titel-start

Rund um die Müritz, eine Variante als „Individuelle Radtour“ mit einem Veranstalter, der für uns die Routenplanung, Hotelbuchung und Gepäcktransport von einer Etappe zur anderen übernimmt, fehlte bisher in unserem Radreisen-System. Nach der „Geführten Radtour“ und den „Selbstorganisierten Radreisen“ sowie dem „Sterneradeln“ hatten wir Anfang Mai 2015 bei dem Radreise-Veranstalter „Die Landpartie“ die Rundtour um die großen Seen im Müritz Nationalpark gebucht. Diese Tour wird als 8- oder 6-tägige Version angeboten. Wir wählten die kürzere Tour – und, weil wir zum Ausgangspunkt Rheinsberg wieder zurückkommen würden, konnten wir unsere eigenen Räder mitnehmen. Die Anreise von Hamburg mit Auto ist in gut 2 Stunden bequem zu schaffen. Die Einstimmung auf die abwechslungsreiche Landschaft bekommt man bereits auf dem letzten Stück der Anfahrt nach Rheinsberg, wenn man in Wittstock von der Autobahn abfährt und der Landesstraße 15 folgt. Vom Reiseveranstalter empfohlen wird die Ausfahrt Neuruppin und über die 122 nach Rheinsberg zu fahren.

Vor der Reise
Wie bei allen unseren Radtouren mit dem eigenen Rad, habe ich mir für mein Iphone die entsprechende ADFC-Karte für das Gebiet installiert. Wie früher schon berichtet, habe ich über ein Akkusystem in der Lampe eine ausreichende Stromversorgung durch den Dynamo mit Anschluss über ein USB-Kabel, so dass wir das Iphone als Navigationsgerät problemlos einsetzen können. Nach der Buchung bei der Landpartie erhielten wir rechtzeitig umfangreiche Unterlagen. Das Kernstück sind das „Landpartie-Radtourenbuch und Karte“ im C4-Format (für die Lenkerhalterung) und ein weiteres detailliertes Handout mit allen nützlichen und notwendigen Angaben z.B. Hotelanfahrt, Sehenswürdigkeiten usw.

Anhand des Radtourenbuches habe ich die Strecken vorher schon auf der Iphone-Karte nachvollzogen und eine identische Wegführung feststellen können. Mit der Landpartie-Karte und Navi sollte also nichts mehr schiefgehen. Diese Reise wird in zwei Kategorien angeboten; „Romantik“ (4 Sterne) und „Komfort“ (3 Sterne). Der „Schwierigkeitsgrad wird mit „leicht“ bis „mittelschwer“ – im hügeligen Gelände – eingestuft, die Wege „asphaltiert“ mit erhöhtem Anteil an Naturwegen.
Wir buchten die Romantik-Version und dazu Halbpension mit jeweils 3-Gänge-Menue am Abend.

Start in Rheinsberg

titel-rheinsberg

Unser Starttag in Rheinsberg am 2. Mai fällt in diesem Jahr auf einen Brücken-Samstag und entsprechend voll ist die Stadt. Unser Hotel liegt nur einen Steinwurf weit entfernt vom Schloss und somit „mittendrin“. Das Hotel selbst hat keine eigenen Parkplätze und so irren wir eine ganze Weile umher, bis wir das Auto abstellen können. Auch für die Fahrräder gibt es keinen eigenen, geschlossenen Abstellplatz, sondern nur einen öffentlichen Stellplatz, der aber direkt vor dem Hotel liegt. Da wir das Auto eine knappe Woche parken müssen, finden wir erst am Abend einen Platz auf der rechten Seite der Schlossstraße, der einzigen Möglichkeit in Hotelnähe überhaupt, das Auto für längere Zeit zu parken. Rheinsberg ist ansonsten eine Kurzzeitparkerzone. Im Hotel werden wir freundlich empfangen und bekommen eine „Suite“ – ein kostenloses Upgrade, weil noch keine Saison ist. Die Suite ist wunderbar, entsprechend groß und zur ruhigen Seite gelegen.

Dann treffen wir uns mit dem Landpartie-Stationsleiter und einer weiteren Landpartie-Reisenden zum Einführungsgespräch. Sie wohnt nicht in unserem Hotel und radelt allein mit einem Landpartie-Leihrad, denn sie ist aus Stuttgart angereist. Sie hatte gehofft, einige Mitreisende mehr auf dieser Tour anzutreffen. Aber wir sind die „Saisonstarter“. Wir gehen mit dem Stationsleiter die Tour durch und er übergibt dann noch das Rad, tauscht Telefonnummern aus, so dass wir uns im Zweifelsfall von unterwegs verständigen können.

Zum Essen werden wir ins 50-Meter entfernte Speise-Lokal gebeten, das zum Hotel gehört, und wählen zwischen Fleisch und Fisch – natürlich – den Wolfsbarsch auf Tomatenrisotto. Vorweg gibt es einen interessanten Salat aus mariniertem Spargel und danach ein leckeres Dessert. Wir brauchen nur das Stichwort „Landpartie“ zu nennen und die Service-Maschine läuft perfekt an.

Da wir durch die kurze Anreise schon mittags in Rheinsberg angekommen sind, schauen wir uns erst einmal den Ort an, der von seinem idyllisch am Grienericksee gelegenen Schloss und dem dazugehörigen Schlosspark dominiert wird.

Das Schloss Rheinsberg war von 1736 bis 1740 die Kronprinzenresidenz des späteren preußischen Königs Friedrich des Großen. Friedrich Wilhelm I. erwarb den Landsitz für seinen ältesten Sohn im Jahr 1734 nach dessen Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erweiterte das Gebäude zu einer Dreiflügelanlage und gestaltete die Innenräume im Stil des frühen Rokoko. Der Kronprinz schuf hier einen Musenhof, an dem er sich fernab von Berlin seinen philosophischen, literarischen und musischen Interessen widmen konnte.
Nach seinem Regierungsantritt schenkte Friedrich das Schloss seinem Bruder Heinrich. Der Prinz, ein Diplomat von europäischem Rang, führte die Tradition des Musenhofes ab 1752 glanzvoll fort. Der Park wurde erweitert und zu einem der frühesten Landschaftsgärten Deutschlands umgestaltet.

Die Umbauten, die Heinrich über ein halbes Jahrhundert hinweg an seiner Residenz vornahm, fanden mit der Einrichtung der Paraderäume und der Sommerwohnung als frühklassizistische Raumkunstwerke einen krönenden Abschluss. Aus der Kronprinzenzeit Friedrichs hat sich unter anderem der prachtvolle Spiegelsaal erhalten.

Nach aufwendigen und umfangreichen Restaurierungen ist das Schloss heute wieder zu besichtigen und beherbergt auch das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum. Im ehemaligen Kavaliershaus ist seit 1991 die Bundes- und Landesmusikakademie untergebracht, die das Schlosstheater betreibt. Seit 1991 findet das internationale Opernfestival Kammeroper Schloss Rheinsberg im Schlosstheater (Kavalierhaus), Schlosshof und Naturtheater (Heckentheater) statt.

Nicht weit entfernt vom Schloss, das sich uns bei prächtigem Wetter auch noch beim Abendspaziergang im goldenen Licht präsentiert, liegt der Anleger für die Seen-Schifffahrt. Diesen Programmpunkt bewahren wir uns für den letzten Tag der Rundreise auf.

Da sich gegen Abend die Stadt langsam geleert hatte, konnten wir unser Auto doch noch in Hotelnähe parken. Die Räder hatten die Nacht am offenen Unterstellplatz ebenfalls gut überstanden.

 

Erster Tour-Tag von Rheinsberg nach Neustrelitz

wesenberg-neustrelitz-titelFür den ersten Tag lag nach der Beschreibung eine Tour von rund 56 Kilometern zu den Havelseen und dem Großen Stechlin über Wesenberg nach Neustrelitz vor uns. Wie bei jeder Tour fiebern wir diesem ersten Abschnitt immer besonders entgegen, denn oft bestimmt dieser erste Eindruck das Gefühl für die gesamte Tour. Der Blick aus dem Fenster zeigt uns einen blauen Himmel, nicht zu warm am Morgen nach dem Frühstück, und nahezu auch kein Wind. Wirklich beste Voraussetzungen für einen schönen Tag. Zunächst das gekennzeichnete Gepäck an der Rezeption des Hotels deponiert, die Satteltaschen und das Lenkerbag mit Kartenhalter eingeklickt, das Navi an die Stromversorgung angeschlossen, die Helme aufgesetzt und los.
Die von der Landpartie ausgearbeitete Strecke führt von Rheinsberg zunächst nach Osten bis Menz. Der Radweg führt mit etwas Abstand an der Autostraße mal rechts, mal links entlang. Gleich nach dem Ortsausgang geht es durch lichten Mischwald auf asphaltiertem Weg und fordert durch seinen hügeligen Verlauf mit teilweise kurzen sehr steilen Stücken, auch mal kräftig bei kleinem Gang in die Pedale zu treten.

Die Strecke ist gut beschrieben und mit dem Radtourenbuch der Landpartie auch problemlos zu finden. Zudem – darauf hatte uns der Stationsmitarbeiter beim Einführungsgespräch schon hingewiesen – waren an den markanten Stellen eigene gelb bzw. grüne Landpartie-Pfeile angebracht. Sehr hilfreich!

Am Ortsausgang trafen wir kurz unsere Mitreisende. Da wir aber ein anderes Tempo fuhren, hatten wir sie bald aus den Augen verloren.

Der Landpartie-Mitarbeiter hatte uns ebenfalls schon darauf hingewiesen, dass man trotz der vielen Seen, an denen man vorbeikommt, in diesem ersten Abschnitt nicht immer freien Blick auf das Wasser hat. Dass wir überhaupt von der Strecke aus hin und wieder Wasser durchblitzen sahen, lag an der frühen Jahreszeit und der dadurch noch lichten Belaubung der Bäume.

Es ging also gefühlt mehr durch eine teil bewaldete, teils frei Landschaft mit ersten Rapsfeldern. Bei Neuglobsow machen wir kurz einen Abstecher zum Ufer des Stechlinsee und radeln dann weiter über Großmenow nach Strasen, wo  wir mitten im Seengebiet an dem Fahrrad-Rastplatz halt machen. Die Hälfte der heutigen Strecke war damit auch bereits geschafft.

Nach Strasen werden wir auf einen Waldweg gelenkt, der direkt am Buch- und Trünnsee entlang nach Neu Canow führt. Dort überqueren wir die Autostraße und wollen durch den Ort der Beschreibung nach ebenfalls durch ein Waldstück nach Seewalde. Diesen Weg finden wir nicht richtig und stehen etwas ratlos an einer Abzweigung, bis wir von einem Passanten informiert werden, dass dieser Weg nicht mehr befahrbar sei. Zu gefährlich, weil Wurzeln, umgestürzte Bäume und andere Unebenheiten in dem Steilstück zu See hinab ein Passieren unmöglich machen würden.  Wir sollten zurück zur Straße fahren, dort nach links und etwa nach 300 Metern wieder links abbiegen. Das klappt dann auch. Auch in allen anderen „offiziellen“ Karten war diese neue Wegführung noch nicht korrigiert.
Die nächste Station war dann Wesenberg, wo wir an diesem späten Sonntagmorgen noch in einer Bäckerei leckeren Kuchen bekommen, der nach Gewicht berechnet wird. Der Ort ist sonst ziemlich ausgestorben. Wir schauen kurz zur Burgruine, nicht so spektakulär, und nehmen Kurs an drei großen Seen entlang nach Neustrelitz.

Hier weicht die Streckenführung der Landpartie vom „offiziellen“ Seen-Radweg ab – eine gute Entscheidung.

Das letzte Stück bis Neustrelitz fahren wir am Zierker See entlang und erreichen die Stadt am Schlossgarten und Hafen.

Durch die kleinen Umwege haben wir bis dahin insgesamt dann etwas über 60 km auf dem Tacho und sind auch etwas „geschafft“ durch die vielen – wenn auch kleinen – Steigungen.

 

Neustrelitz

neustrelitz-tiel

Bis wir in unser Hotel können, haben wir noch etwas Zeit und wir steigen am Zierker See von den Rädern und machen es uns am Ufer in der Sonne bequem. Neustrelitz strahlt eine sonntägliche Ruhe aus. Auch auf dem See ist kaum noch Aktivität zu beobachten. Wir studieren den Stadtplan und legen grob fest, was wir uns später noch ansehen wollen. Doch zunächst radeln wir an unserem Hotel vorbei zum Bahnhof. Die Reisebeschreibung der Landpartie gibt für den nächsten Tag die Möglichkeit an, die vorgesehene Strecke von Neustrelitz bis Kratzeburg im Müritz-Nationalpark um 16 km zu verkürzen. Da wir mit den Rädern noch nie Bahn gefahren sind und später lieber mehr Zeit im Nationalpark selbst haben möchten, loten wir die Abfahrtszeiten und das Procedere aus. Es scheint problemlos zu sein.

Dann ist es Zeit, unser Hotel anzusteuern. Es liegt an der Tiergartenstraße, einer der großen Achsen der Stadt, wo es zwischen den vielen alten, verlassenen und nicht renovierten Gebäuden als Farbtupfer hervorsticht. Die Zimmer des Schlossgarten-Hotels liegen alle nach hinten raus, so dass man vom Verkehr nichts mitbekommt. Das Hotel hat einen leicht englischen Touch mit einer heimeligen Atmosphäre, unser Zimmer ist zwar etwas klein, aber frisch renoviert und (!) – unser Gepäck ist ebenfalls bereits eingetroffen.

Wir machen uns frisch und starten dann zu unserem Rundgang durch die Stadt. Zunächst geht es zum Schlosspark, wo die Schlosskirche als markantestes Gebäude hervorsticht. Unterwegs kommen wir am Erinnerungsort der ehemaligen Stasi-Haftanstalt vorbei. Die Schlosskirche ist jedoch keine „Kirche“ mehr, sondern inzwischen eine Galerie für Plastiken und Skulpturen. Das Innere der Kirche mutet uns erschreckend profan und lieblos an, auch wenn die ausgestellten Kunstgegenstände von namhaften Bildhauern sind.

Dann schlendern wir zum Schlosspark. Ein Schloss gibt es dort auch nicht mehr, aber die Anlage der ehemaligen Residenz der mecklenburgischen Herzöge ist erhalten sowie die Orangerie. Danach spazieren wir zum Markt, ein großzügiger Platz mit einem Brunnenensemble in der Mitte, am Rande die Stadtkirche (leider eingerüstet) und das Rathaus. Wir machen es uns auf einer Bank bequem, bleiben aber nur kurz, denn die Neustrelitzer Jugend umrundet mit  Motorbikes und frisierten Golfs den Platz und verursachen ein Höllenlärm. Auf dem Weg zurück zum Hotel entdecken wir den „Fürstenhof“, die „Speisewirtschaft“, in der wir zum Abendessen angemeldet sind. Wir bummeln noch durch die Einkaufsstraße, die Strelitzer Straße, überraschend lang und mit abwechslungsreichen Geschäften.

Unsere Reservierung im 500 Meter von unserem Hotel entfernten Gasthof ist erneut ein voller Erfolg, ein appetitliches Arrangement aus einem Süppchen, Zander und Nachspeise.

 

Zweiter Tourtag – Neustrelitz-Waren

mueritz-nationalpark-2-titel

Nach einem guten Frühstück in dem anheimelnden Ambiente checken wir aus und radeln zum Bahnhof. Abfahrt jede Stunde von Gleis 3. Der Aufzug ist defekt, deshalb müssen wir die Räder die steile Treppe zum Bahnsteig hochhieven. Dort treffen wir auch unsere Mitreisende wieder, die uns von ihrer Irrfahrt am Tag zuvor an der gesperrten Strecke erzählt, die neue Abzweigung nicht gefunden hatte und deshalb gut 10 Kilometer mehr abstrampeln musste. Sie fährt deshalb heute mit dem Zug gleich durch bis Waren.

Wir steigen nach nur rund 10 Minuten Fahrt mit der Bahn im Radabteil in Kratzeburg aus und nehmen Kurs auf den Nationalpark Müritz, in den kurz nach dem Ortsende eine gut asphaltierte Straße führt. Ein toller Fahrradtag bei weiterhin schönem Wetter durch diesen lichten Wald mit dem hellen Grün dieser Jahreszeit. Es ist eine unbeschwerte und leichte Tour. Über Granzin, am Pagelsee vorbei geht es nach Boek, wo wir direkt auf die Müritz stoßen, an der entlang es ein gutes Stück auf dem Weg nach Schwarzenhof geht. Das Gutshaus Boek mit Nationalpark-Informationsstelle macht einen heruntergekommenen Eindruck. Wir schenken uns den Besuch.

Der Weg weiter führt 50 bis 100 Meter vom Wasser entfernt am See vorbei, bietet aber einige Abstecher mit Aussichtshäuschen. Der Weg ab dem Specker Horst führt auf einem Damm entlang eines Wassergrabens, der die Binnenmüritz entwässert. Rechts und links sind Moore und Sumpfflächen. Mitten auf dem Damm sind Aussichtstürme errichtet, von denen man auf die Binnenmüritz blicken kann.

Von Schwarzenhof geht es auf einem parallel zur Straße verlaufenden Waldweg nach Federow zu der Fischadlerbeobachtungsstation. Wir machen dort natürlich auch halt und können zwei der mächtigen Greifvögel weit oben am Himmel ihre Kreise ziehen sehen.

Dann geht es nochmals durch ein Stück Nationalpark bis zum Feisnecksee, wo wir den Park verlassen, und von dort wiederum an der Straße entlang nach Waren radeln. Je näher wir Waren kommen, desto belebter wird die Strecke.

Durch die Streckenverkürzung mit der Bahnfahrt und der überraschend leichten Tour sind wir schon zur Mittagszeit in Waren und gönnen uns am Hafen ein leichtes Mittagessen, beobachten das bunte und quirlige Treiben rund um die Anleger der Schifffahrtslinien.

 

 

Waren

waren-14-titel

Waren ist ein Heilbad und liegt zentral im Land Mecklenburg-Vorpommern am Ufer des größten Binnensees Deutschlands, der Müritz, die auch als „Kleines Meer“ bezeichnet wird. Die 117 qkm Wasserfläche und die rund herum liegenden weiteren 1000 Seen sind durch die Eiszeit vor 15 000 Jahren entstanden. Aus 1.550 Metern wird in Waren ein 63 °C warmes Heilwasser gewonnen, das therapeutisch im Kurzentrum und angeschlossenen Hotels eingesetzt wird.

Waren hat eine ganze Menge zu bieten und ist wohl einer der Orte, die es nach der Wende schnell geschafft haben, sich der neuen Zeit anzupassen. Hier sieht man keine verfallenen Häuser wie in vielen anderen Städten. Wir schlendern durch die moderne Einkaufsstraße zum Neuen Markt mit dem Neuen Rathaus, dem Fachwerkhaus „Löwenapotheke“ und der St. Marienkirche. Im Zug der Aktion „Offene Kirche“ sprechen wir über den Gegensatz von Evangelischer Kirche und der Namensgebung „Marienkirche“ mit der Betreuerin, die eine interessante Begründung liefert. Die Kirche sei ja vor der Reformation gebaut worden. Einen Anlass, den Namen zu ändern habe es aber nicht gegeben, auch wenn die Evangelische Kirche die ausgeprägte Marienverehrung nicht praktiziert.

Die St. Georgenkirche liegt am Alten Markt, wo vor dem Alten Rathaus die Stelen des Künstlers Voigtländer mit Szenen aus der Stadtgeschichte platziert sind. In der ehemaligen Feuerwache residiert heute das Tortenhaus.

Einen ausgiebigen Besuch wert ist das Mürizeum, das moderne NaturErlebnisZentrum mit Ausstellungen, Großaquarien, einem Garten mit See und Naturhistorischen Landessammlungen. Der architektonisch ungewöhnliche schwarze Klotz ist von außen eher abweisend.

Direkt am Alten Markt liegt auch unser Hotel „Kleines Meer“, im Vorfeld hochgelobt werden wir enttäuscht. Das Zimmer im ersten Stock ist klein und liegt zum Alten Markt hin. Der Seifenspender in der Dusche ist leer, ein Haken an der Türe ist halb abgerissen, es gibt keinen Sichtschutz am Fenster außer den Nachtvorhängen. Der Fernseher ist kaputt und auf dem zugewiesenen Einstellplatz für die Fahrräder stehen 3 Wäscherollis. Das Abendessen ist im Hauptgang ein geschmackloser „Wels“ mit ebenfalls undefinierbarer Sauce, die eine Senfsauce sein sollte. Die Creme brulee ist eiskalt.

Der Alte Markt ist mit Kopfsteinpflaster versehen und die Autos lärmen beim vorbeifahren im Sekundentakt bis spät in die Nacht und ab morgens 6 Uhr. An Schlaf kaum zu denken. Entsprechend gerädert gehen wir zum Frühstück, auch hier mäßig begeisternd mit drögen Aufbackbrötchen. Und dann ist für diesen Tag auch noch Regen angesagt.

 

Dritter Tourtag – Waren- Ludorf

roebel-2-titel

Die Regenausrüstung in Vorhalte machen wir uns auf den Weg an der Müritz entlang in Richtung Süden. Wir radeln direkt am Ufer, aber auch durch kleine Waldstücke.

Kurz vor Klink fängt es dann an zu schauern. Klink hat ein schönes Schloss und umfangreiche Kurmitteleinrichtungen sowie einen Fähranleger. Über Sietow Dorf und Gotthun und durch Marienfelde durch erreichen wir schnell Röbel. An der Promenade vorbei geht es in den Ort. Wir machen kurz Halt an der Kirche, die wunderschön restauriert ist und einen Blick über die Bucht bietet.

Dann wird der Himmel richtig schwarz und die Wettervorhersage warnt vor starken Gewittern. Den vorgeschlagenen 9 Kilometer langen Weg am Ufer entlang über Gneve vor dem Naturschutzgebiet Große Schwerin mit Steinhorn nach Ludorf, lassen wir „links“ liegen und radeln auf direktem Weg mit dem heraufziehenden Gewitter im Nacken zum Gutshaus Ludorf, unserem nächsten Quartier.

Dort werden wir – trotz der frühen Stunde – äußerst herzlich empfangen, in die Gaststube gebeten und mit einer kostenfreien Erfrischung versorgt. Wir gönnen uns noch Kaffee und einen leckeren Möhrenkuchen mit einer Kugel Vanilleeis, als es auch schon zu regnen beginnt.

 

 

 

Gutshaus Ludorf

ludorf-18-front-titel

Überraschend verziehen sich die ersten Regenwolken wieder und die Sonne kommt nochmals zum Vorschein. Da unser Gepäck noch nicht angekommen ist, wollen wir auch noch nicht einchecken, folgen deshalb dem Vorschlag, uns das Gutshaus und die Umgebung in aller Ruhe anzuschauen. Ludorf ist ein kleines Dorf mit nur rund 400 Einwohnern und liegt östlich der Stadt Röbel am südwestlichen Ufer des Sees. Zunächst spazieren wir vom Gutshaus in Richtung der Kirche mit dem achteckigen Grundriss, eine seltene architektonische Besonderheit. Der aufgesetzte Schieferkirchturm wirkt allerdings sehr befremdlich. Unweit davon liegt das Museum. Führungen gibt es durch das Gutshaus-Ensemble und Museum durch den Gutsherrn persönlich, der auch über die 1000j-ährige Geschichte Mecklenburgs erzählt.

Das Gutshaus-Ludorf selbst gehört zu den Romantik-Hotels, die hohe Kriterien an die Mitgliedschaft anlegen. Vorweg: Ludorf erfüllt sie mit Sicherheit alle mit Bravour, eingeschlossen die frische, regionale Küche von Küchenchef Thomas Köpke im Restaurant „Morizaner“, die wir am Abend mit einem marinierten Spargelsalat beginnend über den Müritzbarsch (alternativ Wachtelbrüstchen) und Rhabarber-Sorbet genießen können.

Das Gutshaus zählt zu den bedeutendsten Bauten der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist in seinem äußeren Erscheinungsbild fast unverändert geblieben – ein Backsteinbau mit historischen Interieur und in Mecklenburg einmaligen Deckengemälden. Die 22 Zimmer sind dem ursprünglichen Charakter angepasst. Wir logieren in der zweiten Etage in einem Zimmer, in dem die schweren Deckenbalken gut sichtbar die Atmosphäre bestimmen. Es gibt viele gemütliche Ecken, aber auch hochherrschaftliche Räume im Haus. Ein großer Sauna- und Wellness-Bereich im Keller rundet das Angebot ab.

Bezeichnend für die Grundeinstellung der Gutsfamilie: Fernseher gibt es nur auf Anforderung im Zimmer. Jedoch war die W-LAN-Verbindung automatisch bei unserem Smartphone eingeloggt. Das wichtigste Kriterium für unser Wohlbefinden in Ludorf waren die freundlichen, serviceorientierten Mitarbeiter.

Durch den Schlosspark an einem Reitplatz vorbei spazieren wir zum Badeplatz an den See. Neben der Allee blühen tausende Löwenzahn-Blumen auf der Wiese, dahinter gelbe Rapsfelder. Am Ufer gibt es einen Wasserwander-Rastplatz und einen Campingplatz.

Am Abend kommt dann doch noch das große, heftige Gewitter, das in der Nähe von Ludorf aber keine Schäden verursacht.

 

Vierte Tour – von Ludorf nach Rheinsberg

mirow-schloss-5-titel

Nach einem Super-Frühstück von einem mit durchwegs frischen, appetitlich angerichteten Produkten vom Buffet, starten wir – etwas schweren Herzens – bei wiederum sehr schönem Wetter zu unserer letzten Etappe dieser Müritz-Tour. Bis Vipperow geht es an der Müritz entlang. Dort queren wir die Kleine Müritz und biegen auf einen mehrere Kilometer langen geraden, separaten Radweg über Lärz nach Mirow ein. Dort machen wir Rast auf der Schloss-Halbinsel und bewundern die Aussicht auf den See von der „Liebesinsel“ aus, die durch eine schmiedeeiserne Brücke erreicht wird. Die Schlosskirche beeindruckt durch ihr hohes Kirchenschiff. Unser Besuch wird untermalt vom Gekrächze unzähliger Raben in den Bäumen.

Der Landpartie-Wegführung folgend geht es über Peetsch, Diemitz und Luhme durch dieses weitere Seengebiet nach Zechliner Hütte und von dort an der Straße entlang von Norden her wieder nach Rheinsberg, vorbei am Hafendorf, einer künstlichen Ferienanlage, und dem großen Kurmittelareal.

Der Blick in die Lobby unseres Schlosshotels zeigt uns, dass das Gepäck bereits wieder eingetroffen ist. Rheinsberg ist jetzt unter der Woche und in der Vorsaison fast menschenleer. Wir bekommen auch diesmal die gleiche Suite, die wir bei der Ankunft hatten, machen uns frisch und starten zu unserem letzten Programmpunkt dieser Reise: zu der 2,5-stündigen Dampferfahrt über den Grienericksee in den Rheinsberger See. Von dort durch den Schlaborn-Kanal zum Schlabornsee nach Zechliner Hütte. Durch ein Nadelöhr in den Jagowkanal und Tietzowsee in den Prebelowsee.

Auch die letzte Reservierung im zum Schlosshotel gehörenden Restaurant macht uns Freude: Zander.  Wer sich nun wundert, dass unser Speisenplan jeweils „Fisch“ als Hauptgericht erwähnt – es gab als Alternative jeden Tag auch ein Fleischgericht. Wir sind keine Fleischesser und hätten uns durchaus auch mal ein vegetarisches Gericht gewünscht.

Die Sonne geht beim Verlassen des Lokals in einem weichen gelben Abendlicht langsam dem Horizont entgegen. Wir spazieren nochmals am Ufer entlang zum Schloss, das nun in diesem goldenen Licht erstrahlt.

 

Fazit

Eine sehr gut organisierte und von der Streckenführung her auch abwechslungsreiche Radtour durch die Mecklenburgischen Seen, die uns gefallen hat. Die 8-tägige Version schließt noch den Kölpinsee und den Plauer See mit ein.