Der Elbe-Lübeck-Kanal von Lauenburg nach Lübeck ist ein rund 60 Kilometer langes Teilstück der Alten Salzstraße, die in Lüneburg beginnt, und für uns immer wieder Ziel für entspannte Tagestouren. Wir haben uns schon verschiedene Teilstrecken vorgenommen: Lauenburg bis Dalldorf, von Dalldorf nach Güster, von Güster nach Mölln und von dort auf der Ostseite zurück. (Bericht hier!).

An diesem sonnigen Mittwoch Ende August wollen wir als weiteres Teilstück von Mölln nach Krummesse am Kanal entlang (ca. 23 km) radeln und zurück über die Dörfer auf der Westseite.
Von Hamburg Bergedorf kommend fahren wir mit dem Auto über Wentorf auf der B 207 nach Schwarzenbek und gemütlich einfach weiter bis nach Alt Mölln. Für die 58 Kilometer brauchen wir eine knappe Stunde. In Alt Mölln biegen wir auf die Bundesstraße ab und nach 200 Metern links in den Weg „Zu den Ziegelwiesen“. Dieser schlängelt sich einen guten Kilometer weit bis wir direkt unter der B 207 am Ziegelsee unser Auto abstellen und den kurzen Abhang hinunter zum Radweg kommen.

2016-08-31 14.08.33

Der Ziegelsee bei Alt Mölln

Ab hier beginnt sofort die absolute Entspannung. Der Sandweg ist fest und lässt sich gut befahren, auch wenn wir etwas mehr Kraft aufwenden müssen, als auf einem asphaltierten Weg. In Richtung Norden haben wir heute auch noch den Wind im Rücken, so dass wir flott vorankommen.

Die erste Strecke des Kanals verläuft  in weiten Bögen am hohen, bewaldeten Ufer auf der Ostseite entlang, was uns fast den Eindruck vermittelt, wir radelten durch ein Tal. Ein etwas ungewohnter Anblick gegenüber den bisherigen Teilstrecken, wo man überwiegend eine weite, unverstellte Sicht hat.

2016-08-31 10.16.50

Fast wie in einem Tal durch die hohen Bäume am Kanalrand

Das ändert sich bei Lankau, wo wir an der Donnerschleuse beobachten, wie eine Reihe Sportboote in die Schleusenkammer einfahren. Auf dem Kanal ist es heute ruhig, kein einziger Lastkahn ist unterwegs, und da die Ferien vorbei sind auch keine Ruderer mehr auf dem Wasser.
Wir genießen es, den Weg kilometerweit für uns allein  zu haben, von ein paar Hundebesitzern abgesehen, die vorbildlich ihre gehorsamen Hunde auffordern, uns ungestört an ihnen vorbeiradeln zu lassen.

2016-08-31 10.16.55

Auf weiten Strecken allein unterwegs

Die nächste Schleuse ist bei Behlendorf. Den Abstecher zum Behlendorfer See schenken wir uns heute und radeln an Berkenthin vorbei bis Krummesse durch.

Von dort geht es auf der Niedernstraße ein kurzes Stück durch das Dorf und dann biegen wir links in den Rondeshagener Weg ab. Hier geht es erstmal einige hundert Meter bergauf und der bisher nicht gespürte südliche Wind bläst uns entgegen. Diese Strecke führt in kurzem Abstand vom Kanal über Rondeshagen zurück nach Berkenthin.

2016-08-31 10.50.29

Vereinzelt ein paar Sportboote unterwegs -wie hier bei Berkenthin

Ursprünglich wollten wir von hier über die Dörfer Göldenitz, Kühsen, Nusse und Poggensee zurück nach Alt Mölln, entscheiden uns dann während unserer Kaffeepause in Berkenthin dafür, von dort wieder am Kanal entlang zurückzuradeln. Weder die Steigungen, noch der Gegenwind beeinflussten uns, sondern der ständige Autoverkehr, mit dem wir unsere Strecke hätten teilen müssen. Dazu hatten wir an diesem herrlichen Tag einfach keine Lust.

2016-08-31 12.15.41

Über den Kirchenstegel zur Maria-Magdalenen-Kirche

Auf dem Weg zurück kommen wir an einem Brückensteg vorbei, der zur  Maria-Magdalenen-Kirche zu Berkenthin über den Kanal führt und beschließen, uns diese näher anzuschauen. Nicht alle Kirchen, die wir auf unseren Touren ansteuern, sind geöffnet. Diese Ev.-Luth. Kirche ist geöffnet und uns bietet sich ein prunkvoller Kirchenraum, der in starkem Kontrast zum eher schlichten Backsteinbau steht. Die Kirche ist um 1250 in der Übergangszeit von der Romantik zur Gotik entstanden. Vor allem die üppigen Wandmalereien springen einem ins Auge. Der Barockaltar stammt aus dem Jahre 1686.

2016-08-31 12.19.14

Üppige Wandmalerei im Kircheninnern

Die Kirche hatte ein besondere Bedeutung für die Stecknitzfahrer, die den Salztransport von Lüneburg nach Lübeck und weiter in den Ostseeraum machten. Hier verlief nämlich früher der Stecknitzkanal. Und in den Kirchen auf dieser Route hatten die Stecknitzfahrer ihre Kirchenstühle und besondere Begräbnisplätze.

Der Blick vom Kirchenhügel zum Kanal lässt unsere Augen gerne verweilen.

2016-08-31 12.24.29

Blick vom Kirchenhügel auf den Kanal

Wie wir früher schon festgestellt haben, ist der Eindruck einer Strecke auf gleichem Weg zurück völlig anders, so dass wir es nicht bereuen, nicht über die Dörfer geradelt zu sein. Da wir nun etwas früher als gedacht an unserem Ausgangspunkt zurück sind, beschließen wir spontan noch einmal rund 6 Kilometer Richtung Süden zu radeln bis zur Eisenbahnbrücke vor Grambeck und dann nochmals mit dem Wind im Rücken zurück.

Besonders schön an diesem Teilstück sind einige Anwesen direkt am Ziegelsee, die in diesem spätsommerlichen Licht eine tolle Ausstrahlung haben.

Ziegelsee-anwesen

Stimmungsvolles Anwesen am Ziegelsee

Insgesamt sind dann gut 50 Kilometer zusammengekommen, wir laden unsere Räder wieder auf und starten zurück nach Bergedorf. (Fotos: © Hans-Raimund Kinkel)