Teil 1 – Anreise und Amsterdam

Die geführte Radreise mit dem Veranstalter „Die Landpartie – Radeln und Reisen“ mit dem Begriff „Land“ im Namen durch Holland, dazu die Anreise mit dem Zug und mit dem Leihfahrrad vor Ort, hatten wir uns als gänzlich entspanntes Unterfangen für den Juli vorgestellt. Also zur Hauptreisezeit.

 

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Amsterdam-Bahnhofsviertel mit Sint-Nikolaas-Kerk

Und zunächst sah es nach der Buchung auch völlig danach aus, bis wir etwa 14 Tage vor Reiseanstritt am 3. Juli nochmals die Zugverbindungen checkten für unsere Anreise von Hamburg über Duisburg nach Amsterdam und ein kleines Warndreieck entdeckten. Dahinter versteckte sich der Hinweis, dass der Anschlusszug in Duisburg etwa 10 Minuten früher abfahren würde. Dadurch verkürzte sich unsere Umsteigezeit auf 8 Minuten, wenn alles pünktlich ablaufen würde. Unser Nachbar, ein passionierten Bahnreisender, was wir zugegebenermaßen nicht sind, lachte und sagte: Das schafft ihr nicht! Damit würden wir dann vermutlich nicht rechtzeitig am Starttag am Treffpunkt im Amsterdamer Central-Bahnhof eintreffen, da die nachfolgende Verbindung von Duisburg nach Amsterdam über Regionalzüge 5-6 Stunden zusätzlich brauchen würden.

Nachdem wir alle weiteren Möglichkeiten geprüft hatten, eventuell auch auf einen Fernbus umzubuchen, entschieden wir uns, einen Tag früher zu fahren. Dafür mussten wir aber erstmal ein Zimmer in Amsterdam für eine Nacht bekommen. Hier konnte uns die Landpartie mit der Buchung in einem ihrer Vertragshotels nahe dem Bahnhof helfen, allerdings zu dem horrenden Preis von 270,- Euro für ein 12qm großes Zimmer mit 1.80 m Doppelbett mit einer durchgehenden Matratze und auch nur einer Zudecke.

Die neue Verbindung führte über die Strecke mit Umstieg in Osnabrück. Dazu wiederum brauchten wir neue Tickets, da mit Bad Bentheim ein anderer Grenzübergang nach Holland überquert wurde. Aber auch diese Umbuchung übernahm dann der Veranstalter für uns. Nun mussten wir nur noch vor Ort die Sitzplätze reservieren, was im Bahnhof in Bergedorf problemlos ging.

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Amsterdam Hauptbahnhof „Central“ – restaurierte Front

Unbedarft von Zugreisen wie wir nun mal waren, konnten wir uns die Enge in den ICE-Zügen gar nicht wirklich vorstellen. Die beiden Koffer konnten wir kaum unterbringen und die Toiletten waren und sind wohl eine ständige Katastrophe. Angenehm überrascht waren wir allerdings, dass die Züge jeweils absolut pünktlich verkehrten und wir keine Schwierigkeiten beim Umsteigen hatten, die Platzreservierungen klappten und wir trotz allem relativ entspannt in Amsterdam ankamen.

Amsterdam (1) – die Feierstadt

Amsterdam im Juli, noch dazu an einem Samstag, ist ein Erlebnis für sich. All die Menschen waren in ausgelassener Feierlaune. Straßen, Gassen, Plätze und Grachten waren brechend voll. Trotzdem nutzten wir natürlich diesen Tag, um diese holländische Metropole ersteinmal auf eigene Faust zu durchstreifen.
Dazu entnehmen wir einer Reisebeschreibung im Internet:

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Koninklijk-Paleis am Damplatz

„Die Hauptstadt der Niederlande, Amsterdam, zieht seit Jahrhunderten Menschen aus aller Welt an. Was Amsterdam so attraktiv macht, ist der historische Charme des 17. Jahrhundert in Kombination mit dem Flair einer modernen Metropole. In keiner anderen europäischen Hauptstadt finden Sie so viele Sehenswürdigkeiten und Museen pro Quadratkilometer wie in Amsterdam.

In Amsterdam leben über 800.000 Menschen mit rund 175 Nationalitäten und prägen den freien und internationalen Geist der Stadt. Der berühmte Grachtengürtel, die imposanten Plätze, die malerischen Gassen und Häuser sorgen für eine weltweit einzigartige Atmosphäre.“

Nach dem Einchecken im Hotel und einer kurzen Kaffeepause machen wir uns auf den Weg. Auf dem Damplatz mit dem königlichen Palast ist die Hölle los. Ein Gospelchor zieht die Besucher mit einer grandiosen, aber auch unglaublich lauten Show in seinen Bann. Da Amsterdam als Shopping-Paradies gilt, reihen wir uns in den Strom der Menschen ein, die durch den „Dam“ schlendern und machen Halt bei der berühmten Käseboutique, eines der vielen kleinen und individuellen Geschäfte. Die großen Einkaufszentren wie Bijenkorf (Dam 1) und Magna Plaza im historischen Hauptpostamt am Nieuwezijdse Voorburgwal 182 lassen wir aus und schlendern zu den Grachten rund um das Rotlichtviertel. Tagsüber ist es zwar auch gut besucht, hat aber keinen erotischen Touch, sondern reiht sich einfach in die große Feierlaune der Besucher ein, an Land und auf dem Wasser.

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Mädchen-Gruppe beim Junggesellinnen-Abschied

Auffallend vor allem die vielen Gruppen, die offensichtlich Junggesellen(innen)-Abschied feiern, wobei die Frauengruppen dominieren. Sie treffen wir auch in der Stadt auf fahrbaren Theken – meist laut kreischend und offensichtlich vom hohen Alkoholpegel geleitet.

Amsterdam ohne Museum – geht eigentlich gar nicht. Aber nach dem Hinweis, die Wartezeit für den Einlass ins das Rijksmuseum (Rembrandts „Nachtwache“) oder zum Van Gogh- Museum betrage gut 4 Stunden und 3,5 für den Besuch im Anne-Frank-Haus, lassen wir diese Pläne fallen. Wir lassen auf einer der Terrassen im Grachtenviertel das quirrlige Treiben auf uns wirken, gehen später bei einem kleinen Italiener in der Nähe unseres Hotels noch eine (hervorragende) Pizza essen.

Amsterdam (2) – Fahrradstadt und launige, historische Führung

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Fahrrad-Hauptstadt Amsterdam

Amsterdam gilt als Fahrrad-Hauptstadt der Welt. Das ist wohl auch der Hauptgrund, diese Reise der „Landpartie – Radeln und Reisen“ in Amsterdam starten zu lassen. Treffpunkt ist der Bahnhof Central. Nachdem alle 24 Teilnehmer eingetrudelt sind, geht es zur Nordseite des Bahnhofs, zur Wasserseite des Noordzeekanals.

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Das Filmmuseum in Amsterdam EYE

Als erstem Programmpunkt werden wir mit Blick auf das spacige EYE, das Filmmusuem Hollands, zu einer launigen Führung durch das „historische“ Grachtenviertel gelotst. Keizersgracht, Herengracht und Prinsengracht und die dortigen geschichtlichen Orte und Sehenswürdigkeiten lernen wir dabei kennen – und, was es heißt, in einer Fahrradstadt Fußgänger zu sein.

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Idyll an der Keizersgracht

Als Gruppe mit 25 Menschen stellen wir ein laufendes Hindernis für die Radler dar, die mit überwiegend hoher Geschwindigkeit durch die Gassen preschen, geschickt ausweichen und nicht im Geringsten genervt scheinen. Autos stehen zwar am Rand, fahrender Weise aber haben sie hier fast keine Möglichkeit.

Auf dem Rückweg kommen wir an dem imposanten Fahrradparkhaus am Bahnhof vorbei – und rätseln, ob das eine Zukunft für Deutschland haben könnte.

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Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof

Fahrrad-Fahren in Holland unterscheidet sich gravierend von unseren deutschen Regeln. Es wird oft behauptet, dass hier das Fahrrad schon immer Vorrang gehabt habe. Das ist nach meinen Recherchen jedoch nicht der Fall. Man hat in den 80iger Jahren bewusst die Veränderung eingeleitet mit dem Ziel, mehr Fahrrad-Verkehr und weniger Autoverkehr zu schaffen.