder auch zum Strand hinab.

Tag 2 – Ostee-Radweg bis nach Travemünde

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Den zweiten Tag radelten wir erneut an der Promenade entlang und hinter Niendorf an der Steilküste hinauf zur Hermannshöhe. Der Weg an der Steilküste ist ziemlich frequentiert von Radlern, aber auch von zahlreichen Fußgängern. Bis zur Hermannshöhe sind es rund 3 km von Niendorf aus, also ein guter Fußmarsch nur. Da der Weg eng ist, macht es das Radfahren dann doch etwas beschwerlich.

Der Ausblick von der Steilküste und der Hermannshöhe aus ist die eigentliche Attraktion, auch wenn sich das Restaurant im Stile einer großen Autobahnraststätte präsentiert und mit dem Beachareal versucht, sich einen maritimen Charakter zu geben. Aber was soll´s, Currywurst und Pommes sind für inzwischen hungrige Spaziergänger und Radfahrer immer noch ein Knüller.

 

Der Weg führt dann noch um die Huk herum und die ersten Häuser von Travemünde sind schnell erreicht. Travemünde ist natürlich eine Attraktion für sich, die große Promenade, der Passathafen mit dem Segelschulschiff und den ein- und auslaufenden Fähren und Frachtern. Da wir Travemünde aus vielen Besuchen kennen, halten wir uns diesmal dort nicht lange auf und radeln zurück.

Tag 3. – Hemmelsdorfer See

 

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Heike Götz, NDR-Landpartie-Moderatorin, hat eine Radrunde um den Hemmelsdorfer See, südlich von Timmendorfer Strand vorgeschlagen. Eine nicht allzu große Tour. Der See hat an seiner Nordostspitze ein kleines Naturschutzgebiet, in das wir auf einem Sandweg einbiegen. Zunächst mussten wir natürlich erst von Sierksdorf nachTimmendorfer Strand radeln und von der Strandallee die B 76 queren. Dann wird es schlagartig ruhig. Und doch ist es nur eine kurze Strecke und wir müssen bei Hemmelsdorf auf den Radweg direkt an der vielbefahrenen Lübecker Straße entlang bis nach Ratekau. Kurz vor der Autobahn-Anschlußstelle können wir nach Offendorf abbiegen. Dort geht es bis zu einer Badestelle an den See heran und am Zaun entlang auf einen Waldweg bis nach Kreuzkamp. Auf der Ostseite des Sees führt der Radweg wiederum an einer Autostraße entlang. Diese ist aber nicht stark frequentiert. Es geht bergauf nach Grammersdorf durch die typische schleswig-holsteinische Landschaft mit Blick auch auf den See.

 

Bei Wilmsdorf radeln wir zum See, wo wir an dem dort idyllisch gelegenen Café-Restaurant „Seepavillon“ Rast machen. Von der Terrasse aus bietet sich der bislang schönste Blick auf den See. Dann geht es an der Straße entlang weiter nach Warnsdorf, wo ein Erdbeerhof zu einer Eventstätte umgebaut wurde und die Familien hier z.B. Trecker fahren können. Nur ein wenig weiter bei Häven zweigt ein Waldweg ab, der in den Vogelpark führt. Hier sind wir wieder in der Natur Pur und kommen zum Aussichtsturm „Hermann-Löns-Blick“ im Naturschutzgebiet Aalbeck-Niederung. Der Blick von diesem Turm aus reicht weit über den ganzen Hemmelsdorfer See. Damit verabschieden wir uns von dieser Tour und radeln am Strand entlang wieder zurück nach Sierksdorf.

 

Tag 4 – Hinterland

 

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Unsere zweite Tour ins Hinterland der Bucht führt uns wieder zunächst nach Süden bis kurz hinter Scharbeutz. Dort geht es steil die Bergstaße hinauf und wir kommen zum Luschendorfer Golfplatz. Die Karte zeigt einen Weg durch das Gelände, aber mitten drin ist er plötzlich abgesperrt und wir müssen zurück.

In Pansdorf schwenken wir nach Norden zum Gr. Pönitzer See ein. Es geht unspektakulär durch die hügelige Landschaft am Taschen(m)see vorbei zum Süseler See und an der 207 entlang nach Neustadt. Neustadt ist uns an diesem Tag zu hektisch und wir radeln zurück, weil wir in Wintershagen noch in ein Hofcafé einkehren wollen. Leider ist es geschlossen. Am berühmten Hansapark vorbei erreichen wir wieder unser Quartier.

Fazit

Wer den Trubel nicht scheut, hat Spaß am gemütlichen Radeln an der Küste und den vielen Einkehrmöglichkeiten. Man kann es im Sommer verbinden mit Baden in der Ostsee und – mit Kindern – Erlebnisurlaub durch einen Besuch im Hansapark. Die Ausflüge ins Hinterland sind nicht unbedingt ein großer Gewinn. Irgendwie fühlt man sich zwischen der vielbefahrenen Bäderstraße und der Autobahn 1 eingeklemmt. Das ungestörte Radeln in weitläufiger Natur kommt nicht auf. Das gute Wetter und die Ostsee-Atmosphäre sind das eigentliche Erlebnis.

Fotos: © Hans-Raimund Kinkel