7. März 2018 Hans-Raimund Kinkel

Deichtorhallen Hamburg mit 3 Super-Ausstellungen

Zwei Fotoausstellungen zum Thema „Junge deutsche Fotografie“ und „Junge deutsche Fotografie de Luxe“, die sich bewusst abgrenzen von der Bilderflut „realer“ Fotos durch Smartphones und Präsentation in den Sozialen Medien sowie die gigantische Ausstellung „Proof“ in den Deichtorhallen Hamburg, sollte man bei einem Städtetrip nach Hamburg auf jeden Fall in sein Programm einplanen. Vor allem die Ausstellung Proof mit einer ganzen Reihe von übergroßen Werken kommen in den Räumen der Deichtorhallen unglaublich gut zur Geltung.

ROBERT LONGO; Foto: © Hans-Raimund Kinkel

PROOF: FRANCISCO GOYA SERGEI EISENSTEIN, ROBERT LONGO
17. februar – 27. mai 2018
DEICHTORHALLEN HAMBURG/HALLE fÜR AKTUELLE KUNST

Mit Werken von Francisco Goya (1746–1828), Sergei Eisenstein (1898–1948) und Robert Longo (1953) stellt PROOF drei wesensverwandte Künstler vor, die soziale, kulturelle und politische Komplexitäten ihrer jeweiligen Zeit aufgreifen

Fotos: © Hans-Raimund KInkel

Aufklärung, Moderne und Postmoderne treffen in dieser Ausstellung zusammen. Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert erfahren diese drei Künstler sowohl die Turbulenzen eines Jahrhundertwechsels als auch die seismischen Auswirkungen von Revolution, Bürgerrechtsbewegungen und Krieg. Goya wählte im 18./19. Jahrhundert das Medium Druckgrafik für seine gesellschaftskritischen Werkzyklen und eindringlichen Kriegsbilder. Eisenstein thematisiert seit den 1920er Jahren die russische Geschichte in Filmklassikern wie Panzerkreuzer Potemkin (1925) oder Iwan der Schreckliche (1945). Der New Yorker Künstler Robert Longo setzt sich in seinen bis zu 7,5 Meter breiten Kohlezeichnungen mit drängenden Themen der Gegenwart wie Terrorismus, Flüchtlingsbewegungen und moderne Kriegsführung wie auch den Symbolen der Macht auseinander.

Foto: © Hans-Raimund Kinkel

Die Ausstellung »PROOF« wurde vom Garage Museum of Contemporary Art, Moskau initiiert und von Kate Fowle, Chef Kuratorin Garage, in Zusammenarbeit mit Robert Longo kuratiert. Die Deichtorhallen sind die einzige deutsche Station der internationalen Tournee, die von Moskau über New York nach Hamburg führt.

Gute aussichten 2017/2018 – junge deutsche Fotografie
15. Februar – 21. Mai 2018

Foto: © Hans-Raimund Kinkel

Deutschlands bedeutendster Wettbewerb für Absolventen und Absolventinnen im Bereich Fotografie, »gute aussichten − junge deutsche fotografie«, ist vom 15. Februar bis 21. Mai 2018 wieder zu Gast im Haus der Photographie der Deichtorhallen. Aus 94 Einsendungen von 35 Institutionen kürte die Jury acht Preisträgerinnen und Preisträger.

Allen gemeinsam ist, dass der Schlüssel zu ihren Bildräumen einzig in unserer Imagination liegt. Also jenseits einer vermeintlichen Realität, dort, wo wir unsere Sinne öffnen für das, was wir nicht kennen und nicht wissen. Der Weg dorthin führt uns, um es mit den schönen Worten der amerikanischen Schriftstellerin Donna Tartt zu sagen, »an den Rand des Regenbogens«.

Eine Japanerin, die in Deutschland lebt, (re-)konstruiert japanische und deutsche Familiengeschichten; ein Bildersammler und -sichter, dessen Familie ursprünglich aus Holland stammt, deklariert die Fotografie zu einem Mitglied seiner Familie; ein in Deutschland geborener Sohn portugisischer Eltern beleuchtet Portugal, indem er seinen Kindheitserinnerungen »vom Rücksitz« aus folgt. Ein Fotograf, gebürtig in der deutschen Provinz, begibt sich auf die Spur der Zukunft; eine in Usbekistan geborene, seit ihrem 20sten Lebensjahr in Deutschland beheimatete, Bildfinderin setzt Deutsche mit Migrationshintergrund in Szene, die im Auge der Betrachter nicht »Deutsch« sind. Eine Alchimistin der „dunklen Kammer“ öffnet die Tür zu der magischen Welt eines alltäglichen Gegenstandes; ein junger Mann sucht Bilder für das Unaussprechliche; eine junge Frau führt uns die Konstruktion unserer Wirklichkeiten beinahe schmerzhaft vor Augen.

gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule
26. Januar 2018 – 21. Mai 2018

Werk von Marian Luft; Foto: © Hans-Raimund Kinkel

Die Ausstellung »gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule« spiegelt den Fortbestand und Wandel des Mediums Fotografie in all seinen Facetten und bietet einen einzigartigen Überblick über eine Generation von jungen Fotografen, die, wohl wissend um das Primat der Düsseldorfer Schule, dieses jedoch hinter sich gelassen hat und sich visuell klar in der Gegenwart verortet.

So hat sich die zeitgenössische Fotografie vom reinen Abbild längst verabschiedet. Die durch die Düsseldorfer Schule postulierte Objektivität des Bildes ist – trotz oder gerade wegen der anhaltenden Bilderflut auf allen medialen Kanälen – dahin. Gesucht und untersucht wird von den jungen Talenten, welche Rolle die Fotografie im medialen Kanon der Bilder spielt und welche neuen Ausdrucks- und Erscheinungsformen man ihr entlocken kann. Ausgehend von den Rändern der etablierten Fotografie erweitert sich so das zeitgenössische Bild in aktuelle mediale Ausdrucksformen. Die jungen Lichtbildner nutzen dafür alle Mittel der digitalen und analogen Bilderzeugung und -umsetzung, bedienen sich unterschiedlicher medialer Strategien ebenso selbstverständlich, wie sie mit Bewegtbildern, Sound und der Malerei hantieren oder sich mit ihren Werken installativ in den Raum hinein bewegen.

Die Ausstellung »gute aussichten deluxe – junge deutsche Fotografie nach der Düsseldorfer Schule« resultiert aus der 14jährigen Arbeit für das Nachwuchsförderungs-Projekt »gute aussichten – junge deutsche fotografie«, das seit 2004 für seine inzwischen 122 Preisträger weltweit über 150 Ausstellungen organisiert hat. »gute aussichten deluxe« in Hamburg präsentiert 25 neue, herausragende Positionen aus dem Kreis der »gute aussichten« Preisträger der Jahre 2004 bis 2015, deren künstlerisches Schaffen sich in dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt hat.

www.deichtorhallen.de

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