Still ruht der See, so still und andächtig, dass selbst die Enten ihr Schnattern eingestellt haben. Makellos spiegeln sich der langsam verblauende abendliche Himmel, die scharfkantige Silhouette des Waldes am Ufer und die eher weichen Formen der umliegenden Berge auf der Wasseroberfläche. In der Ferne leuchtet eine einsame Straßenlaterne, während die Sonne längst hinter dem Horizont verschwunden ist. Am Ufer steht eine Reihe von Amateurfotografen mit Stativen und Kameras im Anschlag. Geduldig harren sie einem nächtlichen Schauspiel entgegen, dessen Erscheinen ebenso ungewiss ist wie dessen möglicher Verlauf.

Lappland, Äkäslompolo, See, Ufer, Bäume, Farben, Spiegelung, Wald, Schilf, Dunst © Udo Haafke

Der Äkäslompolojärvi gut 200 Kilometer nördlich des Polarkreises gehört zu den beliebtesten Spots in der Region, wenn es um das Fotografieren von Nordlichtern, der Aurora Borealis, geht. „Revontulit heißt das Nordlicht auf Finnisch,“ erklärt Laura Hokajärvi vom regionalen Fremdenverkehrsbüro, die wegen der einsetzenden Kälte schon ihr bewährtes Winteroutfit trägt.„Früher konnten sich die Menschen das himmlische Phänomen der Aurora Borealis nicht erklären. Man dachte ein riesiger grüner Fuchs würde schwanzwedelnd entlang des Firmaments laufen und dort seine grünlichen Spuren hinterlassen, die wie mächtige Vorhänge in der Luft wabern.“

Lappland, Äkäslompolo, See, Ufer, Nacht, Nordlicht, Sterne © Udo Haafke

Wie allseits erhofft und sehnlichst erwartet, reißt die lockere Wolkendecke bald gänzlich auf und gibt den Blick frei auf ein eindrucksvolles Sternenzelt. Zaghaft zeigen sich erste Streifen am Firmament, die urplötzlich an Geschwindigkeit, Ausdehnung und Lichtintensität zunehmen, aber auch ebenso schnell wieder verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen. Das Klicken der Fotoapparate durchbricht die Ruhe. Voller Ehrfurcht starrt so mancher in die Höhe und vergisst dabei fast den eigentlichen Grund seiner Anwesenheit. Leider trübt jedoch allmählich aufsteigender Dunst über dem Wasser der Fotografen und Beobachter Freude, die sich aber fest vornehmen die nächste geeignete Gelegenheit zur Wiederholung zu nutzen und wieder auf die Fuchspirsch zu gehen.

Lappland, Ylläs, Kellokas, Kesänkijärvi, Kellastopuli, Berg, Boden, Bäume, Heidelbeeren, Blätter, Detail © Udo Haafke

Mitte September treibt es jedoch nicht nur der Himmel ausgesprochen bunt, sondern auch die Wälder legen für knapp 20 Tage ihr farbenprächtigstes Kleid an. Mit den ersten, vagen Nachtfrösten beginnt die Zeit des Ruska, der finnischen Variante des Indian Summer, der über ein eindrucksvolles Farbspektrum zwischen Gelb und Rot verfügt. Zwischen Fichten, Kiefern und Birken wirkt der weiche, von Moosen und niederen Pflanzen bedeckte Waldboden wie ein üppig gedeckter Tisch. Unmengen von wilden Blaubeeren, Preiselbeeren und unterschiedlichsten Pilzen warten darauf, gepflückt oder gesammelt zu werden.

Beim Spaziergang durch den südlichen Teil des Ylläs-Pallastunturi-Nationalpark erläutert der Naturführer Ilkka Mäki das Konzept des größten Naturschutzgebietes des Landes: „Bis auf die wenigen, angelegten Wanderpfade und einige Hütten als möglichem Unterschlupf nehmen wir keinerlei Eingriffe in die Natur vor. Alles bleibt wie es ist und wird sich, wie in einem Urwald, selbst überlassen.“ So gehören abgestorbene, mystisch verdrehte Baumskelette ganz selbstverständlich zum optischen Erscheinungsbild des Forstes wie über und über mit Flechten besetzte Nadelbäume. Glasklare Bäche plätschern munter rauschend zu Tal. „Das Wasser kann man problemlos trinken. Es ist allerdings eiskalt.“

Lappland, Ylläs, Kellokas, Kesänkijärvi, Kellastopuli, Berg, Boden, Geröll, Farben, Blätter © Udo Haafke

Weiter bergan werden die Bäume seltener, ihre Form teilweise noch skurriler, noch eigentümlicher. Schließlich dominieren nur noch die niederen Büsche der Beeren, die jetzt neben beachtlichen Geröllfeldern liegen. Auf den grauen Steinen haben hellgrüne Flechten ihr zuhause gefunden. „Sie sind ein Indikator für hohe Luftreinheit. Es ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass wir hier die sauberste Luft Europas besitzen.“ Nicht minder spannend aber ist die Tatsache, dass just diese Felder aus grauem Gestein seit der letzten Eiszeit hier so gut wie unverändert liegen.
Ein rustikales Mittagsmahl bereitet Ilkka seiner Gruppe auf dem Rückweg in einem hölzernen Lappenzelt, ganz so, wie es die Finnen traditionell auf ihren Wanderausflügen pflegen. Das Wasser für den Kaffee kommt aus dem Bach und erreicht im pechschwarzen Kessel auf dem offenen Feuer in der Mitte der Hütte schnell seinen Siedepunkt. Zum mitgebrachten Brot grillt sich jeder eine Wurst über der Glut. „Aber Ihr müsst aufpassen: sie schmeckt nur noch nach Röstaroma, wenn sie zu nah an die Flammen kommt.“

Lappland, Muonio, Muonionjoki, Fluss, Nacht, Wald, Nordlicht, Sterne, Himmel, Hütte, Licht © Udo Haafke

Wegen ihres hohen Salzgehaltes sind Würste die typische erste Wahl nach einem ausgiebigen Saunagang, denn sie werden nach altem Brauch im finnischen Dampfbad geräuchert. Allerdings nur in der Rauchsauna, die über eine Feuerstelle ohne Kamin verfügt und über gut acht Stunden vor dem ersten Bad langsam aufgeheizt wird. Die heiße Luft verbleibt dabei im Raum und umgibt die Saunagänger mit einem sehr intensiven, aber höchst angenehmen Wärmeerlebnis, das den ganzen Körper wohlig durchdringt. Zur Abkühlung hilft im Anschluss der Sprung ins nur knapp 12 Grad warme Wasser des nahen Sees. Das Gefühl danach ist schlicht einzigartig. Wasser oder – in Maßen – Bier gleichen anschließend die beim starken Schwitzen verlorene Flüssigkeit wieder aus.

Lappland, Muonio, Muonionjoki, Fluss, Rafting, Wildwasser, Ufer, Boot, Leute © Udo Haafke

Eine recht schweißtreibende Angelegenheit stellt indes ebenfalls eine Rafting-Tour auf dem Muonionjoki an der finnisch-schwedischen Grenze dar. Der Einstieg aufs Wasser erfolgt am Flussufer beim Harriniva Hotel begleitet vom Bellen der gut 420 Hunde der nahen Husky-Farm, die im Winter alle auf Trekking-Touren mit Schlitten unterwegs sind. Zunächst erklärt Jouni Pietikäinen, gestandener Finne mit Schnauzbart, was beim Rudern und Paddeln auf unbändigen Gewässern zu beachten ist.

Er erweist sich bei der wilden schaukeligen Fahrt durch die Stromschnellen als ausgesprochenes Schlitzohr, denn als Steuermann an der Ruderpinne sorgt er in vermeintlichen Wellentälern durch geschickte Wendemanöver bei seiner Mannschaft für einige Duscheinlagen. Schäumend spritzt die Gischt trotz guten Schutzes in Hals und Nacken. Und er lässt es sich auch nicht nehmen ein fulminantes Luftgitarrensolo mitten auf dem Wasser hinzulegen, skurrile finnische Exzentrik eben, ein bisschen anders, ein bisschen verrückt, aber ausgesprochen liebenswert.

Information:
Finnisches Fremdenverkehrsamt, www.visitfinland.com/de/; Region Äkaslompolo, www.yllas.fi/en

Anreise:
Flug mit Finnair/OneWorld von vielen deutschen Städten über Helsinki nach Kittilä, (www.finnair.com). Im Winter gibt es an bestimmten Tagen Direktflüge von Düsseldorf nach Kittilä. Weiterfahrt mit dem Mietwagen nach Äkäslompolo in die Ylläs-Region.
Unterkunft:
Im typischen skandinavischen Stil bietet das Lapland Hotel Äkäshotelli in Äkäslompolo großzügige Apartments mit eigener Sauna. Das Hotel verfügt zudem über ein ausgezeichnetes Restaurant, in dem ein üppiges Frühstücksbuffet serviert wird. Im großzügigen Tanzsaal finden regelmäßig Unterhaltungsveranstaltungen statt (www.laplandhotels.com/EN/hotels-in-lapland/yllas/lapland-hotel-akashotelli). Unmittelbar am schwedisch-finnischen Grenzfluss Muonionjoki befindet sich das Harriniva Hotel, das neben gemütlich-rustikalen Zimmern und einem guten Restaurant eine breite Angebotspalette offeriert. Dazu zählen ein großer Saunabereich mit Außenjacuzzi, Rafting-Touren auf dem Fluss oder Führungen durch die nebenan gelegene, weltweit größte Schlittenhundezucht.

Lappland, Muonio, Torrassieppi, Aurora Glamping, Zelt, innen, See © Udo Haafke

Etwas außerhalb befindet sich das ebenfalls zum Hotel gehörende Feriendorf Torassieppi u.a. mit zwei Glamping-Zelten direkt am See und unverstelltem Blick auf das Spiel der Polarlichter (www.harriniva.fi).
Essen und Trinken:
In der Einsamkeit Lapplands gibt es eine erstaunliche Fülle an hochwertiger Gastronomie. So bietet das Aurora Estate am Ufer des Ylläsjärvi exzellente kulinarische Kreationen, darüber hinaus verfügt es über eine tolle traditionelle Rauchsauna und einige Hotelzimmer. Ein herbstlich angehauchtes Menü beinhaltet eine schmackhafte Pilzsuppe, feines Rillette vom Rentier und zum Abschluss Blaubeerkuchen mit Eiscreme, (www.auroraestate.fi). Höchst kreativ präsentiert sich auch die Küche des Restaurants Rouhe in Äkäslompolo. Cremige Rentiersuppe mit Artischocken, sautiertes Zanderfilet an Pfifferlingen, Roter Bete und Butterkartoffeln sowie lappländischer Käse mit Zimtsoße, Cranberries und Moltebeeren lassen das Herz höher schlagen, (www.ravintolarouhe.fi).
Erlebnisse:
Beim Besucherzentrum Kellokas mit kleiner Galerie und Ausstellungen zur Natur der Region starten die geführten Wanderungen in das Ylläs-Bergland mit tollen Aussichten und Naturerlebnissen. Unterwegs Rast mit rustikaler Verkostung in einer typischen Kota. Auf dem Kesankijärvi kann man sich im Kanu fahren üben und vom Wasser aus die Natur genießen (www.yllasguide.com).

Lappland, Äkäslompolo, Ylläksen Vaellushevoset, Wald, Leute, Pferde, Aktion, Bäume © Udo Haafke

Brave Islandpferde stehen bereit für entspannte, geführte Ausritte durch den Wald im Ylläksen Vaellushevoset. Eine Route führt dabei zu den eindrucksvollen Stromschnellen Kuerlinkat (www.yllaksenvaellushevoset.fi).

Lappland, Muonio, Torrassieppi, Rentierfarm, Wiese, Rentier, © Udo Haafke

Eine der ältesten Rentierfarmen Lapplands liegt nahe bei Torassieppi. Durch das alte Bauernhaus weht ein kräftiger Zug Nostalgie, im angrenzenden Stall finden sich zahlreiche historische Relikte aus dem Arbeitsleben der Rentierzüchter und natürlich sind ein paar Rentiere aus der Nähe zu sehen (www.harriniva.fi/en/destinations/torassieppi).

Lappland, Muonio, Muonionjoki, Fluss, Nacht, Wald, Nordlicht, Sterne, Himmel © Udo Haafke

Begegnungen mit den Polarlichtern gibt es gratis, sie sind jedoch nicht garantiert und vom Wetter abhängig. Für gute Fotopositionen fragt man am besten im Hotel nach oder folgt Einheimischen, die zielstrebig mit Kamera und Stativ unterwegs sind. Die Bewegungen am Himmel zeigen sich meist schon bald nach Sonnenuntergang und können drei bis vier Stunden andauern.

Bericht: Udo Haafke