Warum in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah…“ Nach diesem Motto hatten wir uns für einen 4-tägigen Radurlaub die Holsteinische Schweiz ausgeguckt, die – von Hamburg aus – sprichwörtlich vor unserer Haustüre liegt. Mit dem Auto schon mehrmals durchfahren hatten wir eine grobe Vorstellung, was uns erwartet. Die Details einer Region aber mit dem Fahrrad zu erkunden bringt immer wieder eine ganze Portion Überraschungen. Das Tempo ist langsamer, die Wege sind ganz andere und der Blickwinkel hat eine völlig vielseitigere Perspektive.

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Unseren Ausgangspunkt für dieses 4-tägige Sterneradeln in der Holsteinischen Schweiz wählten wir in Ascheberg, nur rund 5 Kilometer von Plön entfernt im Viersterne-Hotel „Dreiklang“. Es liegt direkt am Plöner See und von unserem Appartement im 4. Stock haben wir einen herrlichen Blick auf den See. Das „Seehotel Dreiklang“ war kurz vor unserem Aufenthalt aus der Gruppe der zertifizierten „Bio-Hotels“ ausgeschieden. Umorientierung und Neupositionierung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich erfolgt. Bis auf kleinere Irritationen im Wesentlichen im Angebot des Restaurants fühlten wir uns dort aber sehr gut aufgehoben. Nach einer für Herbst 2015 vorgesehenen Neugestaltungsphase will sich das Hotel dann als „Wellness- und Familienhotel“ präsentieren. Der jetzt schon angenehm große Wellness-Sektor mit 3 Saunen, großem Schwimmbecken, Massage- und Beauty-Angeboten soll dabei nochmals erweitert werden.

Für unsere Belange als Radfahrer ist Ascheberg ein guter Ausgangspunkt. Der Ort selbst ist unspektakulär. Vermisst haben wir eine Möglichkeit, direkt am Ufer entlang spazieren gehen zu können. Dazu muss man dann erst etwa 2 Kilometer an der vielbefahrenen Bundesstraße 430 entlang bis zum Ascheberger Hof.

 

Erster Tag – Rund um den Plöner See

Mit dem Rad ist diese Entfernung natürlich ein Klacks und wir tauchen dort in die Natur ein. Das Herrenhaus Schloss Ascheberg ist ein repräsentatives Gutshaus, das heute überwiegend als Jugendfreizeit- und Erholungsstätte genutzt wird. Das Gut selbst wird nach wie vor landwirtschaftlich betrieben.

Am Gut Ascheberg vorbei geht es auf einen gut befahrbaren Waldweg nach Dersau und von dort am Nehmtener Forst entlang über Sepel nach Godau. Immer direkt am Wasser entlang hat man an der Badestelle in Godau einen weiten Blick auf den See. Weiter geht es wieder durch den Nehmtener Forst zum Gut Nehmten, eine beeindruckendes Gutsanwesen, allerdings privat und nur von außen zu betrachten. Danach führt der Weg etwas vom See weg in die typisch hügelige typische Holsteinische Schweiz Landschaft. Wir fahren auf kleinen Landstraßen bis Stadtbek, wo der Weg wieder direkt an den See heranführt und bis Bosau auch nahe am Wasser bleibt.

In Bosau machen wir unsere erste Rast, denn hier wollen wir die Dunkersche Kate mit dem Bauerngarten und die St. Petri-Kirche anschauen. In der Kate werden Kunstausstellungen gezeigt. In der Kirche werden Sommerkonzerte veranstaltet. Direkt vom Friedhof an der Kirche blickt man auf den Bischofssee, der durch die vorgelagerte Insel Bischofswarder vom Plöner See abzweigt.


Von Bosau aus geht es wiederum direkt am Wasser entlang nach Norden. Unser Radweg führt uns zwischen Plöner See und Vierer See durch eines der schönsten Abschnitte dieser Radtour. Uns bietet sich ein prächtiger Farbkontrast zwischen den goldgelben Kornfeldern, den sommer-dunkelgrünen Bäumen und dem Blau des Wassers und des Himmels.

Kein Autoverkehr stört unsere geruhsame Tour durch diese herrliche Landschaft. Bei Ruhleben radeln wir wieder in die Zivilisation ein, fahren am Anleger der Seenschifffahrt Fegetasche vorbei Richtung Plön. An dem kleinen Sportbootsanleger macht uns eine Frau auf die dort beginnende Promenade aufmerksam, die wir bis zur Innenstadt entlang radeln können und so dem Autoverkehr ausweichen können.

Wir stellen unsere Räder am Marktplatz in Plön ab und ruhen uns erst etwas aus, bevor wir uns den Ort anschauen wollen. Das Treiben auf dem Marktplatz und der dort beginnenden Einkaufsstraße wirkt ungemein entspannt. Die Leute sind freundlich und genießen offensichtlich diesen schönen Sommertag. Direkt am Marktplatz dominiert die Nikolai-Kirche, die wir uns als erstes ansehen. Von außen eine typische Holsteinische Backsteinkirche mit Spitzturm ist ihr Innenleben ernüchternd kahl und mit – für unseren Geschmack – unpassendem modernen hellblauen Gestühl ausgestattet. Als nächstes lenken wir unsere Schritte Richtung Schloss. Der Weg führt an geputzten Fachwerkbauten vor dem Rathaus vorbei hinauf zum Schlossberg. Das Plöner Schloss ist von weitem der absolute Blickpunkt. Das weiße Gebäude thront über der Stadt.

Aus Wikipedia entnehmen wir: „Das Plöner Schloss in Plön ist eines der größten Schlösser Schleswig-Holsteins und das einzige dort erhaltene in Höhenlage. Die frühere Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Plön wurde im 17. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Krieges errichtet und erlebte eine wechselvolle Geschichte, in der das Schloss unter anderem auch als Kadettenschule und Internat diente.

Zuletzt im Besitz des Landes Schleswig-Holstein, musste das Schloss aufgrund einer vom Land nicht finanzierbaren notwendigen Sanierung verkauft werden. Seit Januar 2002 gehört es der Fielmann Akademie Schloss Plön und dient nach aufwändigem Umbau der Branche der Augenoptik als Ausbildungs- und Qualifizierungsstätte. Nachdem das Schloss durch den Internatsbetrieb viele Jahre nicht öffentlich zugänglich war, öffnete es der neue Besitzer auch wieder in begrenztem Umfang für Besucher.“

Wir genießen den Ausblick vom Schlossberg aus auf den See und gehen weiter auf Erkundungstour durch den Ort. Am Fuße des Schlossbergs entdecken wir das Kulturforum mit Restaurant, nicht weit entfernt davon das Museum und einige sehr niedliche Gässchen. Zwischen der Stadt und der Seepromenade verläuft die Eisenbahnlinie, auf der die Regionalzüge zwischen Kiel und Lübeck verkehren.

 

 

Plön ist völlig eingerahmt von den vielen verschiedenen Seen, was die Verkehrsführung etwas kompliziert macht, aber zum Beispiel durch verschiedene Trennungen von Auto-, Rad- und Fußgängerverkehr gut geregelt ist.

Ziel der heutigen Tour soll die Prinzeninsel sein, eine südwestlich der Stadt in den See hineinreichende Landzunge. Der Weg führt an der Promenade entlang und biegt dann in einen lichten Mischwald ein, wo ein überraschend breiter Weg zur Spitze führt. Dort treffen wir auf eine Badestelle mit Sandstrand. Außerdem in einem historischen niedersächsischen Bauernhaus ein Restaurant und Café mit Cafégarten, wo wir uns mit selbstgebackenem Kuchen verwöhnen lassen und in der Informationsbroschüre über die geschichtlichen Hintergründe dieser Prinzeninsel blättern.

Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Stopp am Kadettenfriedhof und dem Lehrpfad durch den Apfelgarten.

 

Dann sind es noch rund 3 Kilometer zurück an der Bundesstraße entlang zu unserem Hotel in Ascheberg. 42 sehr abwechslungsreiche Kilometer haben wir an diesem ersten Tag absolviert.Den Tag lassen wir ausklingen im Wellnessbereich und danach mit dem im Arrangement gebuchten 4-Gänge-Menue.

 

Zweiter Tag – Städterunde

 

land-reisefuehrer-300Beim Einchecken ins Hotel bekamen wir an der Rezeption eine Rad- und Wanderkarte für die Region ausgehändigt, auf der 6 verschiedene Touren unterschiedlicher Länge eingezeichnet waren. Eine ausgesprochen hilfreiche Orientierung für die Tourenplanung. Dazu empfiehlt sich der kostenlos erhältliche „LAND.Reiseführer“ Holsteinische Schweiz“, um sich detailliert über diese Region zu informieren.

In Verbindung mit dem zu erwartenden Wetterumschwung, nahmen wir uns für den zweiten Tag die mit 52 km angegebene längste dort aufgezeigte Tour, die sogenannte „Städtchen-Tour“ vor. Da wir von Ascheberg aus starten würden, kämen nochmals gut 10 Kilometer dazu für den Hin- und Rückweg nach Plön. Das Hotel bot uns für diesen Tag ein gut bestücktes Lunchpaket an, das wir auch gerne mitnahmen.

Der erste Teil des Weges führte uns von Ascheberg über die Plöner Promenade nach Fegetasche und kurz danach durch ein Villengebiet Richtung Niederkleveez am Behler See und Dieksee entlang. Da der Weg immer direkt am Ufer entlang führte, hatten wir kaum Steigungen und waren zudem geschützt vor dem aufkommenden immer stärker werdenden Wind. Die Tour durch den Wald führte bis auf die Promenade nach Bad Malente-Gremsmühlen. Dann mussten wir ein Stück zurück an der L 56 entlang bis zum Radweg nach Eutin.

In Eutin machten wir an diesem Tag unsere erste Rast am Schloss, das am Großen Eutiner See liegt und im Innenhof ein Café anbietet. Der Blick in den Schlossgarten lohnt sich auf jeden Fall. Eutin ist bekannt für die Eutiner Festspiele und gilt als das „Weimar des Norderns“.

Vom Eutiner Schloss aus ist der Weg nach Fissau und von dort zum Kellersee ungenügend ausgeschildert. Trotz Navi und Karten müssen wir uns durchfragen. Doch am Kellersee treffen wir erneut auf einen wunderschönen Weg direkt am Wasser entlang. Kurz vor Malente wird es etwas abenteuerlich, denn es geht ein kurzes, aber steiles Treppenstück hinauf – wir müssen schieben und teilweise sogar das Rad tragen.

Malente hat am Kellersee eine ganze Reihe von Kuranlagen, den wir von früheren Besuchen kennen und diesmal auslassen. Wir suchen, weil es zunehmend heiß und schwül wird, schnellstmöglich den Weg durch Malente durch zur Strecke am nördlichen Teil des Dieksee entlang nach Timmdorf. Von hier könnten wir abkürzen und zwischen Dieksee und Behler See hindurch wieder zum Weg an der Stadtheide nach Plön. Wir entscheiden uns für die Route über Grebin, einer hübschen, freien Strecke und radeln dann von dort am Schulensee vorbei von Norden her wieder nach Plön.

 

Nach kurzer Rast in Plön am Museum geht es auf die letzten Kilometer nach Ascheberg, wo die letzte Steigung vor dem Ort heute unseren Muskeln nochmals alles abverlangt. Wie kalkuliert haben wir 64 Kilometer auf dem Tacho und sind entsprechend geschafft.

 

 Dritter Tag – Mühlen-Tour

Die Wetteraussichten für den Dritten Tag stehen auf Gewitter ab frühen Nachmittag. Auf dem Regenradar können wir in etwa einschätzen, wann das Gewittertief uns erreichen würde.

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Also geht es gleich nach dem Frühstück auf die Räder und wir starten zur nördlich vorgeschlagenen Mühlentour. Von Ascheberg aus können wir direkt zur empfohlenen Wegstrecke nach Wahlstorf radeln. Von dort geht es zum Lanker See und der ersten Mühle bei Wielen. Die Mühle ist gut in Schuss, allerdings privat und wir finden keinen Zugang dazu. Die Landschaft hier ist typisch Schleswig-Holstein, hügelig und landwirtschaftlich geprägt, wenn wir auch nicht an ganz großen Bauernhöfen vorbeikommen.

In Wielen sehen wir, dass sich am Horizont im Westen tiefschwarze Wolken formieren. Wir entscheiden uns, die Strecke abzukürzen, nicht über Sophienhof und Preetz zur Mühle nach Lehmkulen zu radeln, sondern direkt von Wielen nach Trent. Weitere 5 Kilometer schaffen wir noch bis Theresienhof, bevor sich das Gewitter über uns entlädt. Rechtzeitig hatten wir jedoch einen offenen Carport gefunden, wo wir uns unterstellen konnten.

Nach einer halben Stunde Pause konnten wir über Tramm nach Plön fahren. Dort gerade angekommen, suchten wir einen Unterschlupf am Museum, denn ein gewaltiger Schauer ging los und setzte in kurzer Zeit alles unter Wasser.

Aber auch dieser Schauer ging bald vorbei. Doch der Himmel sagte uns, dass es nicht trocken bleiben würde. So zogen wir unsere Regenkleidung an und machten uns auf den kürzesten Weg von Plön nach Ascheberg an der B 430 entlang. Es wurde zwar nass, aber wir waren ja richtig angezogen.

Diese Tour war mit gut 25 Kilometer natürlich nur ein kurzes Vergnügen und wir waren schon vor Mittag wieder im Hotel.

Den Nachmittag nutzen wir, um mit dem Auto in die Probstei nach Schönberg zu fahren. Wir wollten erkunden, ob sich hier eine weitere Radtour anbieten würde. Je näher wir der Ostsee kamen, desto flacher und langweiliger wurde die Landschaft. Der Weg direkt an der Ostsee entlang versprach aber eine lohnenswerte Tour, die bis Laboe führen sollte. Eventuell eine Möglichkeit für einen späteren Abstecher.

 

 

 Vierter Tag – Alternativen, weil Radpause

 

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In unserem Hotelarrangement war für einen Tag eine Beauty-Massage-Behandlung vorgesehen. Da sich an diesem 4. Tag das Wetter stürmisch und regnerisch zeigte und sich nicht zum Fahrradfahren anbot, nutzten wir diesen Tag am Morgen für eine Bootsfahrt von Fegetasche aus. Die sogenannte 5-Seen-Tour hatte die geeignete Abfahrts- und Ankunftszeit. Diese Bootsfahrten sind eine eigene und nicht jedermanns Sache, da sie häufig von Gruppen frequentiert werden.

Die Hinfahrt über Behler See und Dieksee bis Malente Gremsmühlen war an diesem Tag noch angenehm. Die Ufer vom Wasser aus zu sehen, die wir abgeradelt waren, war interessant durch die veränderte Perspektive. Bei der Rücktour allerdings fiel eine große Reisegruppe ein, die sich fürchterlich laut aufführte, sich für die Tour offensichtlich gar nicht interessierte und die Durchsagen des Kapitäns auch nicht beachtete.

Im Hotel ließen wir uns dann im Wellness-Bereich von der Therapeutin verwöhnen und gingen später noch zu einem längeren Spaziergang auf die Prinzeninsel, da zwar immer noch viel Wind war, aber der Regen nachgelassen hatte.

 

Fazit

Obwohl wir Anfang Juli 2015, also eigentlich in einer Hauptferienzeit in der Schleswig-Holsteinischen Schweiz unterwegs waren, konnten wir weite Strecken auf unseren Touren ungestört und nahezu allein radeln. Etwas belebter wurde es natürlich in den drei Hauptorten, Plön, Eutin und Malente, die jeder für sich einen Ausflug wert sind.

Die Möglichkeiten, etwas ohne Räder zu unternehmen wenn das Wetter mal nicht mitspielt, macht diese Region umso attraktiver. Wer von weiter weg hier anreist hat zudem noch Lübeck und Kiel als zusätzliche Ausflugsmöglichkeiten in erreichbarer Nähe.

Irritiert hat uns, dass die Ausflügler, denen wir unterwegs begegnet sind, gar nicht oder nur unwirsch grüßten. Dagegen stießen wir auf offene, bereitwillige und herzliche Begegnungen bei Bewohnern. Mehrfach hörten wir, wenn wir erwähnten, wie schön es hier sei, die Antwort: „Ja wirklich, ich kann mir gar nicht vorstellen, woanders zu leben!“ Doch ein unschlagbarer Grund, hier auch mal Urlaub zu machen.